Norden
70 Prozent der Straftaten aufgeklärt - Polizei trotzdem nicht zufrieden
Insgesamt ist die Kriminalität im Altkreis Norden im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen – mit einer Ausnahme. Diese Gruppe macht der Polizei besondere Sorgen.
Norden - Eigentlich könnte für die Polizei Norden alles gut sein: Die Kriminalität ist im vergangenen Jahr im Altkreis insgesamt zurückgegangen, gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote der Beamten auf fast 70 Prozent. Wäre da nicht die eine Gruppe, auf die die Polizei mit großer Sorge blickt. Denn ausgerechnet bei Kindern und Jugendlichen hat die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr zugenommen, teilte Polizeioberrat Ingo Brickwedde, Leiter des Polizeikommissariats Norden, am Donnerstag bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2021 mit. Grundsätzlich gilt aber: „Im Altkreis Norden lebt man sicher und das soll auch so bleiben“, sagte Brickwedde.
Insgesamt wurden im Bereich des Polizeikommissariats Norden im vergangenen Jahr 4191 Straftaten registriert. Die Anzahl der Straftaten ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 126 Straftaten bzw. 2,92 Prozent gesunken. Gleichzeitig hat die Aufklärungsquote des PK Norden 2021 einen neuen Höchststand von 69,46 Prozent erreicht. Zum einen schreibt Brickwedde diese dem Effekt der Corona-Pandemie zu, zum anderen betonte er aber auch das hohe Engagement und den „richtigen Riecher“, den seine Beamten oft hatten.
Weniger Einbrüche – mehr häusliche Gewalt
Zum Corona-Effekt gehört auf der einen Seite ein deutlicher Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen um 23 Prozent. Gleichzeitig haben die Beamten aber auch einen deutlichen Anstieg von häuslicher Gewalt verzeichnet.
Erfreulich ist laut Michael Pape, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes, der Rückgang bei Raubüberfällen (minus zehn Prozent), bei Körperverletzungen (minus zwölf Prozent) und bei Sachbeschädigungen (minus 13 Prozent).
Weniger Veranstaltungen, weniger Gewalt
„Dass 2021 ein Corona-Jahr war, in dem es wenige öffentliche Veranstaltungen gab und der Besuch von Diskotheken und Gaststätten eingeschränkt war, spiegelt sich in der Statistik 2021 wider. Die sehr häufig alkoholbedingten Körperverletzungen und Sachbeschädigungen im Zusammenhang mit Veranstaltungen sind sichtbar zurückgegangen“, sagte Pape. Im Jahresvergleich 2019/2020 sei dieser Trend schon zu sehen gewesen.
Das echte Problem für die Polizei waren im vergangenen Jahr die Kinder und Jugendlichen. Im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität kam es 2021 zu 294 Straftaten – fast neun Prozent mehr als im Jahr 2020. Besonders besorgniserregend ist dabei laut Polizei, dass die Diebstähle und Sachbeschädigungen jeweils um mehr als 60 Prozent zugenommen haben.
Sachbeschädigung oft aus Frust
Der klassische Ladendiebstahl spielt bei den Zahlen anscheinend aber keine Rolle mehr. Entsprechende Delikte gingen um fast zwölf Prozent zurück. Die Analyse der Fälle habe gezeigt, dass vor allem viele Fahrraddiebstähle hinzugekommen sind. Außerdem seien viele Fahrzeuge beschädigt worden, sagte Michael Pape. Das seien laut Polizei Taten aus Frust, wenn etwa Spiegel abgetreten oder Fahrzeuge zerkratzt werden.
Erfreulich sei aber auch bei den Kindern und Jugendlichen, dass sich die Zahl der Körperverletzungen um fast 22 Prozent verringert haben. Auch die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz haben sich um rund vier Prozent verringert. Die Zahl der Drogendelikte von Kindern und Jugendlichen hat deutlich um 35 Prozent abgenommen. Dass Kinder und Jugendliche weniger Drogen konsumiert haben, schreibt die Polizei ihrer erfolgreichen gemeinsamen Präventionsarbeit zwischen Polizei, Schulen, der Stadt Norden und dem Landkreis Aurich zu. Diese werde die Polizei weiter intensivieren. „Der Grund, warum die Kinder und Jugendlichen im letzten Jahr so viele Sachbeschädigungen begangen haben, könnte der Frust über ihre schon länger beschränkte Lebenssituation durch die Corona-Pandemie sein“, sagt Michael Pape.