Berufe

22-Jährige kümmert sich um Tote und Verliebte

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 06.04.2022 19:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hier ist Eske Weets vor der Pewsumer Manningaburg zu sehen. Es ist einer von derzeit drei Orten in der Gemeinde, wo man standesamtlich heiraten kann. Foto: Wagenaar
Hier ist Eske Weets vor der Pewsumer Manningaburg zu sehen. Es ist einer von derzeit drei Orten in der Gemeinde, wo man standesamtlich heiraten kann. Foto: Wagenaar
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Eske Weets von der Gemeinde Krummhörn ist mit ihren 22 Jahren eine besonders junge Standesbeamtin. Sie erzählt von ihrer Arbeit, die ab diesem Freitag wieder um einen dritten Standort erweitert wird.

Pewsum - Selbst geheiratet hat Eske Weets zwar noch nicht. Dafür geht es aber bei ihrer Arbeit im Rathaus der Gemeinde Krummhörn andauernd um das Thema Trauungen. Allerdings auch um Verstorbene, Kirchenaustritte und manchmal auch um Neugeborene. Mit ihren 22 Jahren zählt die Pewsumerin nämlich zu den jüngsten Standesbeamtinnen und -beamten in Ostfriesland. Wie kam sie darauf, was macht ihre Arbeit besonders und was schätzt sie daran? Darüber hat unsere Zeitung jetzt mit Weets gesprochen.

Was und warum

Darum geht es: Eine junge Standesbeamtin berichtet über ihren beruflichen Werdegang.

Vor allem interessant für: Paare, die heiraten möchten

Deshalb berichten wir: Uns war das Alter von Eske Weets aufgefallen, die ihre neue Stelle jetzt offiziell angetreten hat. Weil Hochzeiten in der Krummhörn sowohl bei Ostfriesen als auch Urlaubern sehr beliebt sind, werden in den kommenden Jahren viele Menschen Weets kennenlernen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Alles habe im August 2017 mit einer Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde begonnen, erzählt sie. Zwar habe sie da keine Station im Standesamt gemacht, aber sie sei mit Kollegen von dort in Kontakt gekommen. Nachdem sie im Anschluss an ihre Ausbildung ins Bürgerbüro wechselte, sei dann Anfang vergangenen Jahres die Stelle als Standesbeamtin ausgeschrieben worden. Die Pewsumerin bewarb sich und unterstützt nun offiziell seit dem Monatsbeginn Hannelore Jürgler und Ralf Kalkwarf.

Idee: Heirat auf dem Kutter

Die Arbeit sei „sehr abwechslungsreich“, da sie nicht nur viele Dinge beurkunden müsse, sondern es dabei auch mit vielen Menschen zu tun bekomme: Bestattern, verliebten Paaren, mit denen sie über ihre Hochzeits-Termine spricht, und manchmal auch mit Eltern, die ihre Neugeborenen anmelden. Das komme aber nur sehr selten vor, da Hausgeburten untypisch seien und die Krummhörn keine eigene Geburtsstation habe, erklärt die 22-Jährige. Bevor sie im Standesamt anfing, wurde Weets bereits neben ihrer Arbeit im Bürgerbüro im Standesamt eingearbeitet. Zum Schluss folgte ein zweiwöchiger Lehrgang bei der Akademie für Personenstandswesen in Bad Salzschlirf (Hessen). Noch arbeite sie Jürgler und Kalkwarf zu und vertrete sie im Urlaubs- oder Krankheitsfall. Vorgesehen ist jedoch, dass die junge Frau in ein paar Jahren für einen der beiden nachrückt, kündigt sie an.

Bislang wird in der Gemeinde Krummhörn im Rathaus, in der benachbarten Manningaburg sowie im Pilsumer Leuchtturm geheiratet. Geht es nach Weets, könnte sie sich rein theoretisch jedoch vorstellen, dass man künftig auch auf einem Kutter in Greetsiel heiraten kann. Das Fischerdorf sei immerhin auch generell ihr Lieblingsort in der Gemeinde, zumal sie dort 16 Jahre lang gelebt habe.

In Pilsum geht es wieder los

Tatsächlich zieht der Greetsieler Fischkutter „Nordstern“ schon jetzt immer wieder Paare an. Sich trauen lassen kann man dort zwar nicht, aber dafür einander ein sogenanntes zweites Eheversprechen geben – eine symbolische Zeremonie für bereits Verheiratete. Organisiert wird das Angebot von der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel, die auf ihrer Website als weitere Orte für zweite Eheversprechen auch den Pilsumer Leuchtturm, die grüne Greetsieler Zwillingsmühle sowie die Mühlen in Rysum und Pewsum anbietet.

Könnten neben dem Kutter und dem Leuchtturm denn eigentlich auch die anderen genannten Orte für Eheschließungen genutzt werden? Hannelore Jürgler sagt dazu auf Nachfrage, dass das theoretisch an ganz verschiedenen Orten und sogar draußen möglich ist. Die Bedingung dafür sei jedoch, dass es in unmittelbarer Nähe ein gewidmetes Trauzimmer gebe. Die Standesämter bestimmten diese selbst, allerdings müsse dort der Datenschutz der Heiratenden gewährleistet sein.

So müssen dafür beispielsweise die Paare in Pilsum in den Leuchtturm gehen, wo ab diesem Freitag nach einer langen coronabedingten Pause wieder die ersten drei Trauungen anstehen, verkündet Jürgler. Alle Termine für dieses Jahr seien dort aber schon vergeben. „Neue nehmen wir ab Anfang Oktober für das Folgejahr an“, so die Standesbeamtin.

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