Fördermittel

Entsteht in Ihlow ein neues Wohnmobil-Paradies?

| | 30.03.2022 17:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bald auch in der Gemeinde Ihlow? Bisher sieht es gut aus – bei der Suche nach Fördermitteln steht die Verwaltung vor dem Durchbruch. Foto: Arnold/dpa
Bald auch in der Gemeinde Ihlow? Bisher sieht es gut aus – bei der Suche nach Fördermitteln steht die Verwaltung vor dem Durchbruch. Foto: Arnold/dpa
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Noch im Januar war er nur eine grobe Planung. Jetzt nimmt der Wohnmobilstellplatz in Ihlow die Hürde zum Fördergeld. Ist der Antrag erfolgreich, will der Gemeinderat das Projekt unterstützen.

Ihlowerfehn - In der Corona-Pandemie sind sie ganzjährig in fast allen Orten Ostfrieslands zu sehen: Wohnmobile. Das ist nicht nur eine gefühlte Realität. Die Neuzulassungen sind während der Pandemie stark gestiegen. Lagen sie deutschlandweit im Jahr 2019 in dieser Fahrzeugklasse noch knapp über 50.000, kratzten sie im zweiten Corona-Jahr bereits an der 80.000er-Marke. „Immer mehr Menschen schaffen sich wegen der größeren Sicherheit vor einer Ansteckung Wohnmobile an“, sagt Bauamtsleiterin Annette Lang von der Gemeinde Ihlow: „Zusätzlich machen auch immer mehr Menschen damit Urlaub in Deutschland.“

Was und warum

Darum geht es: In Ihlowerfehn soll ein neuer Wohnmobilstellplatz am Ihler Meer entstehen.

Vor allem interessant für: Anwohner, Wohnmobilisten, Touristiker, Gastronomen und den örtlichen Einzelhandel.

Deshalb berichten wir: Die letzten Unterlagen für den Förderantrag sind am Mittwoch auf den Weg gegangen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Warum sich Annette Lang darüber Gedanken macht? Die Gemeinde Ihlow möchte von diesem Wohnmobil-Boom profitieren. Eine Grundlage für die aktuellen Planungen auf ihrem Schreibtisch war ein Antrag der SPD-Fraktion im September 2021. Darin wurde vorgeschlagen, einen Wohnmobilstellplatz am Ihler Meer anzulegen. Der könnte schon bald Wirklichkeit werden. Es geht um 20 einzelne Parzellen und eine Schrankenanlage. Dazu eine automatisierte Registrierung, Tag und Nacht. Über eine kleine Brücke gibt es einen direkten Zugang zum Ihler Meer. Ein Camper-Traum könnte wahr werden. Der Gemeinderat hat bereits grünes Licht signalisiert, falls Fördermittel für das Vorhaben eingeworben werden können.

Bis 200.000 Euro möglich

Genau die sind in Aussicht: Ein letztes, 64 Seiten langes Dokument muss die Bauamtsleiterin noch prüfen, dann sind die Unterlagen für den Förderantrag komplett. Der Antrag wurde bereits eingereicht, jetzt folgt der geforderte Nachtrag. „Bisher wurde signalisiert, dass der Wohnmobilstellplatz gute Chancen hat“, so Lang. Bis zu 200.000 Euro können für das Projekt durch die „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendung zur integrierten ländlichen Entwicklung“ (Zile) kommen. Geld, das unbedingt für das Projekt gebraucht wird, denn ohne Förderung liegt der Wohnmobilstellplatz außerhalb der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde: „Ob das Geld aber wirklich kommt, wissen wir erst, wenn der Förderbescheid eintrifft“, bremst Lang die Euphorie.

Bisher können Wohnmobile auf dem Parkplatz am Bürgerhaus der Gemeinde parken. Hier gibt es laut Lang auch eine Ver- und Entsorgungsstation. „Schön ist es allerdings nicht“, so Lang. Da hätte der geplante Platz am Ihler Meer mehr zu bieten. Noch im Januar war der kaum mehr als eine Skizze und eine grobe Kostenrechnung in einer Präsentation von Friedhelm Saathoff, der für die Gemeindeentwicklung zuständig ist. 20 Plätze könnten es werden, neben dem Tennisplatz. Dieses Konzept stellte er in den Ausschüssen der Gemeinde vor. Und die zogen mit, vorausgesetzt die Förderung kommt.

Unterlagen jetzt vollständig

Jetzt wurden für den Förderantrag in kurzer Zeit Unterlagen erstellt, wie sie sonst für eine Ausschreibung notwendig sind. „Solche Anträge sind unglaublich aufwändig“, so Lang. Welchen Umfang das Projekt Wohnmobilstellplatz am Ende genau haben wird, steht noch nicht final fest. Es kommt darauf an, ob es das Rundum-sorglos-Paket wird oder doch erst einmal eine günstigere Variante. Allein von 470.000 Euro ist Saathoff in der Basisversion ausgegangen. Will man zusätzlich eine neue Sanitäranlage errichten, verdoppelt sich der Preis des Projekts. Am teuersten ist die Stellfläche selbst. Dafür rechnet Saathoff etwa 350.000 Euro. Für Strom-, Trinkwasser- und Schmutzwasseranschlüsse kommen etwa 25.000 Euro dazu. Weitere Ausstattung wie eine Schrankenanlage, eine automatische Registrierung, eine Fäkalienentsorgung, Beleuchtung und WLAN schätzt er auf 75.000 Euro.

Da liegen die Planungskosten mit 20.000 Euro eher in einem überschaubaren Umfang. Für Annette Lang ist genau die Planung eine Aufgabe, die eine echte Herausforderung darstellt. Denn noch steht das Projekt am Anfang, trotzdem fordert der Förderer eine Umsetzung bis Mitte kommenden Jahres. „Dabei muss eine komplette Bauleitplanung erfolgen – und allein die braucht üblicherweise etwa ein Jahr“, sagt Lang. Gutachten müssen erstellt werden, unter anderem für den Schallschutz. „Einiges kann vielleicht parallel laufen, aber es ist eine echte Herausforderung.“ Eine Änderung des Bebauungsplans, ein Bauantrag. Es ist viel zu tun, bis der Stellplatz Realität werden kann.

Dafür rechnet die Verwaltung mit einem echten Nutzen für die Gemeinde. Auch die Einnahmen hat Friedhelm Saathoff schon einmal überschlagen. Wenn für den Stellplatz eine Tagesgebühr von 14 Euro anfällt, sind es bei einer jährlichen Auslastung von 65 Tagen bei 20 Plätzen Einnahmen von mehr als 18.000 Euro brutto. „Nicht zu vergessen sind hierbei die Ausgaben eines Reisemobilisten pro Person und Tag von etwa 51 Euro, die der Gastronomie und der Gemeinde zugutekommen“, hat Saathoff ermittelt. Gute Aussichten also, auch wenn von dem Betrag die Pflege des Platzes und der Infrastruktur abgezogen werden muss. Noch heißt es allerdings abwarten – bis der Förderbescheid eintrifft. 355.000 Euro werden für den Platz im aktuellen Haushalt schon einmal vorgehalten. Für alle Fälle.

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