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Einzelhandel in Ostfriesland: Die Masken dürfen fallen
Seit dem Wochenende ist die allgemeine Maskenpflicht im Einzelhandel aufgehoben. In Geschäften darf nun wieder ohne Schnutenpulli eingekauft werden. Geschäftsinhaber können aber von ihrem Hausrecht Gebrauch machen. Tun sie das?
Leer - Sie gehörte zur täglichen Ausstattung dazu: Neben Geldbörse und Smartphone war die Maske wie selbstverständlich dabei. Seit dem 23. April 2020 gilt in Niedersachsen im Einzelhandel die Maskenpflicht. Die Maske ist zum Symbol der Corona-Pandemie geworden. Anfangs legten die Ostfriesen noch bunte selbstgenähte „Schnutenpullis“ an, seit Dezember 2021 ist die FFP2-Maske das Maß aller Dinge. Nun ist es soweit: An diesem Montag ist im Einzelhandel Schluss mit Maske. Kundinnen und Kunden dürfen wieder komplett ohne Mund-Nase-Bedeckung einkaufen gehen. Das Land Niedersachsen hat entschieden: „Eine Maskenpflicht besteht nicht mehr“, heißt es auf der Homepage der Landesregierung. Eine FFP2-Maskenpflicht gilt im Land Niedersachsen ab Montag nur noch in Kranken- und Pflegeeinrichtungen, Heimen, Arztpraxen sowie im öffentlichen Personennahverkehr. Das Land appelliert aber an die Niedersachsen: „Auch wenn die Maskenpflicht vielerorts nicht mehr vorgeschrieben ist, bitte schützen Sie insbesondere gefährdete Menschen und tragen freiwillig eine Mund-Nasen-Bedeckung an den Orten, wo kein Abstand eingehalten werden kann.“
Doch kann die Maske nun Zuhause bleiben? Die Politik stellt dazu klar: Im Rahmen des Hausrechts können Einzelhändler an der Maskenpflicht festhalten. Das bedeutet, jedem Einzelhändler steht frei, in seinem Geschäft weiterhin auf die Maske zu bestehen. Große Supermarkt-Ketten wie Edeka, Aldi, Lidl oder Kaufland haben bereits mitgeteilt, dass sie davon nicht Gebrauch machen werden. Und lokale Unternehmen? Diese Zeitung hat im Landkreis Leer nachgefragt.
Multi
In den Märkten von Multi wird die Maskenpflicht für Kundinnen und Kunden aufgehoben. Der Leeraner Einzelhändler bleibt damit bei der Linie, die er bereits seit Beginn der Pandemie fährt: „Wir halten uns an die Vorgaben, die der Gesetzgeber bestimmt“, sagt Matthias Brahms, Inhaber von Multi Süd. Die Möglichkeit vom Hausrecht Gebrauch zu machen und weiterhin das Tragen einer Maske für die Kunden zu verpflichten, habe man nicht in Betracht gezogen. „Wir haben uns immer an die Vorgaben gehalten“, sagt Brahms.
Das sei bei den Kunden gut angekommen, meint er. „Dieses Sicherheitsbewusstsein wurde von den Kunden respektiert“, sagt er. So habe man bei Multi bereits früh Plexiglasscheiben an den Kassen installiert und auch auf Abstände zu gegenseitigen Sicherheit geachtet. „Die Kunden fühlten sich bei uns sicher und haben deswegen gern bei uns einkauft“, schätzt der Kaufmann.
Dennoch sei es für das Unternehmen keine einfache Zeit gewesen. „Das Personal war am Limit“, sagt Brahms. So waren Teile seiner Mitarbeiterschaft, die bei den Geschäften Auto und Rad sowie im Gartencenter tätig waren, in Kurzarbeit. „Außerdem hatten und haben wir noch mit Corona-Fällen zu tun“, sagt er. Deshalb halte man bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der Maskenpflicht fest.
Leffers
Die Maskenpflicht für Kunden wird für Leffers-Kunden aufgehoben, das hat das Modehaus nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Fricke entschieden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Leeraner Bekleidungsgeschäfts werden sie aber weiterhin bei der Arbeit tragen. „Die Kolleginnen und Kollegen kommen den Kunden zum Beispiel bei der Anprobe vergleichsweise nah“, sagt Fricke. Das sei zum Beispiel in der Unterwäscheabteilung der Fall. Da sei die Mund-Nasen-Bedeckung ein Schutz. Außerdem sei es aus betriebswirtschaftlichen Gründen sinnvoll, die Maske weiterhin zu tragen. „Die Inzidenzen sind weiterhin hoch und viele Menschen infiziert“, sagt Fricke. Das gelte auch für den Mitarbeiter-Stamm. Die Maske könne davor schützen, dass die Kolleginnen und Kollegen erkranken und somit ausfallen. Fricke geht allerdings davon aus, dass viele Ostfriesen weiterhin am Mund-Nasen-Schutz festhalten werden. „Die Maske hat sich insgesamt bewährt und die meisten Menschen haben sich daran gewöhnt“, sagt er.
Das sehe man zum Beispiel auch beim Blick in die Niederlande, wo keine Maskenpflicht herrsche. Dort würden dennoch viele Menschen in den Geschäften mit Maske einkaufen gehen, erzählt der Geschäftsführer aus seiner Erfahrung. Daher setzt er auch in Deutschland auf die Eigenverantwortung seiner Kunden.
Loses Gut
Auch beim Lebensmittelgeschäft von Loses Gut wird die Maskenpflicht fallen. Allerdings: „Wir werden dafür werben, weiter die Maske zu tragen“, sagt Martin Warning, Inhaber von Loses Gut. „Wir werden selbst die Maske auch weiter tragen.“ Auch werde man bei Kundinnen und Kunden, die ohne Maske in den Laden kämen, streng darauf achten, dass die Abstände abgehalten werden. „Wenn wir zum Beispiel beraten oder beim Abfüllen helfen, dann werden wir ausdrücklich um zwei Meter Abstand bitten“, sagt er.
Glücklich mit der Lockerung seien Martin und Melissa Warning mit der Lockerung der Corona-Hygienemaßnahmen nicht. „Wir finden es zu früh, es gibt ja noch so viele Menschen, die derzeit infiziert sind“, sagt er. Das merke man auch sehr deutlich am Lieferservice, den Loses Gut anbietet. „Wir haben derzeit viele Aufträge“, sagt er. Die Kundinnen und Kunden seien sehr froh, dass es das Angebot gebe, während sie in der Corona-Quarantäne sind. Auch für den Einzelhändler sei das gut: „Dieses Angebot fängt die Verluste auf“, sagt er.
Textilhaus Tido Müller
Auch für Doris Müller vom Texilhaus Tido Müller in Bunde ist klar: „Wir setzen auf Freiwilligkeit beim Tragen einer Maske.“ Das könnten die Kundinnen und Kunden sowie die Mitarbeiterinnen des Modehauses selbst entscheiden. Eine Pflicht falle weg. „Wir haben hier auch recht viel Platz, um Abstände einzuhalten“, sagt sie. Das Unternehmen habe auch wenig Spielraum für diese Entscheidung gesehen. „Wenn die großen Unternehmen entscheiden, nicht von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, ist es für uns ein Nachteil, wenn wir auf die Maske weiterhin bestehen“, sagt sie. Dann könnten sich Kunden gegen einen Besuch in dem Geschäft entscheiden.
Weniger Aufklärungsarbeit werde sie ab dieser Woche bei den Kunden aus den Niederlanden leisten müssen. „Da mussten wir immer wieder auf die FFP2-Pflicht hinweisen“, sagt sie. Viele Kundinnen und Kunden aus dem Nachbarland seien mit der OP-Maske oder sogar nur mit der Stoffmaske in ihr Geschäft gekommen. „Da musste wir schon auf unsere Regelungen hinweisen“, sagt sie. Auch nachdem in den Niederlanden die Maskenpflicht gänzlich weggefallen sei, hätte sie einige Kunden gehabt, die arglos ohne Maske ins Geschäft kamen. Das habe man aber schnell lösen können.
Bünting
Kundinnen und Kunden der Famila und Combi-Märkte müssen nun keine Maske mehr tragen. „In unseren Märkten setzen wir bereits seit Beginn der Corona-Pandemie alle behördlichen Auflagen um“, sagt Martina Monsees, Pressereferentin der Nortmoorer Bünting-Unternehmensgruppe zu denen Famila und Combi gehören. „Unsere Kunden müssen ab dem 3. April in unseren Märkten keine Maske mehr tragen – sofern seitens der Kommunen und Städte lokal keine andere Regelung getroffen wird“, betont die Pressereferentin.
Auf freiwilliger Basis dürften Kunden beim Einkauf selbstverständlich gerne weiterhin Masken nutzen. „Da wir Kunden sowie Mitarbeiter weiter bestmöglich schützen möchten, halten wir des Weiteren an entsprechenden Hygiene-Maßnahmen, zum Beispiel allgemeinen Abstandsregeln, Aushängen der wichtigsten Hygienetipps und Hygienestationen an Einkaufswagenboxen sowie Maßnahmen zum Schutze der Mitarbeiter, fest“, teilt die Sprecherin weiter mit. Das Unternehmen appelliere an die hohe Eigenverantwortung jedes Einzelnen. „Wir bitten um bestmögliche Unterstützung“, so Monsees.
EP: Rademacher
Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleibt die Maske bei EP: Rademacher in Remels erstmals auf. Für Inhaber Thorsten Rademacher ist das eine wichtige Entscheidung: „Wir sind schon personell durch Corona-Fälle geschwächt“, sagt er. Würde er krank werden, müsste der Laden geschlossen werden. Das wäre quasi der Super-GAU für das Unternehmen. Den Kundinnen und Kunden werde man es freistellen, ob sie mit Maske reinkommen oder nicht. „Ich denke, dass viele aus Gewohnheit die Maske noch tragen werden“, sagt der Einzelhändler.
Außerdem würden die Kunden sehen, dass auch das Personal im Laden die Maske trage und sich daran anpassen, schätzt Rademacher. Von seinem Hausrecht Gebrauch machen und eine Maske verpflichten wolle er aber nicht: „Die Leute sind so schon verquer“, sagt Rademacher. Man merke der Kundschaft an, dass sie weniger Geduld habe und sehr unentspannt sei. „Denen reicht es langsam einfach“, sagt er. Dabei hätten seine Mitarbeiter und er auch in der Corona-Hochphase alles versucht, um den Laden am Laufen zu halten. „Wir waren immer da“, so Rademacher. Er habe extra eine Überdachung gebaut, damit im Lockdown der Service weiterhin möglich sei. Die Internet-Konkurrenz spüre er dennoch. „Wir haben weniger Kunden im Laden“, so Rademacher. Doch diese Kunden würden auch kaufen.