Serie „Wiesmoorer Köpfe“

Johann Wienbeuker eignet sich zum unglücklichen Ehemann

Werner Wiggermann
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Von Werner Wiggermann
| 28.03.2022 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In seinem Element: Johann Wienbeuker als grantelnder Bauer auf der Theaterbühne in „Lütte witte Siedenschoh“. Foto: Behrends
In seinem Element: Johann Wienbeuker als grantelnder Bauer auf der Theaterbühne in „Lütte witte Siedenschoh“. Foto: Behrends
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Ob grantelnder Bauer oder unglücklicher Ehemann – Johann Wienbeuker fühlte sich bislang in jeder Rolle bei der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor wohl. Dabei geht es ihm aber nicht nur um die Schauspielerei.

Wiesmoor - „Wenn Johann Wienbeuker die Bühne betritt, dann ist er schon eine eindrucksvolle Erscheinung“, schwärmt Christian Behrends, der Leiter der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor. Seine tiefe, vor allem kraftvolle Stimme unterstreiche den Eindruck – und ziehe den Zuschauer sofort in die Welt des Stücks. In 62 Inszenierungen ist Johann Wienbeuker bislang ein wesentlicher Teil dieser Welt gewesen. Die Zeit, in der Corona den Schauspielbetrieb der Niederdeutschen Bühne zur Spielpause zwang, kommt ihm inzwischen „ewig“ vor. Gut, dass es bald wieder losgeht. Gut für Johann Wienbeuker und seine Ensemble-Kollegen, gut für die Stadt Wiesmoor und ihre Theater-Fans.

Ein Meister der Mimik und Gestik auf der Theaterbühne: Johann Wienbeuker in der Wiesmoorer Inszenierung von „Hier sünd se richtig“. Foto: Behrends
Ein Meister der Mimik und Gestik auf der Theaterbühne: Johann Wienbeuker in der Wiesmoorer Inszenierung von „Hier sünd se richtig“. Foto: Behrends

Noch einmal agieren die plattdeutschen Mimen im Forum der KGS Wiesmoor. Am 7. Mai kommt es hier zur zweiten Premiere des Erfolgsstücks „Sluderkram in’t Trappenhuus“ (Tratsch im Treppenhaus). Zum einen, weil das eigene Theater der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor, die „Theaterstuuv“ an der Hauptstraße, noch nicht ganz fertig ist – zum anderen, weil im Forum die Treppe nach unten real vorhanden ist und daher als Spielraum dem Original aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater etwas näher kommt.

„Dieses Stück muss einfach toll gespielt werden“

Dass die Wiesmoorer Laienschauspieler an den Hamburger Schauspieler-Originalen – vor allem Heidi Kabel und Henry Vahl – gemessen werden könnten, treibt und trieb Johann Wienbeuker und seinen Kollegen niemals Sorgenfalten auf die Stirn. „Wir spielen es so, wie wir es eben können“, sagt Wienbeuker. So geerdet könne jede und jeder aus sich herausgehen und das sei auch gelungen: „Dieses Stück muss einfach toll gespielt werden, und die Truppe hat es toll gespielt.“

Dieses Foto zeigt Johann Wienbeuker in einer Spielszene mit Gerd Romaneeßen in dem Stück „Drievjagd in Knevelsfehn“. Foto: Behrends
Dieses Foto zeigt Johann Wienbeuker in einer Spielszene mit Gerd Romaneeßen in dem Stück „Drievjagd in Knevelsfehn“. Foto: Behrends

Und sie hat es natürlich auf Platt gespielt. Neben seiner Begeisterung für die Schauspielerei („Ich mag es einfach“) habe ihn stets die Überzeugung geleitet, zum Erhalt der plattdeutschen Sprache beizutragen, sagt Wienbeuker. Wenn die eines Tages unterginge, wäre das eine Katastrophe für Ostfriesland. Für ihn selbst wie für seine Ehefrau Edeltraut sei das Plattdeutsche als Kind selbstverständlich gewesen, betont der heute 72-Jährige. Inzwischen sei die Sprache bedroht – das Theaterspiel eine Möglichkeit, sie lebendig zu halten. Dadurch, dass die Wiesmoorer sich auch über eine aktive Jugendgruppe freuen können. Und auch dadurch, dass zugezogene Neu-Ostfriesen durch attraktives Theater den Wunsch entwickeln, den Dialogen auf der plattdeutschen Bühne zumindest folgen zu können.

27-mal führte er auch Regie

Die Qualität der Aufführungen spielt für beide Aspekte eine große Rolle; und Johann Wienbeuker ist einer der Garanten dieser Qualität. Seit 1977 brennt er für die Schauspielerei. „Da habe ich mal ein Stück gesehen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich ab 1978 selbst angefangen habe“, erzählt er. „Quartett to Drütt“ hieß sein erstes Bühnenstück. Eines von bis heute 35, in denen er als Schauspieler überzeugte. Hinzu kamen 27 Stücke, bei denen er Regie führte.

Johann Wienbeuker entdeckte als Zuschauer 1977 seine Begeisterung für das Theater. „Quartett to Drütt“ hieß ein Jahr später sein erstes Bühnenstück. Foto: Wiggermann
Johann Wienbeuker entdeckte als Zuschauer 1977 seine Begeisterung für das Theater. „Quartett to Drütt“ hieß ein Jahr später sein erstes Bühnenstück. Foto: Wiggermann

Ganz sicher mit der ruhigen Freundlichkeit, die den aus Hinte stammenden Johann Wienbeuker im „richtigen Leben“ auszeichnet. Was ihn aber nicht hindert, auf der Bühne als grantelnder Bauer in „Lütte witte Siedenschoh“ ebenso zu glänzen wie als unglücklicher Ehemann in „Lichtfüer“, der sich am Ende sogar das Leben nimmt. Ein Stück so traurig, dass es Ehefrau Edeltraut ausnahmsweise mal nicht ansehen konnte. „Ich habe mich eigentlich in allen Rollen wohlgefühlt“, beteuert dagegen Johann Wienbeuker. Und ganz bestimmt gilt das auch für die Rolle als strenger Lehrer im Torf- und Siedlungsmuseum, wenn er Kindern und Erwachsenen den rauen Ton der Pädagogik des frühen 20. Jahrhunderts demonstriert. Den Job im Museum hat er vor fünf Jahren als zweites Hobby aufgebaut. Das Motiv hat viel gemein mit dem fürs Theater. Auch hier geht es um das Bewahren. Menschen klar zu machen, wieviel Armut und Mühsal das Leben früher prägten.

Dass produktive Erinnerung ohne Menschen wie Johann Wienbeuker und seine Mitstreiter jedenfalls erheblich schwieriger wäre, spiegelt seine Ehrenmitgliedschaft bei der Niederdeutschen Bühne wider; auch 38 Jahre Vorstandsarbeit stecken dahinter. Er ist stolz darauf und darf es sein. Auch dafür, dass er im Team denkt und handelt, dass er bei allem, was er für alle tut, nicht allein ist.

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