Betreuung
Front gegen Kita-Pläne des Landkreises wächst
Der Kreis Aurich will die Verantwortung für die Kitas übernehmen – doch die Front dagegen wächst. Elternräte rufen zum Unterzeichnen einer Petition auf, auch aus Großefehn gibt es Gegenwind.
Großefehn - Die Front gegen die Pläne des Landkreises Aurich wächst, künftig die Verantwortung für die Kitas im Kreisgebiet zu übernehmen. Elternräte gehen dagegen auf die Barrikaden – und aktuell gab es nun auch aus dem Bildungsausschuss der Gemeinde Großefehn ein klares „Nein“ zum Vorhaben. Der Ausschuss empfahl entsprechend dem Gemeinderat einen Beschluss, wonach die Kommune selbst weiterhin für die Kitas verantwortlich bleiben soll, aber der Kreis sich angemessen finanziell beteiligt.
Leonie Hassler, Leiterin der Kinderkrippe Mühlenhof, sagt stellvertretend für die Leitungen im Gemeindegebiet: „Wir sind überrumpelt worden, haben von dem nur aus der Presse erfahren. Man spricht nicht mit uns, will offenbar auch nicht mit uns sprechen und über unsere Köpfe hinweg entscheiden, und das bereitet uns Bauchschmerzen.“ Die Verunsicherung sei groß – unter den Betreuenden, aber auch unter den Eltern. „Wir müssen ja etwas umsetzen, woran wir aber nicht beteiligt werden.“
Werden Aushilfskräfte bald rumgereicht?
Wenn der Landkreis Aurich die Betreuung vereinheitlichen wolle, einheitliche Vertretungs-Pools einrichten, einheitliche Standards festlegen: „Dann frage ich mich, ob unser sehr hoher Standard nicht sinken wird.“ In der Gemeinde gebe es einen festen Stamm von Vertretungskräften, die im Krankheitsfall einspringen. „Die kennen die Kinder. Das läuft super. Wir sind aber auch nur neun Einrichtungen. Wenn nun 126 Einrichtungen im ganzen Kreis in einen Pool kommen: Wie wird das dann?“, fragt Hassler. „Wird eine Erzieherin dann montags in der Krummhörn einspringen und tags drauf in Wiesmoor? Ich stelle mir das schwierig vor – gerade, wenn es um die wichtige Bindung zu den Kindern geht.“
Genauso stellten Eltern sich die Frage, inwiefern plötzlich die Betreuungszeiten verändert werden, wenn der Kreis das Ruder ergreife. Oder ob plötzlich auch einheitliche Anmeldekriterien entwickelt werden. „Da gibt es in einer Flächengemeinde wie Großefehn aber ja ganz andere Kriterien, die wichtig sind, als etwa in einer Stadt wie Aurich“, so Hassler. „Und in der Gemeinde haben wir bei Absprachen kurze Wege. Wenn der Wasserhahn kaputt ist, rufen wir beim Bauhof an, und binnen einer halben Stunde ist der Hahn repariert. Wenn wir oder Eltern andere Fragen haben: Man kennt sich, regelt das schnell“, sagt die Krippen-Leiterin. „Wir haben schon die Sorge, dass das anders wird, wenn der Kreis übernimmt. Dass wir länger auf Antwort warten müssen.“
„Wir machen das gern weiter“
„Wir haben die Verantwortung für die Kitas gern übernommen, wir machen das auch gern weiter“, sagte der Erste Gemeinderat Frank Cramer jetzt. „Wir müssen nur die entsprechenden Mittel haben und finanziell entlastet werden.“
Die Gemeinde habe die Kinderbetreuung aus Überzeugung vorangebracht und Investitionen nicht gescheut – und dabei auch den Rat als Unterstützer zur Seite gehabt. In der Sitzung des Bildungsausschusses machte Cramer dies deutlich, und auch die Leitungen der Krippen hatten sich versammelt und zeigten ihren Widerstand gegen das Vorhaben des Kreises.
Elternräte appellieren: Petition unterschreiben
Unterdessen rufen die Gemeinde- und Stadtelternräte für Kindertagesstätten aus Aurich, Großefehn, Ihlow und Wiesmoor alle Eltern und Bürger des Landkreises dazu auf, die Petition gegen die Übernahme der Kindertagesstätten durch den Landkreis Aurich zu unterzeichnen. Die Petition – initiiert durch die Kitas in der Gemeinde Hinte – hat bereits mehr als 1.300 Unterschriften erhalten.
„Nur weil der Landkreis meint, im Recht zu sein, ist die Sache noch lange nicht richtig“, werden die Vertreter der Elternräte, Geerd Smidt, Maria Trauernicht, Christina Preuß, Maike Schmidt und Claas Höfers, in einer gemeinsamen Mitteilung zitiert. Enttäuscht seien sie vor allem, „weil der Landkreis den Trägerwechsel durch die Hintertür umsetzen möchte, anstatt sich mit den Elternvertretern in Verbindung zu setzen und mit ihnen in den Dialog zu treten“, heißt es.
Kopfschütteln über Auricher Kita-Pläne
Sorge um die Zukunft der Auricher Kitas
Kurze Wege und vertraute Ansprechpartner würden gegen Bürokratie und Anonymität getauscht. Dies stelle einen starken Kontrast zur Kommunikation mit den bisherigen Trägern dar und lasse den Eindruck entstehen, dass der Landkreis keinerlei Interesse an den Bedürfnissen der Eltern und vor allem der Kinder habe. „Da es offensichtlich nur ums Geld geht, befürchten wir Mittelkürzungen und Investitionsstau bei den Kitas, sowie höhere Kosten für die Eltern“, werfen die Elternvertreter in ihrer Mitteilung ein. Sie wollen ihre Bedenken auch in der Kreistagssitzung am Donnerstag ab 15 Uhr vorbringen.