Kriminalstatistik
Betrüger nehmen immer stärker die Senioren ins Visier
Die Pandemie verändert einiges, auch die Kriminalstatistik. Die hat die Polizeiinspektion Leer/Emden jetzt vorgestellt und dabei gute und schlechte Nachrichten für die Bürger verkündet.
Leer - Gute und schlechte Nachrichten hat die Polizeiinspektion Leer/Emden zu vermelden. Die Pandemie hat in einigen Bereichen für eine gewisse Entspannung gesorgt. Beispielsweise hatten Einbrecher in Zeiten des Home-Office bei Privatwohnungen und -häusern vergleichsweise schlechte Karten.
Was und warum
Darum geht es: Die Pandemie hat 2021 die Zahl der Wohnungseinbrüche und Körperverletzungen sinken lassen. Sexualstraftaten und Schockanrufe gab es aber deutlich mehr als im Jahr zuvor.
Vor allem interessant für: alle, die schon einmal Opfer einer Straftat wurden, Angst haben, einmal Opfer zu werden oder selber Täter sind oder waren
Deshalb berichten wir: Die Polizei hat am Freitag ihre Kriminalitätsstatistik veröffentlicht. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Bei anderen Formen der Kriminalität verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr deutliche Anstiege der Fallzahlen. Auffällig sind Drogendelikte und Straftaten zulasten von Senioren.
Das sind die wichtigsten Erkenntnisse der Kriminalstatistik der Polizeiinspektion für das vergangene Jahr:
Auswirkungen der Pandemie
Es klingt wie eine sehr positive Entwicklung. Die Zahl der Einbrüche hat sich im vergangenen Jahr im gesamten Bereich der Polizeiinspektion Leer/Emden deutlich reduziert: von 531 auf 313. Bei Wohnungseinbrüchen sieht die Tendenz sogar noch besser aus: Die Zahl halbierte sich fast, sie sank von 168 auf 86. Thomas Memering, Leiter der Polizeiinspektion, gießt aber Wasser in den Wein. Man könne nicht von einen verlässlichen Trend ausgehen. „Viele Menschen befanden sich im Home-Office oder betreuten zu Hause ihre Kinder. Damit fehlten den Tätern die günstigen Gelegenheiten, um Einbrüche zu begehen, oder sie mussten sich stärker beobachtet fühlen.“
Auch die Zahl der Rohheitsdelikte, zu denen Raub und Körperverletzung gehören, ist im vergangenen Jahr zurückgegangen, wenn auch lange nicht so deutlich wie der der Einbrüche. Etwa fünf Prozent weniger Körperverletzungen hat die Polizei im vergangenen Jahr verzeichnet. Ein Jahr zuvor war die Zahl der Delikte in diesem Bereich schon um rund sieben Prozent gesunken. Auch das sei wohl zu einem guten Teil auf die Pandemie zurückzuführen, glaubt Angelika Grüter, die Leiterin der Zentralen Kriminaldienstes. Die Diskotheken seien überwiegend geschlossen gewesen und auch sonst habe es wenige Feiern gegeben, bei denen es sonst häufiger zu Schlägereien komme.
Senioren als Opfer
Seit Jahren versucht die Polizei vor allem ältere Menschen vor Enkeltrick, Schockanrufen und anderen Maschen zu warnen, mit denen ihnen Geld abgeschwatzt werden soll. Trotzdem ist auch im vergangenen Jahr die Zahl der Fälle und die Höhe der Schadenssumme deutlich angestiegen. Lag die im Jahr 2020 noch bei rund 40.000 Euro, waren es im vergangenen Jahr schon knapp 65.000 Euro. Und das seien nur die Fälle, die auch gemeldet worden seien. Man müsse davon ausgehen, dass viele dieser Delikte im Dunklen blieben, weil sich die Geschädigten zu sehr schämten, um sich an die Polizei zu wenden, so Memering.
Rauschgift
Im Gebiet der Polizeiinspektion Leer/Emden sind die Fälle von Rauschgiftdelikten um rund 19 Prozent gestiegen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede. In der Stadt Leer gab es stolze 38 Prozent mehr, im nahe zur niederländischen Grenze gelegenen Rheiderland 29 Prozent. In Emden blieb es bei einer moderaten Steigerung von drei Prozent, auf Borkum (minus 22 Prozent) und im Bereich Rhauderfehn/Ostrhauderfehn und Westoverledingen (minus 29 Prozent) sank die Zahl der entdeckten Delikte deutlich.
Rund ein Viertel der Fälle fielen übrigens bei Verkehrskontrollen auf. Aber auch große Ermittlungsverfahren konnten abgeschlossen werden, betont die Polizei. Bei großangelegten Durchsuchungen seien große Mengen von Drogen und Beweismitteln gefunden worden.
Sexualdelikte
Die stark steigende Zahl der Sexualdelikte (plus 43 Prozent auf 387 Delikte) bereitet der Polizei Sorgen. Der deutliche Anstieg zieht sich durch das ganze Zuständigkeitsgebiet, nur in Emden gibt es eine minimale Senkung. Allerdings lag die Stadt im vergangenen Jahr mit 91 Fällen an der Spitze und ist auch jetzt noch mit 89 Fällen vorne dabei. Stark aufgeholt haben Leer (plus 39 Prozent auf 82 Fälle), Die Gemeinden Moormerland, Hesel, Jümme und Uplengen (plus 68 Prozent auf 69 Fälle) und die Gemeinden Rhauderfehn, Ostrhauderfehn und Westoverledingen (plus 64 Prozent auf 92 Fälle).
Ein großer Teil der Fälle falle in die Kategorie Verbreiten, Herstellen und Besitz von kinder- und jugendpornografischer Inhalte, sagt die Polizei. Viele der Tatverdächtigen seien Kinder und Jugendliche, die sich untereinander – oft ohne zu wissen, dass das illegal ist – problematische Bilder und Kollagen umherschickten. Aber auch die Tatsache, dass Polizei und Staatsanwaltschaft ihren Einsatz bei der Bekämpfung der Kinderpornografie – auch länderübergreifend – deutlich erhöht hätten, führe zu den höheren Fallzahlen, die aufgedeckt wurden, so Grüter.