Fußball
Vereinschef räumt ein: „Wir haben es verbockt“
Bevern qualifizierte sich gegen Teams wie Leer, Firrel und TuRa für die Oberliga-Aufstiegsrunde, versäumte aber, die Lizenz dafür zu beantragen. Das Statement des SVB-Chefs dazu war bemerkenswert.
Bevern - Vergessen, verrechnet oder schlichtweg den Termin verpasst? Nichts von alledem: „Wir haben es als Vorstand ganz einfach verbockt.“ Selten räumt der Vorsitzende eines Fußballvereins so freimütig einen Fehler ein wie Hans-Jürgen Dreckmann vom Landesligisten SV Bevern. Sein Team hat sich in der Landesliga gegen Teams wie Firrel, Germania Leer und Westrhauderfehn souverän für die Aufstiegsrunde zur Oberliga qualifiziert. Dort liegt Bevern nur vier Punkte von Rang eins und trotzdem mindestens ein Jahr von der 5. Liga entfernt. Denn der SV Bevern (Landkreis Cloppenburg) hat es versäumt, bis zum 31. März einen Antrag auf die Zulassung zur Oberliga zu stellen und könnte auch als Meister in diesem Jahr nicht aufsteigen – und damit frühestens 2023 .
„Wir sind ein bisschen naiv und dämlich“, sagt Dreckmann klipp und klar. „Natürlich hätten wir den Antrag stellen müssen.“
Aufstiegschance zu früh abgehakt
Aber weil Hansa Friesoythe lange Zeit so einsam an der Tabellenspitze der Staffel I thronte, hat die Führungsriege SV Bevern die Oberliga-Chance im Kopf allzu frühzeitig abgehakt. „Wir haben beide Spiele gegen Friesoythe klar verloren“, erklärt der Klubchef. „Wir haben mit rund neun Punkten Rückstand gerechnet. Das war für uns gelaufen.“
Vom Finale der Landesligastaffel I sind die Beverner dann überrumpelt worden. Plötzlich schwächelte hier und da nicht nur Hansa, sondern am letzten Spieltag schaffte noch der VfL Wildeshausen den Sprung in die Aufstiegsrunde. „Auf einmal hatten wir drei zusätzliche Punkte gegenüber der Konkurrenz“, sagt Hans-Jürgen Dreckmann. Denn gegen den VfL gab es zwei Beverner Erfolge, die der SVB mit in die Aufstiegsrundentabelle nehmen durfte.
2019 bereits auf Oberliga verzichtet
Ehe der Vorstand das so richtig realisiert hatte, war die Frist für die Oberligalizenz abgelaufen. „Der Mann bei uns im Vorstand, der dafür zuständig gewesen wäre, hatte nämlich auch noch Corona.“ Doch diese Ausrede lässt Dreckmann für sich selbst nicht gelten. „Wir haben einen Fehler gemacht und uns dafür bei der Mannschaft und beim Trainerteam entschuldigt.“ Denn die hatten somit keine Chance, ihre Meinung zu äußern. „Und wir haben beim SV Bevern keine Diktatur, sondern eine Demokratie.“
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass der SV Bevern seine Oberliga-Chancen ungenutzt ließ. 2019 hatte der spätere Landesligameister frühzeitig seinen Verzicht auf den Aufstieg erklärt. Nutznießer war damals Vizemeister BSV Kickers Emden, der die Chance dankend annahm. „Damals haben wir den Verzicht vorher mit der Mannschaft geklärt“, sagt Dreckmann – mit dem Versprechen, die nächste Möglichkeit auf jeden Fall beim Schopfe packen zu wollen.
„Man muss mal Farbe bekennen“
Die Oberliga wäre laut Vereinsboss immer noch ein „heikles Abenteuer“ für Bevern. „Eine Stadt wie Emden gehört dorthin – aber wir sind ein Dorf mit 1000 Einwohnern“, erklärt der 51-Jährige „Bei uns gibt es nicht einmal eine Tankstelle und keine einzige Firma, die wir nicht schon um Sponsoring gebeten hätten. Mehr ist nicht drin.“ Der Sprung nach oben wäre ein höchst gewagter Schritt. „Die Angst vor der Oberliga ist bei allen vorhanden.“ Trotzdem hätte es sein Klub mal probieren müssen.
„Wir können doch nicht immer oben mitkicken und dann sagen, das mit der Oberliga machen wir nicht“, meint Dreckmann. „Irgendwann muss man auch mal Farbe bekennen.“
Das ist diesmal wieder nicht geschehen. Hans-Jürgen Dreckmann nimmt den Patzer auf seine Kappe und verschonte sich auch in einem ausführlichen Facebook-Beitrag nicht mit herber Selbstkritik. Ob der SV Bevern wirklich das Format für die Oberliga besitzt, ist fraglich. Dreckmanns ehrliches Eingeständnis eines groben Vorstandsfehlers hat aber mindestens das Niveau für die fünfte Liga.