Corona

Die Masken beim Einkaufen fallen: Ostfriesland über Entscheidung zwiegespalten

| | 30.03.2022 19:04 Uhr | 8 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Ein Kunde geht in einem Supermarkt einkaufen und trägt dabei eine Maske. Die staatlich verordnete Maskenpflicht beim Einkaufen fällt in weiten Teilen Deutschlands weg, wenn die Geschäfte am Montag öffnen – gewisse Schutzvorkehrungen könnten aber bleiben. Foto: Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Ein Kunde geht in einem Supermarkt einkaufen und trägt dabei eine Maske. Die staatlich verordnete Maskenpflicht beim Einkaufen fällt in weiten Teilen Deutschlands weg, wenn die Geschäfte am Montag öffnen – gewisse Schutzvorkehrungen könnten aber bleiben. Foto: Michael/dpa-Zentralbild/dpa
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Beim Einkaufen entfällt ab Montag die staatlich verordnete Maskenpflicht. Die Einzelhändler in Ostfriesland sind eher weniger begeistert darüber, die Gastronomie allerdings feiert.

Ostfriesland - Die staatlich verordnete Maskenpflicht beim Einkaufen fällt in weiten Teilen Deutschlands weg, wenn die Geschäfte am Montag öffnen – gewisse Schutzvorkehrungen könnten aber bleiben. Während die ostfriesische Gastronomie feiert, sehen der Einzelhandel und die Kommunen die Lockerung eher kritisch.

„Der Gesetzgeber hat mit der Novelle des Infektionsschutzgesetzes entschieden, dass die Pflicht zum Tragen von Masken nur noch in Ausnahmefällen und in besonderen Hotspots angeordnet werden kann“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem neuen Infektionsschutzgesetz sind den Ländern ab Sonntag nur noch wenige Alltagsvorgaben zu Masken etwa in Kliniken und Pflegeheimen möglich. Weitergehende Maßnahmen auch mit Maskenpflichten im Einzelhandel können sie in regionalen Hotspots verhängen, wenn das Landesparlament für diese eine drohende kritische Corona-Lage feststellt. Vorerst sind solche Hotspots nur in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg vorgesehen.

Wegfall der Maskenpflicht bringt Lebensfreude und Normalität

Bei dem Dehoga-Bezirksverband Ostfriesland war die Freude über das Wegfallen der Maskenpflicht und der Kontrollen der 3G-Nachweise kaum zu überhören. „Juhu! Wir freuen uns wahnsinnig“, sagt der erste Vorsitzende Erich Wagner beim Gespräch mit dieser Zeitung. Gäste hätten die Maskenpflicht oft negativ wahrgenommen und seien deshalb weniger in Restaurants gegangen. „Oft ist es auch passiert, dass jemand seinen Personalausweis, der für die 3G-Kontrolle notwendig ist, vergessen hat. Die Personen mussten wir dann leider wieder nach Hause schicken“, bedauert Wagner. Deshalb sei die Rückkehr der Normalität und Lebensfreude umso wichtiger für die Gesellschaft. „Wir hoffen natürlich, dass es dann erst mal so bleibt“, sagt er. Gut finde der erste Vorsitzende, dass nun jeder – sowohl Gäste als auch Personal – selbst entscheiden könne, ob er eine Maske trage oder nicht. Trotzdem setzt die ostfriesische Gastronomie weiterhin auf Luftfilter, um das Infektionsrisiko in Innenräumen einzudämmen. „Das behalten wir bei“, sagt Wagner.

Die Gastronomie in Ostfriesland freut sich riesig über das Ende der Maskenplicht und 3G-Kontrollen. Foto: Weißbrod/dpa
Die Gastronomie in Ostfriesland freut sich riesig über das Ende der Maskenplicht und 3G-Kontrollen. Foto: Weißbrod/dpa

„Die Maskenpflicht kippen, obwohl die Inzidenzen weiterhin steigen und in Ostfriesland zwischen 2000 und 3000 liegen?“ – das macht für Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland, wenig Sinn. In der jetzigen Situation spreche nichts dafür die Maskenpflicht ab Montag abzuschaffen, findet er. „Das Corona-Virus ist ja nicht einfach am Sonntag in Deutschland verschwunden. Es würde Sinn machen die Regelung bei niedrigen Inzidenzen abzuschaffen, aber nicht jetzt“, sagt Doden. Er appelliere an den gesunden Menschenverstand, dass die meisten freiwillig eine Maske beim Einkaufen oder in engen Räumen mit vielen Menschen tragen werden. „Eine Maske zu tragen, ist auf jeden Fall angenehmer, als mit einer Corona-Infektion ans Bett gefesselt zu sein“, so Doden.

Einzelhandel könnte selber Maskenpflicht einführen

Daran, dass Einzelhändler von ihrem Hausrecht gebrauch machen und selber eine Maskenpflicht in ihrem Laden einführen, glaube Doden eher weniger. Denn Kunden, die keine Masken mehr tragen wollen, könnten dann eher zur Konkurrenz gehen und außerdem müssten die Einzelhändler noch Personal zur Verfügung stellen, die den Einlass kontrollieren. „Das ist eher unwahrscheinlich und ein buntes Durcheinander verunsichert auch die Menschen – genau wie ein Hin und Her bei der Corona-Verordnung“, sagt Doden. Sinnvoll finde der Hauptgeschäftsführer, wenn Einzelhändler für ihre Mitarbeiter ein Hygienekonzept beibehalten, worin auch eine Maskenpflicht eingegliedert wird, wenn zum Beispiel die Inzidenzen stiegen. Auch gängige Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Plexiglasscheiben an den Kassen oder Desinfektionsmittelspender am Eingangsbereich sollten beibehalten werden. „Es ist wichtig, Kunden und Mitarbeiter weiterhin zu schützen und ihnen Vertrauen zu gehen“, so Doden.

„Wir werden das so umsetzen, wie das gesetzlich geregelt ist“, sagte Matthias Brahms, Inhaber von Multi-Süd in Leer. Heißt: Kunden müssen ab kommendem Montag in den Märkten keine Schutzmasken mehr tragen. Das gelte für beide Multi-Märkte in Leer sowie für den in Emden, sagte Brahms, der auf die Eigenverantwortung der Kunden verwies. „Wir werden keine Vorschriften mehr machen.“

Multi-Märkte setzen weiterhin auf Schutzmaßnahmen

Anders sieht es hingegen für die Beschäftigten aus, die laut dem Inhaber in den Multi-Märkten weiterhin Masken tragen müssen. „Wir haben das Problem, dass wir verstärkt Corona-Ausbrüche haben“, sagt Brahms. Mit einer Maskenpflicht beim Personal wolle man diese eindämmen, um weitere Ausfälle zu vermeiden. Auch auf Plexiglasscheiben etwa im Kassenbereich und Umbauten an Tresen, die für größere Abstände sorgen, wolle man weiterhin setzen, so Brahms. Die Bünting Unternehmensgruppe wollte sich noch nicht zu dem Thema äußern.

Auf Widersehen Maske: Bald herrscht im Einzelhandel und in vielen weiteren Bereichen der Öffentlichkeit keine Maskenpflicht mehr. Foto: Rumpenhorst/dpa
Auf Widersehen Maske: Bald herrscht im Einzelhandel und in vielen weiteren Bereichen der Öffentlichkeit keine Maskenpflicht mehr. Foto: Rumpenhorst/dpa

„Wir wollen und werden die Entscheidungen des Bundes und des Landes nicht kommentieren“, sagt Ralf Klöker, Pressesprecher des Landkreises Wittmund. Trotzdem appelliere er weiterhin an die Menschen in Hinblick auf die derzeitigen Infektionszahlen und der hohen 7-Tages-Inzidenz (Mittwoch: 3.403,4) weiterhin vorsichtig zu sein und sich rücksichtsvoll zu verhalten. Heißt: „In bestimmten Situationen sollte man doch noch zur Maske greifen“, so Klöker. Sich selbst zu einen Hotspot erklären könne sich der Landkreis nicht, sondern nur das Land Niedersachsen per Landtagsbeschluss. „Weitere Verschärfungen sieht die Niedersächsische Corona-Verordnung derzeit aber auch nicht vor“, sagt Klöker.

Stadt Emden setzt auf Eigenverantwortung der Bürger

„Aufgrund des unverändert dynamischen Infektionsgeschehens halten wir es nach wie vor für wichtig, in geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind und von vielen Personen besucht werden, eine Maske zu tragen“, sagt Eduard Dinkela, Pressesprecher der Stadt Emden. Unter freiem Himmel könne auch mal auf eine Maske verzichtet werden. Die Stadt hofft, dass die Menschen, trotz der rechtlichen Lockerungen, nicht alle Vorsichtsmaßnahmen – wie zum Beispiel regelmäßiges Lüften in engen Räumen oder auch die AHA-Regel – aufgeben, sondern auf freiwilliger Basis beibehalten, um sich und auch andere zu schützen. „Wir hoffen, dass die Eigenverantwortung steigt, wenn die staatlichen vorgegebenen Maßnahmen gekippt werden.

„Wir halten an unserer Test-Infrastruktur fest und wollen es weiterhin allen ermöglichen, die auf Wunsch kurzfristig einen Test zu bekommen“, kündigt Dinkela an. Zuletzt war es für Betroffene, die einen positiven Schnelltest hatten, nicht immer möglich, auch zeitnah einen PCR-Bestätigungstest zu erhalten. Die Stadt Emden arbeitet gerade daran, auch das PCR-Test-Angebot bedarfsgerecht zu erweitern. Dies soll auch – trotz Lockerungen – beibehalten werden, so Dinkela.

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