Einzelhandel

Rasanter Wandel vom Sorgenkind zur Vorzeige-Fußgängerzone

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 05.04.2022 15:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Klein, aber besonders: die Fußgängerzone der Brückstraße hinter dem Emder Rathaus hat sich gemausert. Fotos: F. Doden
Klein, aber besonders: die Fußgängerzone der Brückstraße hinter dem Emder Rathaus hat sich gemausert. Fotos: F. Doden
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Die Brückstraße in Emden hat sich in den vergangenen drei Jahren gut entwickelt und ein neues Image bekommen. Es gibt dort kaum noch Leerstand. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Emden - Sie galt lange als das Sorgenkind der Emder Innenstadt, hat sich aber trotz und in der Corona-Pandemie gemausert: Die Fußgängerzone der Brückstraße ist mittlerweile zu einem Kleinod geworden - mit einem Flair, das sich von dem zumeist austauschbaren Bild anderer Einkaufsstraßen in den Innenstädten abhebt. Fachleute und Anlieger sind sich einig: Es ist der vergleichsweise hohe Anteil an kleineren und zumeist inhabergeführten Läden mit individuellen Sortimenten, die das neue Image dieser kleinsten Emder Fußgängerzone prägen.

Was und warum

Darum geht es: Die Entwicklung der Fußgängerzone Brückstraße in Emden

Vor allem interessant für: Alle, die in Emden einkaufen, und diejenigen, die sich für die Entwicklung der Innenstädte interessieren

Deshalb berichten wir: Die Werbegemeinschaft Rathaus-Karree richtet am kommenden Sonnabend den 10. Ostermarkt in der Brückstraße aus. Wir beleuchten aus diesem Anlass die Situation der Fußgängerzone, die sich in jüngster Vergangenheit gewandelt hat.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Für Martje Merten, die das Stadtmarketing in Emden leitet, ist die Brückstraße auch ein gutes Beispiel für den Wandel und den Umbau der Innenstadt. Vor drei Jahren habe man noch nicht geglaubt, dass der hohe Leerstand dort schnell zurückgehen würde. Aber: „Es hat sich toll entwickelt“, sagt die Fachfrau. Als Besonderheit nennt sie viele spezifizierte Geschäfte: „Das sind Läden, die bestehen werden.“ Ähnlich wie Merten sieht das auch die neue City-Managerin Julia Lüder. Sie bescheinigt der Brückstraße „eine schöne Atmosphäre“.

Nur ein Laden steht noch leer

Entgegen dem Trend in anderen Teilen des Stadtzentrums gibt es in der Brückstraße gegenwärtig nur noch einen leerstehenden Laden. Es ist der des ehemaligen Lederwarengeschäftes Höfer. Die Familie Höfer, die den Laden mehr als 72 Jahre lang betrieb, hat das Wohn- und Geschäftshaus nach eigenen Angaben im Herbst verkauft. Konkrete Pläne für den Ladenraum haben die neuen Eigentümer nach eigenen Angaben aber noch nicht.

Wolfgang Höfer, der das Lederwarengeschäft in zweiter Familiengeneration bis zur Schließung führte, verfolgt nach wie vor die Entwicklung der Brückstraße mit Interesse. Er bewertet sie ebenfalls positiv und zieht beim Blick auf die Struktur der Läden den Vergleich mit der Altstadt von Leer. Das mag gewagt klingen, kommt dem Image der Brückstraße dennoch näher.

Werbegemeinschaft arbeitet mit Erfolg

Höfer war auch einer der Mitbegründer und ehemaligen Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Rathaus-Karree, die den Untertitel „Qualität im Herzen der Stadt“ trägt und einen nicht geringen Anteil an der jüngsten Entwicklung der Brückstraße hat. Sie gründete sich vor zwölf Jahren mit einer Anschubfinanzierung des Landes und der Stadt.

Mittlerweile ist sie die einzige noch funktionierende Straßengemeinschaft in der Emder Innenstadt. Heute gibt sie sich so selbstbewusst wie selten zuvor. Ihre Führung mit dem neuen und rührigen Vorsitzenden und Textilkaufmann Gerhard Teerling an der Spitze führt den Erfolg auch auf den „guten Zusammenhalt“ innerhalb der Gemeinschaft hervor.

Drei starke Partner im Karree

Die Gemeinschaft von gegenwärtig 28 Mitgliedern reicht über die Fußgängerzone hinaus, denn das Rathaus-Karree umfasst das gesamte Viertel zwischen der „kleinen“ Brückstraße und der Faldernstraße einschließlich der Straße Hinter der Halle und einem kleinen Teil der Neutorstraße. In diesem Karree gibt es starke Partner wie das Teehandelshaus Thiele & Freese, das Osfriesische Landesmuseum sowie den Integrationsbetrieb Agilio, der in der Brückstraße den Unverpackt-Laden „Jute Seele“ und das Geschäft „Dat Mundjevull“ betreibt. Alle drei geben der Werbegemeinschaft immer wieder Impulse.

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Thiele Tee betreibt an der Faldernstraße das auch bei Touristen beliebte Teekontor, dessen Kunden auch den Weg über die Brückstraße nutzen. Das Unternehmen hat laut Geschäftsführerin Celine Thiele jüngst auch die beiden angrenzenden Läden zwischen Strohstraße und Hinter der Halle angemietet und erwägt, dort zusätzlich ein kleines Museum zur Geschichte des traditionsreichen Emder Teehandelshauses einrichten.

Anlieger haben auch Wünsche

Auf der Wunschliste von Celine Thiele steht eine attraktivere Anbindung über die Strohstraße, die die Faldernstraße mit der Brückstraße mit einem Torbogen verbindet. Gegenwärtig habe diese Verbindung noch eher den Charakter eines Hinterhofes, so die Geschäftsfrau.

Für Kultur und Geschichte im Rathaus-Karree steht auch das Ostfriesische Landesmuseum, von dem der Einzelhandel ebenfalls profitiert. Gerhard Teerling ist ist deshalb „froh, dass das Foyer des Museums an der Brückstraße liegt“. Er möchte aber, dass das auch auf der anderen Seite des Rathauses deutlich sichtbar wird. „Daran wird gearbeitet“, sagen Teerling und Museumsmitarbeiterin Ilse Frerichs übereinstimmend.

Verkehrsexperimente noch ohne Wirkung?

Als Manko für das Rathaus-Karree bewertet die Werbegemeinschaft die Verkehrssituation in der Faldernstraße. Denn sie lasse nur selten die Sperrung des Abschnitt zwischen der Faldernbrücke und dem Rathaus zu, beklagen die Anlieger.

Daran werden zunächst auch die Verkehrsexperimente in der Innenstadt nichts ändern. Deren Auswirkungen auf den Lauf in der Brückstraße lasse sich noch nicht bewerten, sagen Teerling, dessen Kolleginnen und Kollegen. Ihre Situation müsste sich aber verbessern, denn durch die Verkehrsberuhigung der Neutorstraße wirkt diese Einkaufstraße zumindest nicht mehr so abgeschnitten von den anderen Fußgängerbereichen des Zentrums wie vorher. Als Pluspunkt wertet Wolfgang Höfer, dass die Parkplatze im Bereich der Daalerstraße und des Stephansplatzes „nach wie vor gut erreichbar“ seien.

Der Osterhase wird am Sonnabend beim Ostermarkt in der Brückstraße dabei sein. Er hat sich schon einmal in einem der Läden des Rathaus-Karrees umgesehen.
Der Osterhase wird am Sonnabend beim Ostermarkt in der Brückstraße dabei sein. Er hat sich schon einmal in einem der Läden des Rathaus-Karrees umgesehen.

Nach einer coronabedingten Pause von zwei Jahren will sich das Rathaus-Karree am kommenden Sonnabend wieder von seiner besten Seite präsentieren. Beim 10. Ostermarkt in der Brückstraße gibt es von 10 bis 14 zahlreiche österliche und frühlingshafte Angebote, Aktionen und Spiele für Jung und Alt sowie Leckeres und viel Musik. Es ist der Auftakt einer Reihe von Aktionen, die die Werbegemeinschaft für dieses Jahr wieder plant.