Norden

Norden will wieder „grünes Tor zum Meer“ werden

Rebecca Kresse
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Von Rebecca Kresse
| 04.04.2022 10:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Straße Bedmoor in Norden gilt als positives Beispiel für einen grünen Straßenraum. Foto: Rebecca Kresse
Die Straße Bedmoor in Norden gilt als positives Beispiel für einen grünen Straßenraum. Foto: Rebecca Kresse
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Rund 75 Prozent der Straßen in Norden sind nicht begrünt, viele Vorgärten gleichen Schotterplätzen. Das soll sich ändern. Dafür hat die Stadt jetzt ein Konzept mit konkreten Ideen entwickelt.

Norden - Die Stadt Norden hat sich viel vorgenommen. Sie will nicht weniger als wieder das „grüne Tor zum Meer“ werden. Schon in den 1950er Jahren wurde mit dem Slogan als Urlaubsort geworben. Das Problem: Wunsch und Wirklichkeit klaffen mittlerweile weit auseinander. Statt grünen Buchenalleen entlang der Bahnhofsstraße oder der Norddeicher Straße, grünen Plätzen und blühenden Vorgärten sind in der Stadt oft nur noch Betonwüsten und Steingärten zu sehen.

Der Hoheberger Weg wird von der Verwaltung als negatives Beispiel genannnt. Hier gibt es so gut wie keine Straßenbäume. Foto: Rebecca Kresse
Der Hoheberger Weg wird von der Verwaltung als negatives Beispiel genannnt. Hier gibt es so gut wie keine Straßenbäume. Foto: Rebecca Kresse

75 Prozent der Straßenzüge sind ohne Bepflanzung. Jetzt hat der Fachdienst Umwelt und Verkehr ein Entwicklungskonzept mit Handlungsempfehlungen für die nächsten 15 bis 20 Jahre erarbeitet, um dem Ziel wieder näher zu kommen. Dafür sollen zum Beispiel schon bei der Ausweisung von Neubaugebieten entsprechende Leitlinien gelten. So sollen Grünflächen entstehen und Bäume in allen Straßen gepflanzt werden. Als Richtwert stellt sich die Verwaltung vor, künftig 15 Prozent eines Baugebietes als Grünflächen auszuweisen.

Stadt will aktiv Platz für Grün einplanen

Auch bei der Nachverdichtung soll künftig als Mindestausstattung eine flächige Grünanlage und Straßenbäume eingeplant werden. Verkehrsflächen ohne Straßenbegrünung sollen aufgewertet, private und öffentliche Freiräume qualitativ verbessert und erhalten werden. Zudem will die Stadt den vorhandenen Baumbestand sicher und prägende Privatgärten erhalten.

Viele Vorgärten in Norden sehen mittlerweile aus wie Schotterpisten. Foto: Rebecca Kresse
Viele Vorgärten in Norden sehen mittlerweile aus wie Schotterpisten. Foto: Rebecca Kresse

Werden künftig Verkehrsbereiche saniert oder neu geplant, soll ein besonderes Augenmerk auf den Schutz des öffentlichen Grüns geworfen werden. Außerdem sollen vorhandene Verkehrsanlagen so umgebaut werden, dass Platz für eine Begrünung geschaffen werden kann. Straßenprofile mit Grünstreifen sollen künftig mit einem ausreichenden Wurzelraum für Bäume angelegt werden.

Norden und Norddeich sollen getrennt bleiben

Aber nicht nur die Quantität des Grüns, sondern auch die Qualität soll verbessert werden. So will die Verwaltung die Arten- und Strukturvielfalt erhöhen – etwa durch die Kombination verschiedener Freiraumtypen, Pflanzen und Gestaltungselementen.

Vor allem in Neubaugebieten kommt diese Form der Steingärten immer wieder vor. Foto: Rebecca Kresse
Vor allem in Neubaugebieten kommt diese Form der Steingärten immer wieder vor. Foto: Rebecca Kresse

Unbedingt erhalten will die Stadt Norden die Freiflächen zwischen der Kernstadt und dem Ortsteil Norddeich. Damit schiebt sie einer weiteren Verdichtung und einem Aneinanderrücken einen Riegel vor. Die Stadt will zudem einen grünen Stadtrand als Übergang zur freien Landschaft ausbilden.

Stadt will wieder Wildnis zulassen

Wo es möglich ist, will die Stadt Wildnis zulassen und naturnahe, strukturreiche Flächen erhalten. Dazu gehört für die Verwaltung auch, dass ungenutzte Randstreifen ungemäht bleiben und die Anlage von Blühstreifen. Auch, wenn die Ostfriesen das bisher anders sehen, „es muss nicht alles bis ins Letzte gepflegt sein“, sagte Fachdienstleiter Bernd Kumstel bei der Vorstellung des Konzepts im Umweltausschuss.

Ehemals grüne Vorgärten werden mitunter aber auch zurückgebaut in eine Steinwüste. Foto: Rebecca Kresse
Ehemals grüne Vorgärten werden mitunter aber auch zurückgebaut in eine Steinwüste. Foto: Rebecca Kresse

Es habe in den vergangenen Jahren deutliche Fehlentwicklungen gegeben, so Kumstel. „Wir müssen uns mit diesem alten Slogan: ‚Grünes Tor zum Meer’ wieder identifizieren und es leben“, betonte der Fachdienstleiter. Zwar gebe es einige positive Beispiele wie den grünen Marktplatz, den Fräuleinshof oder den ehemaligen Friedhof. Gleichzeitig gebe es aber auch viele negative Beispiele, wie zu wenige zentrumsnahe Freiräume und eine deutlich zu hohe Versiegelungsrate.

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