Justiz

Kinder verpfeifen Dealer: Haftstrafe für 30-Jährigen

Franz-Josef Höffmann
|
Von Franz-Josef Höffmann
| 29.03.2022 19:12 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Urteil fiel am Landgericht Oldenburg. Bild: Pixabay
Das Urteil fiel am Landgericht Oldenburg. Bild: Pixabay
Artikel teilen:

Am Landgericht Oldenburg wurde ein Drogendealer zu einer Haftstrafe verurteilt. Kinder und Jugendliche, die er beliefert haben soll, haben ihn verpfiffen.

Wilhelmshaven/Oldenburg - Das war eine äußerst gefährliche Situation: Als ein Drogendealer aus Wilhelmshaven von der Polizei kontrolliert werden sollte, zielte der 30-Jährige mit einer Pistole aus einer Entfernung von nur einem Meter auf fünf Polizisten. Dann warf er aber die Pistole sofort weg.

Der 30-Jährige hat in Wilhelmshaven im großen Stil mit Rauschgift gehandelt. Er soll auch Drogen an Kinder und Jugendliche aus Varel und Zetel verkauft haben. Das Oldenburger Landgericht verurteilte den Angeklagten jetzt wegen bewaffneten Drogenhandels mit Rauschgift in nicht geringer Menge, Verstoßes gegen das Waffengesetz und Bedrohung zu fünf Jahren Gefängnis. Darüber hinaus ordnete die Kammer unter Vorsitz von Richterin Judith Blohm die Unterbringung des drogenabhängigen Mannes in der geschlossenen Entziehungsanstalt an.

Playstation gegen Drogen eingetauscht

Die Polizei war dem 30-Jährigen über die Kinder und Jugendlichen aus Varel und Zetel auf die Spur gekommen. Die sollen in Zetel eine Playstation gestohlen und bei dem Angeklagten gegen Drogen eingetauscht haben. Zunächst hatte die Polizei die jungen Diebe erwischt. Auf die Frage, wo die erbeutete Playstation geblieben sei, belasteten sie den Angeklagten: Sie hätten ihm die Spielkonsole nach Wilhelmshaven gebracht und dafür Drogen bekommen.

Mitte September 2021 erhielt der 30-Jährige daraufhin Besuch von fünf Polizeibeamten Sie klingelten bei ihm, der Verdächtige riss die Tür auf und zielte mit einer Pistole auf die Köpfe der Beamten. Die hätten aber äußerst besonnen reagiert und der Angeklagte hatte die Pistole auch sofort fallen lassen, hieß es. Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung staunten die Polizisten nicht schlecht. Sie fanden ein großes Drogenlager und ein Waffenarsenal: 700 Gramm Marihuana, 300 Gramm Amphetamine, 34 Gramm Kokain, 276 Ecstasy-Tabletten, Messer, Pistolen und Gewehre, Baseballschläger, Schlagstöcke, Pfefferspray und eine Armbrust. Er sei einmal überfallen worden und habe sich die Waffen deshalb angeschafft, begründete der Mann vor Gericht.

Bewährung wurde widerrufen

Der 30-Jährige muss nun erst einmal für lange Zeit ins Gefängnis. Zu den fünf Jahren Haft kommen noch weitere Strafen aus früheren Verurteilungen hinzu. Deren Vollstreckung war seinerzeit noch zur Bewährung ausgesetzt worden. Nun kommt es zu einem Bewährungswiderruf, so dass diese Strafen mit verbüßt werden müssen. Nach etlichen Jahren hinter Gittern soll der Angeklagte dann in die geschlossene Entziehungsanstalt wechseln, entschied das Oldenburger Landgericht.

Der Wilhelmshavener wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen, mit einer Ausnahme: der Abgabe von Drogen an Minderjährige. Dieses Verfahren wurde eingestellt, weil nicht sicher festgestellt werden konnte, ob der Angeklagte das genaue Alter der Kinder und Jugendlichen kannte.

Ähnliche Artikel