Geschichte
Pewsumer Mühle: Schwarzer Schimmel statt neugierige Kinder
Keine Heizung, Risse in den Wänden, undichtes Dach: Der Schimmel fühlt sich in der Pewsumer Mühle wohl. Zu wohl. Ein Gutachten über den Zustand müsste her.
Pewsum - Ein langer Riss zieht sich durch eine Wand in der Pewsumer Mühle. Recht gut kann man durch den Riss im 1. Stock des Packhauses nach draußen gucken, das Fenster daneben – dessen Einfassung durch den Riss ebenfalls beeinträchtigt ist – braucht es schon fast nicht mehr. „Das fällt wahrscheinlich beim nächsten Sturm auch raus“, befürchtet Detlef Meyer-Rongelraths vom Heimatverein Krummhörn. Der Verein kümmert sich um das Museum, das im alten Galerieholländer von 1842/43 untergebracht ist. Wobei: Man müsste die Mühle eigentlich nur noch Holländer nennen. Die Galerie ist zwar noch da, aber seit Jahren gesperrt.
Was und warum
Darum geht es: Der Zustand der Pewsumer Mühle besorgt den Heimatverein Krummhörn.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für historische Gebäude, Museen und Mühlen interessieren.
Deshalb berichten wir: Über den Zustand der Mühle in Pewsum wird schon länger gesprochen. Wir wollten wissen, wie der aktuelle Stand ist. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Der Riss wurde bereits im vergangenen Jahr von einem von der Gemeinde Krummhörn, der die Mühle gehört, beauftragten Gutachter in Augenschein genommen. Im November ging der Heimatverein gegenüber unserer Zeitung noch davon aus, dass der Riss zumindest kurzfristig stabilisiert werden könne. Aber Arbeiten fanden nicht statt. „Die Maßnahmen wurden wohl von der Denkmalschutzbehörde gestoppt“, so Detlef Meyer-Rongelraths. Zumindest habe man das so gehört.
Schwarzer Schimmel
Der nicht reparierte Riss – in Kombination mit der fehlenden Heizung und den wenigen Besuchern aufgrund der langen, pandemiebedingten Schließzeiten – erfreut zumindest den neuen Dauergast, den das Mühlenmuseum hat: Schimmel. Der breitet sich an verschiedenen Stellen im Museum aus: Boden im Eingangsbereich, verschiedene Fenster und in Durchgängen. Ein paar Bilder und Beschriftungen sind dem Pilz schon zum Opfer gefallen, in der Mühle riecht es muffig. „Wir haben es schon mit Schimmelentferner und anderen Tricks probiert“, sagt Susanne Rongelraths vom Heimatverein.
Gebracht hat das aber nichts. Der Schimmel kommt immer wieder durch, in einem Durchgang sind die Schimmelflecken schwarz. „Eigentlich können wir hier niemanden mehr reinlassen“, sind sich die beiden Vorstandsmitglieder des Heimatvereins einig. Dennoch wird das Museum voraussichtlich ab dem 1. Mai wieder geöffnet – an den Wochenenden. Für eine Öffnung unter der Woche gibt es bislang kein Personal, welches eigentlich über die Gemeinde zur Verfügung gestellt werden solle. „Wenn wir weiter schließen, wird es noch schlimmer“, befürchtet Detlef Meyer-Rongelraths. Entsprechende Hinweisschilder sollen die Gäste aber auf den Zustand des Hauses hinweisen. Anfragen von Schulklassen habe man aber schon absagen müssen. „Bei Kindern ist die Gefahr zu groß, dass sie in den Schimmel fassen“, so Detlef Meyer-Rongelraths.
Geld für Gutachter
Wie es mit der Mühle weitergeht, ist derweil offen. Der Heimatverein habe ein Gespräch mit Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) geführt – und ist auch grundsätzlich positiv gestimmt aus dem Gespräch herausgegangen. Zuletzt hatte auch die SPD einen Antrag gestellt, dass ein Gutachter sich die Mühle angucken soll – vom verschimmelten Boden bis hin zum Dach, in dem Löcher im Reet entstanden sind.
In einer der vergangenen Sitzungen des nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses wurde, laut Auskunft der Gemeinde auf Bestreben der Politik hin, beschlossen, dass die Gemeinde Geld für ein Gutachten in den Haushalt einstellen soll. Das bestätigte die Verwaltung auf Nachfrage. 70.000 Euro sollen dafür in den Haushalt eingestellt werden. Beim Heimatverein löst diese Nachricht derweil Zuversicht aus, dass die Gemeinde das Problem angehen will. Die Manningaburg soll nicht begutachtet werden. Bei beiden Gebäuden handele es sich aber um „historische, denkmalgeschützte und für Pewsum ortsbildprägende Bauten, die von daher einen hohen Stellenwert für die Gemeinde haben“, heißt es seitens der Verwaltung. „Unstrittiges Bestreben auch der Gemeinde ist es, Mühle und Burg, in ihrem Bestand dauerhaft sichern.“*
So gab und gibt es zwischendurch auch immer zumindest grundlegende Erhaltungsmaßnahmen. Das Dach wurde beispielsweise vor ein paar Wochen zumindest notdürftig geflickt. „Aber die Löcher im Reet werden immer größer, weil sich auch die Vögel da für Nistmaterial bedienen und bei Wind immer wieder Reet herabfällt“, so Detlef Meyer-Rongelraths.
In der Manningaburg, die ebenfalls der Gemeinde gehört, aber vom Heimatverein betreut wird, soll es unterdessen im April eine neue Heizung geben. Auch hier war Feuchtigkeit im Burgsaal durch eine Wand gekommen. Zwar wird es im Burgsaal selbst auch weiterhin keine Heizkörper geben, aber der Heimatverein erhofft sich trocknende Effekte durch die neue Therme. Exponate hätten durch die Feuchtigkeit in beiden Gebäuden bislang nicht gelitten. „Nur einige Bilder in der Mühle sind durch den Schimmel zerstört“, so Susanne Rongelraths.
*In der ersten Version des Artikels, der am Mittwochvormittag online ging, fehlte die Antwort der Gemeinde. Diese wurde am Nachmittag eingepflegt.