Bildung
Zwei neue Schulen für Moordorf?
Die Ansiedlung der Freien Christlichen Schule Ostfriesland in Moordorf wird zur Hängepartie. Doch seit Donnerstagabend liegt eine neue Variante auf dem Tisch.
Moordorf - In den Moordorfer Schulstreit kommt Bewegung: Womöglich können nun doch zwei Schulen in das Gebäude der auslaufenden Haupt- und Realschule ziehen. Die Gemeindeverwaltung prüft das. Den Auftrag dazu hat ihr die Politik erteilt.
Seit rund einem Jahr wird in Südbrookmerland darüber debattiert, ob die Freie Christliche Schule Ostfriesland (FCSO) eine Zweigstelle für mehr als 500 Schüler in Moordorf eröffnen kann. Die in Veenhusen (Landkreis Leer) ansässige Privatschule hat in Südbrookmerland so viele Fans, dass sie zum kommenden Schuljahr eine eigene fünfte Klasse nur für Kinder aus Südbrookmerland einrichten will. Diese könnten dann zum Schuljahr 2023/24 zur neuen Zweigstelle in Moordorf wechseln, so die Idee.
Eltern werden befragt
Eigentlich sollte der Gemeinderat bereits Anfang März entscheiden, ob die FCSO das bald leerstehende Schulgebäude nutzen kann. Doch in letzter Minute klopfte eine weitere Privatschule bei der Gemeindeverwaltung an, ein Fast-Namensvetter der FCSO: Die Freie Schule Ostfriesland mit Sitz in Großheide hat ebenfalls Interesse an den Räumen. Sie ist auf der Suche nach einer neuen Bleibe mit Platz für 100 Kinder.
Bürgermeister Thomas Erdwiens (FWG) hatte zunächst kategorisch ausgeschlossen, dass das Gebäude von beiden Schulen gleichzeitig genutzt werden kann. Dafür sei der Raumbedarf der FCSO zu groß. Nun aber wird die Verwaltung diese Möglichkeit doch prüfen. Der Schulausschuss des Gemeinderates hat sie damit beauftragt. Parallel befragt die Gemeinde die Eltern von Grundschülern nach deren Plänen und Wünschen für die weitere Schullaufbahn ihrer Kinder. So soll der Elternwille erkundet werden.
„Enttäuschen wir sie nicht“
Einige Mitglieder des Gemeinderates glauben, den Elternwillen längst zu kennen. Stefan Kleinert (SPD), pensionierter Grundschulleiter, forderte in einer Rede am Donnerstag vehement einen Grundsatzbeschluss pro Ansiedlung der FCSO in Moordorf. Es sei an der Zeit, ein positives Signal zu senden und den Eltern Planungssicherheit zu geben. „Es geht hier nicht um eine Nischenschule, sondern um eine weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus bekannte Einrichtung“, sagte Kleinert. „Viele Eltern in Südbrookmerland wollen genau diese Entscheidung von uns. Enttäuschen wir sie nicht!“
Die Enttäuschung blieb den Eltern und den Vertretern der FCSO im Publikum nicht erspart. Den erhofften Grundsatzbeschluss pro FCSO gab es nicht. Doch auch der Vorschlag der Verwaltung, zunächst die offenen Fragen zu klären und das Ergebnis der Elternbefragung abzuwarten, wurde nicht angenommen. Bei beiden Anträgen gab es ein Patt, damit waren sie abgelehnt. Die Entscheidung fällt kommende Woche in der Ratssitzung.
Infoveranstaltung am 23. April
Kritiker befürchten, dass die Gemeinde mit einer Ansiedlung der FCSO ihr eigenes Angebot schwächt, nämlich die IGS Marienhafe-Moorhusen. Vertreter der FCSO betonen immer wieder, dass sie nicht zum Spielball der Politik werden wollen. Wenn es erwünscht sei, komme man gerne nach Moordorf, hatte Vorstandssprecher Konrad Huismann kürzlich im Gespräch mit der Redaktion gesagt. „Wenn nicht, dann nicht. Dann sind wir raus, dann soll es so sein.“
Unterdessen lädt die FCSO für Sonnabend, 23. April, ab 11 Uhr Eltern und Grundschulkinder aus Südbrookmerland zu einer Infoveranstaltung an den Standort Veenhusen ein. Sie können dort das System und die räumlichen Strukturen der Schule kennenlernen. Die Schule bittet um Anmeldung unter Telefon 04954/94110 oder per E-Mail an sekretariat@fcso.de.