Küstenschutz
Deichacht beantragt Abschuss des Wolfs am Emsdeich
Vier Schafe wurden von einem Wolf am Emsdeich gerissen. Die Moormerländer Deichacht wird nun den Abschuss beantragen. Ähnliche Anträge sind am Dienstag vor Gericht gescheitert.
Leer - Nun ist es offiziell. Die Moormerländer Deichacht wird den Abschuss des Wolfs beantragen, der Mitte März vier Schafe auf dem Emsdeich gerissen hat. „Wir werden uns schlau machen und dann den Antrag stellen“, betont Oberdeichrichter Heiko Albers. Der Beschluss des Deichacht-Ausschusses fiel am Mittwoch einstimmig.
Was und warum
Darum geht es: Die Moormerländer Deichacht beantragt den Abschuss des Wolfs
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Deshalb berichten wir: Am Emsdeich hat der Wolf vier Schafe getötet Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Noch fehle der genetische Nachweis des Wolfs, aber die Deichacht wolle nicht abwarten, bis dieser da sei. „Das kann zehn bis zwölf Wochen dauern“, sagt Adolf Wilken von der Deichacht. Zwar sei nach den Rissen am 11. und 12. März kein Schaf mehr auf dem Deich von einem Wolf getötet worden, man wolle aber auch nicht darauf warten. „In wenigen Tagen kommen die Tiere der größten Deichschäferei raus. Wir machen uns Sorgen um die Schafe und die Schäfer“, sagt Albers. Die Befürchtung: Schäfer könnten durch die Risse ihren Beruf aufgeben. Dadurch könnte langfristig der Deichschutz nicht mehr gewährleistet sein.
Verlammung als Gefahr
Zudem bestehe durch die Anwesenheit des Wolfes noch eine weitere Gefahr: Gestresste Mutterschafe könnten verlammen, also das ungeborene Lamm verlieren. Eine Verlammung habe es nach dem Riss in Terborg auch gegeben. Weitere sind möglich, da sich dies meist erst Tage oder Woche nach einem Riss in der Herde zeige. „Wir gehen davon aus, dass die Risse im März durch das gleiche Tier erfolgten“, sagt Wilken. Zwar habe es seitdem keine weiteren toten Schafe am Deich gegeben, Wilken vermutet aber, dass der Wolf bei Schäfern im Hinterland zugeschlagen habe. „Es soll am Samstag einen Riss gegeben haben. Wir wissen aber nicht, wo und ob es wirklich stimmt“, sagt er.
Dass die Anträge auf den Abschuss eines Wolfs nicht immer auch umgesetzt werden, zeigte am Dienstag das Urteil des Verwaltungsgerichts in Oldenburg. Hier waren zwei Eilanträge gegen Wolfstötungen erfolgreich. Die Ausnahmegenehmigungen für Abschüsse in Schiffdorf (Landkreis Cuxhaven) und Garlstedt (Landkreis Osterholz) sind nach Auffassung des Gerichts voraussichtlich rechtswidrig.
Nabu befürwortet Urteil
Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe sowie der Freundeskreis freilebender Wölfe hatten Widerspruch gegen die Ausnahmegenehmigung eingelegt. Bei der Erlaubnis für die Abschüsse habe das Umweltministerium erstmals in Deutschland darauf verzichtet, ein klar definiertes Tier zum Abschuss freizugeben und Schäden klar einem bestimmten Rudel zuzuordnen.
Gibt es keinen anderen Weg?
Wolfsrisse: Deichacht will über Abschuss beraten
Der Naturschutzbund (Nabu) befürwortete das Urteil des Oldenburger Gerichts: „Das Gericht macht deutlich, dass das bisherige Vorgehen von Umweltminister Olaf Lies keine rechtliche Grundlage aufweist. Die unbegründete und auf ein gesamtes Rudel bezogene Erteilung von Abschussgenehmigung wie in diesen Fällen ist im Ministerium bisher gängige und zurecht kritisierte Praxis, die nicht länger hinzunehmen ist“, betonte der Landesvorsitzende des Nabu Niedersachsen, Holger Buschmann. Der Minister hingegen sei von der Richtigkeit des Vorgehens überzeugt, teilte er mit.
Abschied nach 40 Jahren
„Wir werden uns daher den Beschluss genau anschauen und prüfen, ob wir gegen diesen Beschwerde einlegen“, so Lies. Dieses Urteil könnte auch auf die Moormerländer Auswirkungen haben. Zwar vermuten sie, dass es sich um ein einzelnes Tier handelt, solange die Genprobe aber nicht analysiert ist, ist dies Spekulation. Heiko Albers gibt sich dennoch selbstbewusst: „Wenn unser Antrag abgelehnt wird, werden wir das anwaltlich überprüfen lassen. Wir werden unsere Schafe und Schäfer schützen“, so der Oberdeichrichter.
Gleichzeitig gab es eine gute Nachricht für die 31.000 Mitglieder der Deichacht. Die Beitragssätze bleiben auch in diesem Jahr stabil bei fünf Euro pro Hektar. Für Klaus de Wall war es hingegen die letzte Sitzung. Nach knapp 40 Jahren verlässt er den Ausschuss. Sein Platz wird von Gerold Lübben eingenommen.