Wirtschaft

Notfallplan für Gas: EWE ruft zum Energiesparen auf

Martin Teschke und Lars Laue
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Von Martin Teschke und Lars Laue
| 30.03.2022 21:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Flammen sind an einem Gasherd zu sehen. Die Bundesregierung bereitet sich vor dem Hintergrund des russischen Kriegs gegen die Ukraine auf eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung vor. Foto: Murat/dpa
Flammen sind an einem Gasherd zu sehen. Die Bundesregierung bereitet sich vor dem Hintergrund des russischen Kriegs gegen die Ukraine auf eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung vor. Foto: Murat/dpa
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Weil Russland droht, die Gas-Lieferungen zu stoppen, trifft Deutschland erste Vorkehrungen. Auch die EWE bereitet sich vor – und setzt auf die Unterstützung ihrer Kunden.

Berlin/Oldenburg/Kiew - Die Bundesregierung bereitet sich wegen des Krieges in der Ukraine und anhaltender russischer Drohungen auf eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung in Deutschland vor. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) setzte am Mittwoch die Frühwarnstufe als erste von drei Krisenstufen des sogenannten Notfallplans Gas in Kraft und appellierte an alle Verbraucher, Gas zu sparen. Die Versorgungssicherheit sei aber weiterhin gewährleistet. Das betonte auch der Oldenburger Energieversorger EWE. In der Ukraine gingen unterdessen die Kämpfe auch nach Fortschritten bei den Verhandlungen weiter.

Die russische Ankündigung vom Dienstag, Kampfhandlungen teilweise zu drosseln, wurde in der Ukraine und im Westen mit viel Skepsis aufgenommen. Der ukrainische Generalstab rechnet nicht mit einem groß angelegten Abzug russischer Truppen aus Gebieten nahe der Hauptstadt Kiew. Der Gegner habe wegen seiner Verluste wohl nur „vorübergehend das Ziel aufgegeben, Kiew zu blockieren“, teilte der Generalstab mit. Stattdessen gruppierten sich die russischen Truppen um und konzentrierten sich auf Angriffe im Osten und Süden der Ukraine. Die Signale Russlands zur Deeskalation „übertönen nicht die Explosionen russischer Geschosse“, hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zuvor betont. Auch ein Pentagon-Sprecher sprach von einer „Repositionierung“ der Truppen. Die Hauptstadt könne weiter mit Raketen beschossen werden: „Die Bedrohung für Kiew ist nicht vorbei.“

Russland bietet Feuerpause für Mariupol an

Russland hat eigenen Angaben zufolge für diesen Donnerstag eine Feuerpause in der umkämpften ukrainischen Stadt Mariupol zur Evakuierung von Zivilisten angeboten. Präsident Wladimir Putin will sich unterdessen mit Vertretern des russischen Gasriesen Gazprom und der Zentralbank treffen, um über das weitere Vorgehen bei Gaslieferungen nach Westeuropa zu beraten.

Habeck bekräftigte am Mittwoch, falls Russland eine Bezahlung nur noch in Rubel akzeptiere, stelle dies einen Bruch der privaten Lieferverträge dar. Um auf mögliche Lieferausfälle vorbereitet zu sein, habe das Ministerium deshalb die Frühwarnstufe ausgerufen. Nach dem Notfallplan gibt es drei Krisenstufen: Frühwarnstufe, Alarmstufe und Notfallstufe. Erst in der Notfallstufe greift der Staat in den Gasmarkt ein. Haushaltskunden wären dann besonders geschützt.

Weil spricht von „Vorsichtsmaßnahme“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hält die ausgerufene Frühwarnstufe für eine „reine Vorsichtsmaßnahme“. „Was da jetzt gerade passiert, ist keine Energiekrise. Es geht im Kern darum, ständig einen Überblick über Energielieferungen und Vorräte zu haben. Das ist in Zeiten, in denen man sich auf nichts mehr 100-prozentig verlassen kann, auch nur vernünftig“, sagte er unserer Redaktion am Rande einer Delegationsreise in Edinburgh.

Auch die EWE bittet ihre Kunden, wo immer möglich den Verbrauch von Gas einzuschränken. Hintergrund sind mögliche Lieferausfälle von russischem Gas. „Die EWE unterstützt den Aufruf des Bundeswirtschaftsministers an die Gasverbraucher (. . .), im Vorgriff auf etwaige Mangellagen in der kommenden Heizperiode den Verbrauch schon jetzt so gut wie möglich zu reduzieren“, teilte das Oldenburger Unternehmen am Mittwoch mit. „Weiterhin gilt, dass die von EWE für die Versorgung unserer Kunden genutzten EWE-Gasspeicher für die nun auslaufende Heizperiode ausreichend gefüllt sind“, so der Energieversorger. Das bedeutet aber eben auch, dass die Lage für den nächsten Winter noch unklar ist. Das hatte der Vorstand des Unternehmens erst vor Kurzem auf einer Pressekonferenz eingeräumt.

Mehr als vier Millionen Ukrainer ins Ausland geflohen

Tatsächlich existenzbedrohend ist die Lage für die Menschen in der Ukraine. Vor dem Krieg lebten mehr als 44 Millionen Menschen in der Ukraine, mehr als vier Millionen haben sich seitdem im Ausland in Sicherheit gebracht. Mehr als 2,3 Millionen sind allein in Polen angekommen.

Rund zwei Millionen Kinder sind nach Angaben von Unicef bisher aus der Ukraine geflüchtet – zusätzlich 2,5 Millionen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Damit sei mehr als jedes zweite Kind nicht mehr in seinem bisherigen Zuhause. Eine Geberkonferenz in Warschau soll in der kommenden Woche Geld für Hilfebedürftige sammeln.

Mit Material von dpa

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