Geschichte
Viele neue Ideen: Emder Museumsschiffe sind startklar für die Saison
Nach zwei Jahren Corona-Pause sind die vier Museumsschiffe im Emder Delft bereit für die neue Saison. Alle Augen sind aufs Matjesfest gerichtet. Dafür ist viel geplant. Ein großes Risiko bleibt aber.
Emden - In den Emder Museums-Hafen kommt Bewegung. Nach zwei Jahren Corona-Pause sind die Vertreter der vier Museums-Schiffe im Delft voller Tatendrang. Der Saison-Beginn steht kurz bevor - und alle Zeichen sind natürlich aufs Matjesfest gesetzt, wie im Gespräch mit dieser Zeitung auf der Tjalk „Anne“ deutlich wird.
Was und warum
Darum geht es: die Emder Museumsschiffe und ihre Zukunft
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, Gäste der Stadt, die insbesondere wegen der Schiffe kommen
Deshalb berichten wir: Die Vertreter der vier Museumssschiffsvereine hatten zu einem Pressegespräch auf die Tjalk „Anne“ geladen. Weil in Emden das Zeichen auf Neuanfang steht und viele Leute sich wohl schon Sommer und auch Matjesfest herbeisehnen, berichten wir darüber. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Ab dem 14. April sollen der Rettungskreuzer „Georg Breusing“, die Seetjalk „Anne“ und der Heringslogger „AE7 Stadt Emden“ wieder für Besucher öffnen. Auf dem Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“ öffnet erst ab dem 1. Mai das Museum - schon an diesem Freitag aber das Restaurant an Bord, das von den Gastronomen Rainer Ahlers und Onno Marahrens betrieben wird.
„Wir wollen die Traditionsschifffahrt bekannter machen“
Die vier Schiffe könnten unterschiedlicher nicht sein: Da ist der kleine Seenot-Rettungskreuzer „Georg Breusing“, der als Erstes in der Reihe vor dem alten Rathaus liegt. 1963 wurde er getauft. Allein in seiner Zeit vor Borkum wurde durch den Kreuzer 1672 Menschen das Leben gerettet, heißt es vom Förderkreis. Der rund 120 Mitglieder zählende Verein hoffe darauf, dass der Kreuzer bald eine Fahrt unternehmen könnte, sagte Schriftführer Thomas Fröhling. „Wir wollen das eigene Team bei der Stange halten.“ Für öffentliche Ausfahrten sei das Schiff leider zu klein.
Hinter dem Kreuzer folgt die große „rote Dame“: das Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“. Da laufen derzeit die Arbeiten noch auf Hochdruck. Allein am Mittwoch waren 18 Mann an Bord, so Vereinsvorsitzender Heinz-Günther Buß. Nachdem das Schiff für „mehr als fünf Millionen Euro“ grundsaniert worden sei, habe die Öffentlichkeit jetzt ein Anrecht, sich das Ergebnis auch anzusehen. Neben der Eröffnung des Restaurants und des Museums seien nun auch wieder Trauungen unter Deck möglich. Schon am 7. Mai soll die erste stattfinden, so Buß. Auch habe man einen Raum mit 20 Stühlen hergerichtet, um später Diskussionsabende zu bestimmten Themen durchführen zu können. „Wir wollen die Traditionsschifffahrt bekannter machen.“ 172 Mitglieder zählt der Verein heute. Ziel sei es auch, sowohl andere Feuerschiffe nach Emden zu holen sowie mit der „Amrumbank“ Ausfahrten etwa nach Hamburg zu machen.
Drei Schiffe wollen ausfahren
Der Heringslogger „AE7 - Stadt Emden“ muss sich hinter dem Stahlkoloss „Amrumbank“ nicht verstecken. Er ist der letzte seiner Art und ein Zeitzeuge der Heringsfangzeit, die Emden „fast reich“ gemacht hat, wie Bertram Meyer vom Trägerverein sagt. 114 Jahre hat der Logger hinter sich. Zuletzt waren deswegen „umfangreiche Arbeiten im Dock“ durchgeführt worden, um Leckagen zu schließen. Auch sei innen alles neu gestrichen und die Kombüse sowie Kojen einer Frischekur unterzogen worden. „Die Ausstellung hat sich ein bisschen verändert“, sagt er. Aus dem Archiv des Landesmuseums und von der Naturforschenden Gesellschaft seien neue Exponate dazugekommen.
Die Tjalk „Anne“, die auf Höhe des Schreyers-Hoek-Hochhauses festgemacht ist, ist ein Nachbau eines historischen Segelschiffs und mit nur etwa 20 Jahren die jüngste in der Reihe. Leider sei nach Erbauung versäumt worden, das Schiff klassifizieren zu lassen, weswegen die „Anne“ nicht ausfahren dürfe, erklärte Martin Saehrig vom Verein. Das wolle man nun nachholen. Der Wunsch sei es, das Schiff besegeln zu können - auch mit Gästen an Bord, etwa im Rahmen des Ferienpasses, sagte Vorsitzender Alfred Marahrens.
Große Pläne fürs Matjesfest
„Eine Seehafenstadt ohne Schiffe ist wie der Ratsdelft ohne Wasser“, sagte Heinz-Günther Buß. Deswegen will man die Museumsschiffe insbesondere für Emderinnen und Emder zugänglicher machen - unter anderem mit einem Tag der offenen Tür im Sommer. Das Matjesfest, das vom 26. bis 29. Mai stattfinden soll, soll natürlich auch dazu dienen, die Schiffe in den Fokus zu rücken. An Bord aller vier Museumsschiffe soll es Aktionen geben - unter anderem gastronomische Angebote oder Shanty-Chor-Aufführungen.
Vorausgesetzt die Eisenbahnbrücke ist, wie von der Deutschen Bahn bislang angepeilt, zum 1. Mai repariert und kann damit wieder die Schiffe in den Delft lassen, sollen zahlreiche Schiffe unter anderem aus den Niederlanden kommen. Buß sprach von 40 bis 60. Martin Saehrig sagte, die Anzahl sei noch nicht ganz klar. Auch Kutter aus Greetsiel sollen vorne an der Delfttreppe festmachen. „Ein Fest ohne Schiffe wäre ein Ding der Unmöglichkeit“, sagte Alfred Marahrens. Bis zu 150 Busse mit Gästen kämen normalerweise zum Matjesfest, das speziell mit den Schiffen warb. Wenn die Brücke bis dahin noch nicht wieder aufklappen könne, kündigte Buß schon jetzt „Rabatz“ an. Man hätte dann „ganz große Verluste“. „Dann reicht ein Anketten nicht mehr“, meinte er und spielte damit auf die Ankettungs-Aktion vor der Bundesanstalt für Verwaltungsvorschriften (BAV) in Aurich im vergangenen Sommer an, nachdem ein Zuschuss für die Feuerschiff-Sanierung auf sich hatte warten lassen.
→ Ab voraussichtlich dem 14. April öffnet der Kreuzer „Georg Breusing“ täglich von 11 bis 16 Uhr für Besucher. Die Tjalk „Anne“ und der Logger „AE7“ wollen ab da ebenfalls wieder Gäste empfangen - eine feste Öffnungszeit können sie aufgrund von Personalfragen aber noch nicht nennen. Das Feuerschiff soll ab dem 1. Mai täglich von 11 bis 17 Uhr öffnen. Gruppen könnten auch Abendtermine buchen.