Kultur
Circus Montana: Verzweiflung in der Glitzerwelt
Die letzten zwei Jahre waren nicht leicht: Familie Lutzny vom Circus Montana hatte Existenzangst. Nun haben sie in Leer ihre Zelte aufgeschlagen, wollen aus dem Alltag entführen und hoffen auf Unterstützung.
Leer - Musik schallt aus dem großen Zelt, Popcorn-Duft mischt sich mit den Geruch von Sägespänen. Licht aus, Spot an, Manege frei – heißt es jetzt im Zelt an der Ostfrieslandhalle in Leer.
Der kleine Zirkus der Familie Lutzny ist zum ersten Mal in Leer, dabei sind sie selbst in Oldenburg geboren. In diesem Jahr konnten sie Mitte März ihre Premiere in Weener feiern. „Das Publikum hat sich gefreut, dass es wieder etwas erleben darf“, sagt Jemena Lutzny. „Wir wollen, dass die Menschen während der Vorstellung alles andere ein bisschen vergessen können.“
Was und warum
Darum geht es: Wie geht es der Zirkus-Familie Lutzny durch Corona?
Vor allem interessant für: Zirkus-Fans
Deshalb berichten wir: Der Circus Montana ist noch bis zum 10. April in Leer. Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de
Existenzangst durch Corona
Am Zaun des Eingangs hängt ein Schild: „Die Manege ist leer. 250 Jahre Kultur vor dem Aus! Der Circus darf nicht sterben!“ Es gibt einen Einblick in die Verzweiflung von Schaustellern während Corona. Seit Beginn der Pandemie sei es ein einziges Auf und Ab gewesen, auch emotional. „Wir kamen frisch aus der Winterpause und wollten starten und dann war alles zu“, erzählt Jemena Lutzny. Rücklagen seien zu dem Zeitpunkt nicht mehr da gewesen. „Viele Bürger haben uns mit Futter- und Sachspenden unterstützt. Ohne sie hätten wir nicht überlebt. Wir sind ihnen sehr dankbar. Dadurch war dann doch noch ein kleiner Funke Hoffnung da.“
Zwischendurch hätten sie kleine Auftritte in Gärten und gegen Spenden gegeben. Dennoch sei Existenzangst ein Thema gewesen „oder, dass wir die Tiere verkaufen müssen“, schildert die Artistin. Das sei aber zum Glück nicht der Fall gewesen. Schließlich seien die Ponys, Hasen, Enten, Ziegen, Lamas und Esel Teil ihrer Familie. Etwas Gutes gab es jedoch: „Wir haben neue Freunde kennengelernt, die uns in der schwierigen Zeit beigestanden haben.“ Außerdem sei nun mehr Wertschätzung auf beiden Seiten, der des Publikums und der der Familie, da. „Die Vorstellung macht jetzt drei Mal so viel Spaß.“ Auch der Familienzusammenhalt sei größer geworden.
Kleines Team, große Show
Seit 1979 gibt es den Circus Montana. Gegründet wurde er von Senior Hans Lutzny. Inzwischen habe sein Sohn, Marcel Lutzny, die Leitung übernommen. Insgesamt treten vier Erwachsene und zwei Kinder auf. Ihr Team habe sich aufgrund der Pandemie etwas verkleinert. „Wir sind eine kleine, selbstständige Familie“, sagt Jemena Lutzny, die Frau des Zirkus-Direktors. Gemeinsam zaubern sie eine Show, unter anderem mit Luftakrobatik, einer Lasershow und Kunstreiten. Ein Höhepunkt sei Clown Beppo: „Der bringt nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene zum Lachen“, so Lutzny. Außerdem halte der „Paw Patrol“-Teil eine große Überraschung für das Publikum bereit.
In der Pause können die Tiere der Familie angeschaut und gefüttert werden. Abgesehen von den Pferden seien die allerdings lediglich Haustiere und Hobby der Kinder und nicht Teil der Show. Außerdem können die kleinen Zuschauer die Pause auf der Hüpfburg verbringen und am Ende der Vorstellung gibt es eine Runde Ponyreiten.
Freier Eintritt für Geflüchtete
„Alle mit FFP2-Masken sind herzlich Willkommen“, sagt Jemena Lutzny. Sie müssten sich natürlich an die aktuellen Regelungen halten. Zurzeit dürften 200 Personen in das Zelt, was etwa der Hälfte entspricht. Durch die Pandemie sind zudem verschiedene Ausgaben gestiegen. Außerdem machen die gestiegenen Sprit-Preise der Familie zu schaffen. „Alles ist teurer geworden, wir haben unsere Preise dennoch nicht erhöht. Wir möchten, dass es sich jeder leisten kann, in den Zirkus zu gehen, und hoffen, dass uns die Bürger durch ihr Kommen unterstützen“, so die Artistin.
Für Geflüchtete aus der Ukraine hat sich die Familie etwas ausgedacht: „Wir können finanziell nicht helfen, aber sie können sich melden und dann kostenlos eine Vorstellung besuchen. Sie sollen ein bisschen Freude haben und alles vielleicht für einen Moment vergessen können“, begründet Lutzny das Angebot.
Freitags bis montags findet die Vorstellung jeweils um 16 Uhr an der Ostfrieslandhalle statt. Die letzte Vorstellung ist am Sonntag, 10. April, um 14 Uhr. Weitere Informationen zum Zirkus gibt es auf der Facebook-Seite. Karten können unter 0172/9188076 reserviert werden.