Justiz
Trotz Verurteilung: 27-Jähriger sammelt weiter Kinderpornos
Ein 27-jähriger Auricher besaß mehrere Hundert kinderpornografische Dateien. Noch während er am Dienstag von einer Amtsrichterin verurteilt wurde, lief bereits das nächste Verfahren gegen ihn.
Aurich - Er nahm Medikamente, die sein sexuelles Verlangen stoppen sollten. Dennoch stand ein 27-jähriger Auricher nun erneut wegen Besitzes kinderpornografischer Dateien vor Gericht. Im März vergangenen Jahres waren mehr als 500 kinderpornografische Dateien bei ihm sichergestellt worden. Am Dienstag wurde er zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Angeklagte saß allerdings nicht zum ersten Mal in den Räumen des Amtsgerichts.
Im Strafregister liegen bereits mehrere Einträge gegen den Auricher vor. Bereits 2014 war der 27-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes auffällig geworden. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. In den beiden darauffolgenden Jahren wurde er wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften und Verbreitung pornografischer Dateien an Kinder zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Motorisch und sprachlich beeinträchtigt
Noch in der Bewährungszeit wurden bei dem 27-Jährigen jedoch mehrere Tausend pornografische Bilder und Videos gefunden, darunter Hunderte Fotos und Videos mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten. Zuletzt wurden im vergangenen Jahr mehrere Mobilgeräte des Angeklagten beschlagnahmt, auf denen erneut Hunderte kinder- und jugendpornografische Dateien gespeichert waren. Für diese Taten musste er sich nun vor dem Amtsgericht verantworten.
„Ich hatte die Bilder auf dem Handy und weiß, dass das falsch ist“, sagte der Angeklagte mit lauter Stimme. „Ich brauche professionelle Unterstützung, um mein Verlangen zu stoppen.“ Der 27-jährige Auricher ist motorisch und sprachlich beeinträchtigt. Manchmal überlegte er lange, bevor er die Fragen von Amtsrichterin Stellmacher beantworten konnte. „Die Beeinträchtigungen gehen auf eine geburtstraumatische Schädigung, möglicherweise hervorgerufen durch einen Sauerstoffmangel, zurück“, sagte der Gutachter.
Medikamente statt Therapie
Nach dem Abschluss an einer Förderschule machte der Auricher eine Ausbildung zum Metallbauer. Derzeit lebt der 27-Jährige von Arbeitslosenhilfe. Eine Therapie hat der Angeklagte nie gemacht. Regelmäßig verschrieb ihm ein Leeraner Arzt Citalopram. „Die Behandlung soll jetzt intensiver fortgesetzt werden“, sagte der 27-Jährige. Das Medikament, eigentlich ein Antidepressivum, vermindert sexuelles Verlangen.
Die Verhandlung verfolgte der Auricher stets ruhig und mit aufmerksamem Blick. „Dass der Angeklagte seine Taten eingeräumt hat, spricht für ihn“, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Dennoch habe er keine Therapie besucht, seine Aussagen klängen auswendig gelernt. Nach vergangenen Verfahren seien erneut Dateien auf den Geräten des Aurichers festgestellt worden, „eine Bewährungsstrafe halte ich daher nicht für sinnvoll“.
Dem schloss sich Amtsrichterin Stellmacher an und verurteilte den Angeklagten zu einer einjährigen Freiheitsstrafe. „Sie wissen, dass eine Behandlung mit Medikamenten nicht ausreicht“, sagte sie. Der Angeklagte sei nicht dazu bereit, sein Verhalten zu ändern, so Stellmacher weiter. „Mit einer Therapiezuweisung kann ich nichts erreichen.“ Gegen den Verurteilten läuft derzeit ein weiteres Ermittlungsverfahren. Er soll zwischen Oktober des vergangenen Jahres und Januar dieses Jahres seine Nachbarin beleidigt, bedroht und sexuell belästigt haben.