Gericht
Prozessauftakt: 25-Jähriger wegen Vergewaltigung vor Gericht
Ein heute 25-jähriger Leeraner muss sich vor dem Landgericht Aurich verantworten. Ihm wird Vergewaltigung sowie schwere räuberische Erpressung vorgeworfen.
Leer - „Es ist eine Aussage-gegen-Aussage-Situation. Wir werden das deshalb in Ruhe und detailliert aufklären“, erklärte Richter Björn Raap vor Prozessbeginn. „Ich werde sicherlich auch viel nachfragen müssen.“ Im Herbst 2020 soll ein heute 25-jähriger Leeraner eine inzwischen 32-Jährige aus Nordrhein-Westfalen (NRW) in Leer vergewaltigt haben. Außerdem soll er einige Wochen später 2500 Euro von ihr erpresst haben. In der Auftaktverhandlung am Donnerstag wurde zu diesen Anklagepunkten das mutmaßliche Opfer vor der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Aurich angehört. Der Angeklagte äußerte sich am Donnerstag zunächst nicht.
Durch einen Zufall seien der Angeklagte und die Frau, die im Prozess auch als Nebenklägerin auftrat, in Kontakt gekommen. Sie suchte eine neue Wohnung und bekam von einem Freund eine Telefonnummer, die von einem Makler sein sollte. Als sie diese Nummer am 2. Mai 2020 über den Messenger-Dienst WhatsApp anschrieb, bekam sie allerdings von dem Leeraner eine Antwort, der jedoch kein Immobilienmakler ist und über 400 Kilometer entfernt wohnt. Sie schrieben weiter und lernten sich über Chat-Nachrichten und Video-Anrufe weiter kennen. In dieser Zeit habe die 32-Jährige ihn als potentiellen Partner gesehen. Am 11. September 2020 sollte es dann zu einem ersten persönlichen Treffen kommen. Sie mietete dafür eine Ferienwohnung in Leer. „Ich bin mit der Hoffnung dahin, dass man sich mehr kennenlernt als am Telefon oder via Chat“, so das mutmaßliche Opfer vor Gericht. Dort soll er sie dann vergewaltigt haben und sei danach recht schnell gegangen. Sie habe sich kurz danach auf den Rückweg nach Hause gemacht.
Widersprüchliche Angaben
Richter Raap musste mehrfach nachfragen, da die Zeugin sprunghaft Ausschnitte wiedergab: „Wir müssen das nachvollziehen können“, begründete er. Während der Verhandlung stellte er Widersprüche zwischen den vorliegenden Chat-Nachrichten und der Aussage bei der Polizei fest. Insgesamt gab es auch während der Verhandlung widersprüchliche Aussagen der 32-Jährigen über die gut eineinhalb Jahre zurückliegenden Geschehnisse.
Auch nach der mutmaßlichen Tat setzte sich der Chat der beiden fort. Am 30. September 2020 schrieb der Leeraner der Westfälin dem Protokoll zufolge, er habe 7000 Euro beim Roulette verloren. Zunächst sei es dabei nur um das Problem an sich gegangen, nicht darum, dass er Geld von ihr haben wollte. Das habe sich jedoch geändert, gab sie an. In einem Video-Anruf soll er eine Waffe poliert und ihr gedroht haben. „Er wüsste auch, wo mein Kind zur Schule geht“, beschrieb die Zeugin eine seiner Aussagen. Schlussendlich kam es am 30. Oktober 2020 zur Geldübergabe. Diese sollte erst in Leer stattfinden, wurde dann aber vom Angeklagten an eine Tankstelle in Krefeld verlegt, da er dort bei Verwandten gewesen sei. Dort habe sie ihm 2500 Euro übergeben. Am nächsten Tag sei sie dann zur Polizei. Dort zeigte sie ihn wegen Vergewaltigung und Erpressung an.
Fortgesetzt wird der Prozess am 29. März um 9.30 Uhr.