Serie „Wiesmoorer Köpfe“
Ein Bayern-Fan auf Werder-Tour
Lars Schmidt aus Wiesmoor ist Mietwagen-Unternehmer. Oft sitzt er auch selbst am Steuer. Sein Motto: Der Fahrgast ist König. Das gilt auch, wenn er als Bayern-Anhänger Werder-Fans im Bus hat.
Wiesmoor - Natürlich ist der Fahrgast König, immer! Das bleibt auch so, wenn er als Fußballfan völlig anders tickt als man selbst. Und so brachte der überzeugte Bayern-Fan Lars Schmidt aus Wiesmoor auch ohne jeden Widerspruch einen Bus voller Werder-Bremen-Anhänger mal eben für 90 Fußball-Minuten nach Mailand.
Wie das Spiel im altehrwürdigen San-Siro-Stadion ausging, das weiß der 36-Jährige heute gar nicht mehr. Er kann sich nur daran erinnern, auf der Hinfahrt sehr lange gefahren zu sein und anschließend vergeblich ein Hotelzimmer gesucht zu haben. Die Nacht im Bus war dann so wenig erholsam, dass er auf der Rückfahrt – direkt nach dem Spiel – nach nur zwei Stunden seinen Fahrer-Kollegen ablösen musste, während alle Werder-Fans selig schliefen. Schließlich hatten die Grün-Weißen beim AC Mailand das Achtelfinale der Europa League erreicht.
Ein Kindheitstraum wurde wahr
„Busfahrer will ich werden!“, das hatte schon der jüngere Lars auf entsprechende Fragen in der Schule geantwortet. Ob er dabei auch an solche Touren wie den Ausflug nach Norditalien gedacht hat? Eher unwahrscheinlich. Ein großes Fahrzeug, viele Fahrgäste – das hat ihn als Kind gereizt. Und der Reiz ließ Lars Schmidt nicht mehr los, führte in ein Berufsleben, dem er bis heute treu geblieben ist. Seit annähernd zehn Jahren ist er selbstständiger Mietwagen-Unternehmer. Als solcher wüsste er viel über seine Wiesmoorer zu erzählen, aber das meiste, was im Taxi besprochen wird, über die Weltlage allgemein und in Ostfriesland im Besonderen, bleibt natürlich geheim.
Manchmal erfährt der Taxi-Fahrer auch gar nicht, was die Fahrgäste sich so denken. Eines späten Abends stand Lars Schmidt – damals noch angestellter Chauffeur – in der Reihe dienstbereiter Taxis vor Deckers Disco in Großefehn. Das Geschäft lief eher schleppend an diesem Abend. Mehr als eine Stunde hatte er sich in der Kollegen-Reihe bereits nach vorne gewartet, als ihn ein Anruf aus der Zentrale erreichte. Vor der Rock-Kneipe Schlappohr warte ein Fahrgast, hieß es. Praktisch direkt gegenüber auf der anderen Kanalseite und trotzdem mit dem Auto natürlich nur über einen ziemlichen Umweg zu erreichen. Selbstverständlich erfüllte der junge Fahrer dennoch den Kundenwunsch, rechnete die kurze Tour ab und stellte sich danach ganz hinten in der Taxi-Reihe vor der Deckers Disco wieder an. Wenig später sah er seinen Fahrgast zu Fuß zurück Richtung Schlappohr gehen. Auf die Frage, warum er zurück laufe, kam die Antwort: „Ich hab‘ mein Fahrrad vergessen.“
„Ich war nervös wie sonst was“
Dass das Geschäft nicht jeden Tag läuft, wie man sich es vorstellt, hatte der damals 25-Jährige also schon erfahren, als er wenige Monate später mit seinem eigenen Beförderungsunternehmen an den Start ging. „Ich war nervös wie sonst was“, erinnert er sich an den 18. November 2011. Einen Freitagabend, der dann aber schnell in die richtige Richtung lief. Zu tun gab es reichlich, bald schaffte er sich neben seinem schon gut eingefahrenen Benziner nach und nach drei weitere Fahrzeuge an, war erfolgreich bei seinen Bewerbungen für Krankentransporte und Schülerverkehr und stellte Mitarbeiter ein. Sechs Festangestellte sind es heute; dazu kommen acht Aushilfen – darunter einige Rentner. Und nebenbei steuert er manchmal wieder große Busse befreundeter Unternehmer. Zum Beispiel, um die Regionalliga-Fußballerinnen des TuS Büppel zu ihren Auswärtsspielen zu bringen.
Noch schneller ist Lars Schmidt unterwegs, wenn er als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zum Einsatz fährt. Etwas langsamer, wenn er sich in der gut eingeteilten Freizeit aufs E-Bike schwingt – auch um den Kopf frei zu bekommen von Schäden an den Autos, von den wegen Corona ausgefallenen Events, von den sprunghaft gestiegenen Spritpreisen: „800 bis 950 Liter verbrauchen wir in der Woche. 40 Cent mehr pro Liter machen sich da schon bemerkbar.“ Lange ins Stimmungstief treibt ihn das aber nie. Und er ist nicht allein. „Wir schaffen das schon“, tröstet ihn mitunter die beste Freundin. Schon geht es wieder – und Lars Schmidt kann sich sogar ein wenig seinem neuen Hobby widmen. Findet Zeit für seine Modelleisenbahn, die er sich in der Coronazeit zugelegt hat.
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