Hamburg

Ukraine-Krieg: Deutsche Reeder fordern freies Geleit

Karolina Meyer-Schilf
|
Von Karolina Meyer-Schilf
| 31.03.2022 10:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Vor der Einfahrt zum Bosporus: Wegen Minengefahr stauen sich auch hier die Schiffe. Foto: Imago Images/ZUMA Wire
Vor der Einfahrt zum Bosporus: Wegen Minengefahr stauen sich auch hier die Schiffe. Foto: Imago Images/ZUMA Wire
Artikel teilen:

Während mindestens 1000 Seeleute auf ihren Schiffen im Kriegsgebiet festsitzen, werden nach Angaben von Fachleuten Essen, Treibstoff und Medikamente knapp. IMO und der Verband Deutscher Reeder fordern einen „blauen Korridor“.

Mindestens 60 Frachtschiffe mit etwa 1000 Crewmitgliedern an Bord liegen derzeit noch in ukrainischen Häfen fest: Sie waren dort von der russischen Invasion überrascht worden und konnten das Kriegsgebiet im Schwarzen Meer nicht mehr rechtzeitig verlassen. Der Verband Deutscher Reeder verlangt nun freies Geleit für die Schiffe: „Wir fordern, dass diese Schiffe die Häfen so schnell wie möglich ohne Gefahr eines Angriffs verlassen dürfen“, sagte VDR-Präsidentin Gaby Bornheim in Hamburg. „Die Schiffe müssen freies Geleit bekommen, damit sie mit ihren Crews unbeschadet aus der Kriegszone fahren können.“

Die International Maritime Organisation (IMO) hatte zuvor vorgeschlagen, sogenannte „blaue Korridore“ für die Schiffe freizumachen. Bornheim sprach von einem „unhaltbaren Zustand“ für die mehr als 1000 Seeleute an Bord der Schiffe. „Schiffe und Crews dürfen nicht zum Faustpfand in diesem Angriffskrieg werden.“

Doch genau danach sieht es derzeit aus: Dass Russland die von der IMO geforderten „blauen Korridore“ zeitnah freimacht, ist unwahrscheinlich. Die Gewässer sollen vermint sein und die ukrainische Küste steht immer wieder unter Beschuss. Die Frachter bräuchten außerdem Hilfe beim Ablegen durch Schlepper. Die sind zwar vorhanden, jedoch vielfach nicht mehr besetzt und damit nicht einsatzfähig.

Einigen Reedereien ist inzwischen gelungen, auch Besatzungen zu evakuieren – ukrainische Sicherheitsteams sind stattdessen an Bord der Schiffe. Andere haben Kühlcontainer an Bord, deren Stromversorgung über die bordeigenen Hilfsdiesel erfolgt – wie lange die Schiffe dafür noch Treibstoff haben und was mit der verderblichen Ware geschieht, ist unklar.

Mindestens fünf Handelsschiffe sollen nach Angaben des VDR in den vergangenen Wochen Opfer von Angriffen geworden sein, eines davon ist gesunken.

„Die Verletzung der territorialen Integrität und Souveränität der Ukraine durch Russland ist für uns nicht hinnehmbar“, sagte Bornheim weiter.

Während der VDR die Anzahl der festliegenden Schiffe vorsichtig auf 60 schätzt, spricht das Fachmagazin „Lloyd’s List“ von über 300 Schiffen. Die meisten von ihnen fahren demnach unter der Flagge Russlands oder der Ukraine, an dritter Stelle stehen Schiffe unter liberianischer Flagge. Essen, Treibstoff und Medikamente werden an Bord der Schiffe nach Angaben des Magazins zunehmend knapp.

Ähnliche Artikel