Kraftstoffpreise
Land stellt schnelle Hilfen für Fischer in Aussicht
Die hohen Dieselpreise setzen auch die Kutterfischer in Ostfriesland weiter unter Druck. Die Bundesländer an der Küsten stehen deshalb in engem Austausch.
Greetsiel - Angesichts der drastisch gestiegenen Kraftstoffpreise hat Niedersachsens Fischereiministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) den Fischern an der niedersächsischen Küste schnelle Hilfen in Aussicht gestellt. Sie sei deshalb auch mit ihren Amtskollegen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im „engen Austausch“, sagte die Politikerin am Sonnabend in Greetsiel anlässlich des offiziellen Start eines Forschungsprojektes für eine stärkere regionale Wertschöpfung der Krabbenfischerei.
Bei den Bemühungen setze sie auch auf Unterstützung des Bundeslandwirtschaftsministerium und der EU-Kommission, sagte die Ministerin. Denn auch Frankreich, Spanien und die Niederlande kämpften gegenwärtig für ihre Fischer. Otte-Kinast sprach in Greetsiel auch mit Krabbenfischern, die am Rande ihres Besuchs im Hafen mit Bannern auf die enorm gestiegenen Dieselpreise aufmerksam machten.
Viele Kutter bleiben in den Häfen
Der Anstieg der Kraftstoffpreise setzt die Fischer schon seit Wochen unter Druck. Weil das Fischen laut den Erzeugergemeinschaften nicht mehr wirtschaftlich ist, bleiben zurzeit viele Kutter in den Häfen liegen. Dabei hatten die Krabbenfischer nach drei schwierigen Jahren mit geringen Fangmengen, niedrigen Erzeugerpreisen und Engpässen beim Pulen in Marokko wegen der Corona-Pandemie auf ein gutes Wirtschaftsjahr 2022 gehofft.
„Wir waren gerade wieder auf einem guten Weg“, sagte Dirk Sander (Neßmersiel), Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer sowie des Landesfischereiverbandes Weser-Ems. Doch die gestiegenen Verkaufspreise könnten die Ausgaben für Diesel nicht mehr ausgleichen. Bislang machten die Kosten für den Diesel etwa 20 Prozent des Umsatzes aus. „Jetzt liegen sie bei 60 bis 70 Prozent“, so Sander.
Verbrauch bei bis zu 35 Liter pro Stunde
Ähnlich äußerte sich auch Gerold Conradi. Der Sprecher der Greetsieler Fischer rechnete vor, dass die Kutter zwischen 20 und 35 Liter pro Stunde verbrauchen. Viele Kutter blieben deshalb nach wie vor in den Häfen, so Conradi gegenüber dieser Zeitung. Ein Teil der Flotte fahre aber heraus, auch um zu erkunden, ob etwas zu fangen ist. Denn die Fangmengen könnten binnen weniger Tage variieren. Einige Kutter, die nördlich der Inseln Juist und Norderney gefischt hätten, steuerten nach Angaben des Sprechers auf der Heimfahrt den Hafen von Norddeich an, um den um drei Stunden längeren Anfahrtsweg nach Greetsiel zu vermeiden.
„Uns steht das Wasser bis zum Hals“, hatten Fischer anlässlich des Besuchs von Otte-Kinast auf ein Protestbanner geschrieben. Zu der Gruppe von Fischern, die die Ministerin damit auf die gegenwärtige Misere der Branche aufmerksam machten, gehörte auch Matthias Schäfer. „Es ist zurzeit für uns nicht ganz einfach“, sagte der 32-Jährige aus Cirkwehrum (Gemeinde Hinte), der als Decksmann arbeitet, aber auch das Kapitänspatent in der Tasche hat. Zu den hohen Dieselpreisen komme hinzu, dass die Kutter wegen der Offshore-Windparks bis zu sechs Stunden lange Umwege auf See in Kauf nehmen müssen. Außerdem belaste „immer mehr Bürokratie“ den Berufsstand.