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Emden: Tiny-House-Dorf soll noch in diesem Jahr entstehen

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 27.03.2022 21:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
•Am Campingplatz in Harlesiel entstand das erste Green Tiny Village aus 19 Mini-Häusern. Foto: S. Ullrich/Archiv
•Am Campingplatz in Harlesiel entstand das erste Green Tiny Village aus 19 Mini-Häusern. Foto: S. Ullrich/Archiv
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Ein Unternehmen will Millionen Euro in 25 mobile Mini-Häuser am Kleinen Meer investieren. Auch eine Gastronomie soll es auf dem Köhnemann-Gelände wieder geben. Doch es regt sich Widerstand.

Emden - Gut sieben Monate nach Bekanntwerden der Pläne rückt die Anlage einer Siedlung von „grünen“ Ferienhäusern im Mini-Format am Kleinen Meer vor den Toren Emdens näher. Das Unternehmen Green Tiny Houses mit Sitz im schleswig-holsteinischen Elmshorn hat in der Zwischenzeit den Antrag auf Genehmigung eines kleinen Dorfes aus mobilen Tiny-Häusern bei der Stadt Emden gestellt. Das bestätigte Geschäftsführer Jan Sadowsky auf Nachfrage. Er will das Projekt noch in diesem Jahr umsetzen und eigenen Angaben zufolge einen „mehrfachen Millionen-Betrag“ investieren.

Was und warum

Darum geht es: die Pläne für eine Freizeit-Anlage aus 25 Tiny Houses am Kleinen Meer in Emden

Vor allem interessant für: alle, die sich für den Tourismus und neue Trends interessieren sowie für Anlieger des Kleinen Meers und des Kurzen Tiefs

Deshalb berichten wir: Das Projekt war jüngst Gegenstand der Beratungen im Emder Ratsausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Wir haben bei dem Investor nachgefragt, wie weit er mit den Planungen ist.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Laut des Chefs plant das Unternehmen, auf dem etwa 12.000 Quadratmeter großen Areal 25 mobile Tiny Houses aufzustellen. Sie sollen an Urlauber vermietet werden. In einem der Häuschen soll eine Sauna eingerichtet werden. Das Gelände liegt direkt am Kurzen Tief, das in das Kleine Meer (Hieve) mündet. Es ist umgeben von bestehenden Wochenendhäusern ist. Green Tiny Houses hatte das Areal 2021 von dem Vorbesitzer gekauft.

Investor sucht einen Gastronomen

Am Standort des ehemaligen Ausflugslokals Köhnemann soll auch wieder eine öffentliche Gastronomie entstehen. „Das ist unserer klare Zielsetzung“, sagte Sadowsky, der von einem „Treffpunkt für alle“ spricht. Allerdings wolle sein Unternehmen die Gastronomie nicht selbst betreiben, weil es in dieser Branche nicht zu Hause sei. Deshalb sei man auf der Suche nach einem geeigneten Gastronomen. Allerdings müsse der Betrieb der Philosophie von Green Tiny Houses, entsprechen, die auf naturnahe Erholung und Nachhaltigkeit setze.

Die ehemalige Gaststätte Köhnemann am Kurzen Tief war früher Treffpunkt für Anlieger des Kleinen Meers und ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: F. Doden/Archiv
Die ehemalige Gaststätte Köhnemann am Kurzen Tief war früher Treffpunkt für Anlieger des Kleinen Meers und ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: F. Doden/Archiv

Die Tiny Houses, die Sadowsky am Kleinen Meer aufstellen will, sollen auf Trailern montiert werden, die für den Straßenverkehr zugelassen sind. Es müssen mobile Einheiten sein, weil der rechtskräftige Bebauungsplan der Stadt aus dem Jahr 1975 das Areal bei der ehemaligen Gaststätte Köhnemann als Campingplatz ausweist. Ein neues Bauleitverfahren, das die bauliche und sonstige Nutzung des Grundstücks nach Maßgabe des Baugesetzbuches festlegt, sei deshalb nicht erforderlich, erläuterte Chef-Stadtplaner David Mahlzahn jüngst im zuständigen Fachausschuss des Stadtrates.

SPD-Ratsfraktion hat „Bauchschmerzen“

Die SPD-Fraktion als stärkste Kraft im Rat sieht dieses Projekt ebenso wie den Plan anderer privater Investoren zum Bau von 25 festen Wochenendhäusern in unmittelbarer Nachbarschaft des Köhnemann-Areals allerdings „durchaus kritisch“. „Wir haben bei beiden Vorhaben Bauchschmerzen“, sagte SPD-Mann Harald Hemken im zuständigen Ratsausschuss. Es müsse deshalb nach Möglichkeiten gesucht werden, „regulierend darauf einzuwirken“.

Hingegen hält Rainer Kinzel, den Plan für die mobilen Tiny Houses für verträglich. „Aus meiner Sicht ist das eine Bereicherung für den Ort“, sagte der zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung in derselben Sitzung. Emden wäre das zweite „Green Tiny Village“ des Elmshorner Unternehmens, das seine ökologischen und energieeffizienten Mini-Häuser an mehreren Standorten in Deutschland vermietet und weiterer solcher Dörfer plant.

Es wäre der zweite Standort in Ostfriesland

Die erste Anlage in Ostfriesland entstand im vergangenen Jahr in Harlesiel (Landkreis Wittmund) mit 19 Häuschen und läuft nach Angaben der Touristiker sehr erfolgreich. Das Wohnen in Tiny Houses liegt voll im Trend.

Die Mini-Unterkünfte, die Green Tiny-Houses auf dem Köhnemann-Gelände aufstellen will, haben jeweils eine Wohnfläche von etwa 22 Quadratmetern, bieten viel Raum auf zwei Ebenen, und vom Kochplatz bis zum Schlafloft unterm Dach überall den Blick nach draußen. Sie stecken nach Angaben des Geschäftsführers voller grüner Innovationen und smarter Technologien.

Beispiele dafür sind die Fassade aus „Superwood“-Holz, die komplett ohne chemisch-giftige Lacke und Klebstoffe auskommt und eine Dämmung aus reinem, unbehandelten Seegras. Geduscht wird in der Astronautendusche, die Wasser in Echtzeit aufbereitet, dabei bis zu 90 Prozent Wasser und 80 Prozent Energie einspart, und geschlafen wird in Bettwäsche aus unbehandelter Bio-Baumwolle.

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