Rechtschreibung

Straße hat zwei Namen: Aber welcher ist richtig?

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 26.03.2022 15:11 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Boomstroat liegt am südlichen Ende von Greetsiel. Foto: Wagenaar
Die Boomstroat liegt am südlichen Ende von Greetsiel. Foto: Wagenaar
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Obwohl auf den Schildern in Greetsiel Boomstroat steht, findet man diese Straße in Online-Verzeichnissen wie Google Maps nicht. Das ist nicht das einzige Beispiel dieser Art, aber wie kann das sein?

Greetsiel/Hinte - Zwar ist die Boomstroat nur eine kleine Straße am Rande von Greetsiel. Es gibt dort jedoch so manche Ferienunterkunft, die die Urlauber regelmäßig in ihren Navigationsgeräten suchen – und vermutlich dabei stutzen. Eine Boomstroat gibt es in diesem Ort nämlich gar nicht – lediglich eine Boomstraße, behauptet so manches Kartensystem, zu dem unter anderem auch Google Maps zählt. Das ist aber falsch, betont Aljet Grönefeld im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die richtige Schreibweise ist ,Boomstroat‘. Dies wurde uns von der Gemeinde Krummhörn so mitgeteilt und nochmals bestätigt.“

Was und warum

Darum geht es: Damit alle Adressen und Zufahrten in Karten und Navigationsgeräten richtig sind, müssen die Angaben gepflegt werden. Dabei sind nicht nur die Kommunen gefragt.

Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher von Adressen, die mangels richtiger Angaben in Navigationsgeräten schwieriger – oder gar nicht – zu finden sind

Deshalb berichten wir: Kürzlich haben wir am Beispiel der Boomstroat berichtet, welche Auswirkungen ein fehlender Bebauungsplan haben kann. Dabei fiel uns auf, dass online von der Boomstraße die Rede ist.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Fehler wie diese kommen allerdings immer mal wieder vor und könnten verhindert werden, weiß Grönefeld aus Erfahrung. Er ist Dezernatsleiter bei der auch für Greetsiel zuständigen Auricher Regionaldirektion des Landesamts für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN). „Generell teilen die Gemeindeverwaltungen die Straßennamen und Hausnummern mit. Die Daten werden dann von den Katasterämtern an [das LGLN] in Hannover weitergegeben“, erklärt er. „Zusätzlich werden der Bezirksregierung in Köln diese Daten übermittelt, die diese bundesweit bündelt und länderübergreifend allen kostenpflichtigen Nutzern zur Verfügung stellt.“ Darüber werden dann also auch Anbieter wie Google versorgt, die die Straßennamen in regelmäßigen Zeitabständen von der Bezirksregierung in Köln erwerben.

Fehlender Buchstabe macht Anmeldungen unmöglich

Je seltener das gemacht werde, desto häufiger veralteten die Karten allerdings, so der Dezernatsleiter. Auch im Falle der Boomstroat sei die falsche Schreibweise auf überholte Daten zurückführbar, was in diesem Fall allerdings nicht die Schuld von Google und Co. ist. Früher habe die Boomstroat nämlich tatsächlich mal Boomstraße geheißen, was unter anderem auch in einem topografischen Kartenwerk kleineren Maßstabs so eingetragen worden sei. Als der Name dann im Liegenschaftskataster geändert wurde, sei das allerdings nicht sofort digital erfasst und weitergereicht worden. Grönefelds Regionaldirektion habe das jetzt auf unseren Hinweis hin im Falle der Boomstroat nachgeholt, versichert er.

Während dieses Problem gelöst scheint, ärgert sich Heinz Wagenaar weiterhin. Er wohnt im Kört Weg in Greetsiel, was auch in seinem Ausweis steht. Gerade außerhalb der Gemeinde und auch in Landkarten ist aber fast überall nur die Schreibweise Körte Weg zu finden. Das sorgt beim Ausfüllen von offiziellen Dokumenten für Probleme, sagte er uns schon vor einem Jahr. Der Hintergrund: Bis 1986 hatte es tatsächlich auch offiziell Körte Weg geheißen. Nach einer plattdeutschen Rechtschreibreform stimmte dann jedoch der Krummhörner Gemeinderat für die Umbenennung, die bis heute nicht an das Landesamt für Geoinformation weitergereicht wurde. „Es hat sich noch immer nicht geändert und ich kann mich nirgendwo anmelden“, so Wagenaar. Auch Grönefeld bestätigt, dass bei ihm noch immer der Körte Weg gelistet wird.

Groß-Midlum soll zu Groß Midlum werden

In der Gemeinde Hinte gibt es indes sogar bei einem Ortsnamen Widersprüche: bei Groß-Midlum. Das ist die offizielle Schreibweise für das 700-Einwohner-Dorf, die auch von vielen Einheimischen genutzt wird. Der Bindestrich fehlt jedoch auf den Ortsschildern und auf Landkarten, was laut der geltenden Rechtschreibregeln eigentlich falsch ist. Bei Ortsnamen, die aus zwei Wörtern bestehen, werde nämlich gekoppelt, wie zum Beispiel im Falle von „Alt-Wien“ oder „Alt-Heidelberg“, ebenso wie bei Orten, die mit „Groß“ beginnen, hatte unserer Zeitung vor einem Jahr Kathrin Kunkel-Razum von der Duden-Redaktion erklärt. Hintes Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) sprach sich trotzdem dafür aus, künftig in allen offiziellen Dokumenten den Bindestrich wegzulassen, um Kosten zu sparen. Es werde dazu Gespräche mit seinem Verwaltungsmitarbeitern und mit der Politik geben, hieß es. Als wir ihn jetzt noch einmal darauf ansprechen, schreibt er, dass das Thema „noch auf unserer Agenda“ stehe, man in letzter Zeit aber andere Themen priorisieren musste.

Es sind jedoch nicht immer nur die Kommunen, von denen abhängt, dass die Angaben in Karten und Navigationssystem richtig und aktuell sind. Auch die Bürger selbst können einen Beitrag dafür leisten. Während es die Aufgabe der Städte und Gemeinden sei, das Landesamt zum Beispiel über neue Straßen in Neubaugebieten zu informieren, stehen beispielsweise Hausbesitzer sogar in der Pflicht, ihre Immobilien zu melden, erklärt Grönefeld. „Das steht für viele aber nicht in der Prioritätenliste oben“, weiß der Dezernatsleiter. „Anschließend wundern die sich dann, wenn zum Beispiel die Post sie nicht findet.“

Grönefeld bittet aber auch darüber hinaus die Bevölkerung darum, sich zu melden, falls es zum Beispiel Probleme mit unauffindbaren Adressen oder falschen Streckenführungen gibt. Zwar sei man auch selbst unterwegs, um Karten zu kontrollieren, aber das reiche nicht immer aus, betont der Dezernatsleiter. Das Ziel sei es, dass Neubauten innerhalb eines Jahres in die Liegenschaftskarte eingezeichnet werden. Zudem kontrolliere man alle drei Jahre die Zuwegungen in jedem Ort. „Wir gleichen dabei die Landkarten mit Luftbildern ab.“

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