Schifffahrt

Teures Öl: Sind Segel die Zukunft der Schifffahrt?

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 29.03.2022 08:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die EMS-Fehn-Group hatte mit der „Fehn Pollux“ ein Schiff, das neben dem normalen Antrieb auch einen Rotor hatte. Foto: EMS-Fehn-Group
Die EMS-Fehn-Group hatte mit der „Fehn Pollux“ ein Schiff, das neben dem normalen Antrieb auch einen Rotor hatte. Foto: EMS-Fehn-Group
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Öl ist teuer. Das gilt auch bei Schiffen. Es gibt aber Möglichkeiten, Sprit zu sparen. Einige davon bedienen sich sehr alter Technologien.

Leer - Sehen wir bald auf den Weltmeeren wieder Schiffe, die mit Segeln bestückt sind? Wenn es nach den Professoren Jann Strybny und Michael Vahs von der Hochschule Emden-Leer geht, auf jeden Fall. „Die Konzepte sind da und sie funktionieren. Jetzt geht es darum, sie aufzurüsten“, sagt Strybny beim Symposium zur Segeltechnologie am Maritimen Kompetenzzentrum (Mariko) in Leer.

Was und warum

Darum geht es: Die Schifffahrt steht vor einem Wandel: Die EU-Normen und teurer Sprit sorgen für die Suche nach neuen Antriebsformen

Vor allem interessant für: Alle, die sich für die Umwelt und die Schifffahrt interessieren

Deshalb berichten wir: Bei einem Symposium wurden Segelantriebe für die konventionelle Schifffahrt vorgestellt.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Kurzfristig gehe es um Schiffe, die über Zusatzsysteme, die den Wind zur Fortbewegung nutzen, den Spritverbrauch reduzierten. Langfristig seien Schiffe, die überwiegend Segelantrieb nutzen, denkbar. „Schon jetzt gibt es staatliche Fördermittel, um Schiffe mit Segelantrieben auszurüsten“, so Vahs. Für die Unternehmen hätten diese den Vorteil, dass die Windkraft quasi umsonst auf den Weltmeeren vorhanden ist. Ölbasierter Sprit hingegen wird immer teurer.

Moderne Systeme

Wer jetzt hofft, Schiffe, die wie Traditionssegler bestückt sind, im Leeraner Hafen zu sehen, wird jedoch enttäuscht. Moderne Segelsysteme funktionieren anders. Vereinfacht gesagt: Ein sich drehender Zylinder beugt den Luftstrom. Auf den beiden Seiten des Rotors fließt die Luft so mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und erzeugt so Vortrieb. Ein solches System nutzt beispielsweise der Flettner-Rotor.

Die Leeraner Ems-Fehn-Group hatte dieses System auf der „Fehn Pollux“ installiert. „Wir sind begeistert. Wir haben in über zwei Jahren, in denen das Schiff bei uns war, etwa zehn Prozent Treibstoff gespart“, sagt Matthias Hesse, Managing Director der Fehn Ship Management. Er selbst habe mit einer derart hohen Ersparnis nicht gerechnet. Die kleineren Schiffe der Gruppe bräuchten zwischen 3,5 und vier Tonnen Gasöl pro Tag und eine Tonne kostet momentan um 1300 Dollar. So kann der Flettner schnell ein paar hundert Euro Ersparnis bringen - pro Tag.

Schwierige Nachrüstung

Das Ganze hat aber einen Haken. „Bei alten Schiffen lohnt sich eine Nachrüstung nicht. Wenn man die Rotoren jedoch gleich von Anfang an einplant, kann ein Großteil kostenneutral gebaut werden“, so Hesse. Sollten die Ölpreise zudem weiter ansteigen, könnte es sich lohnen, jüngere Schiffe nachzurüsten. Er betont allerdings, dass Systeme, die auf Windkraft setzen, immer nur ein Zusatz sein könnten. Vor allem das Anlegen wäre schwierig, wenn es keine punktuell steuerbaren Systeme mehr gebe. Zudem müsse man Lieferketten einhalten. Eine pünktliche Lieferung sei deshalb unabdingbar.

„Wir müssen zu einer Lösung finden, die besser ist“, sagt er. Zusammen mit einer Lübecker Werft konstruiere das Leeraner Unternehmen deshalb gerade eine alternative Form des Antriebs. „Da geht es um ein Elektroschiff, das durch ein Dieselaggregat angetrieben wird. Den Diesel können wir allerdings austauschen“, so Hesse. Die Idee: Wenn Wasserstoff oder Ammoniak als Kraftstoffe marktreif wären, sollten diese die Stromproduktion für den Elektromotor übernehmen. „Da sind wir aber noch ganz am Anfang. Wir wollen unsere Flotte schrittweise verjüngen“, betont er. Aktuell seien die elf Schiffe in der Flotte im Schnitt zehn Jahre alt. Das sei noch relativ jung, man wolle aber frühzeitig an die Zukunft denken.

Auch die mit dem Flettner ausgestattete Pollux wurde 2021 aus Altersgründen nach Kroatien verkauft. Die aktuellen Preise für fossile Brennstoffe belasten das Unternehmen. „Wir müssen die Preise, soweit es geht, weitergeben“, sagt Hesse. Es sei allerdings nicht abzusehen, wie sich die Lage an den Märkten entwickele. Anders sei das bei den Umweltauflagen. „Die sind strikt“, sagt er. Nach dem Willen des EU-Parlaments sollen Schiffe in acht Jahren vierzig Prozent weniger CO2-Emissionen verursachen als 2018. „Das wird für Druck und einen CO2-Handel sorgen“, ist Hesse sich sicher. Gerade in diesem Umfeld seien neue Antriebsformen und Flettnerrotoren eine gute Alternative.

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