Ausstellung

Zeitreise: Eine Fahrt zurück in die Kindheit

Dorothee Hoppe
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Von Dorothee Hoppe
| 07.04.2022 19:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Leiterin der Evenburg Birgit Zimmermann auf einem Bonanza-Rad und Volontärin Dorothee Hoppe auf einem Kettcar. Foto: Ortgies
Leiterin der Evenburg Birgit Zimmermann auf einem Bonanza-Rad und Volontärin Dorothee Hoppe auf einem Kettcar. Foto: Ortgies
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In der Evenburg gibt es zurzeit die Sonderausstellung „Zauber bewegter Kindheit“. Die darf nicht nur angeschaut, sondern teilweise auch ausprobiert werden. Volontärin Dorothee Hoppe hat das getan.

Leer - Erinnerungen an die Kindheit sind je nach Alter sehr individuell. Ich muss beispielsweise sofort an Straßenkreide, Basketball auf dem Spielplatz und Inliner-Ausflüge denken. Birgit Zimmermann, Leiterin der Evenburg, fühlt sich von einem Brummkreisel an ihre Kindheit erinnert. Unser Fotograf Klaus Ortgies ist beim Anblick der Bonanza-Räder gleich aus dem Häuschen. Bei unserem Rundgang durch die Sonderausstellung „Zauber bewegter Kindheit“ kann jeder ein bisschen in Erinnerung schwelgen oder ins Staunen geraten.

Was und warum

Darum geht es: Volontärin Dorothee Hoppe testet eine aktuelle Ausstellung zu Kinderfahrzeugen.

Vor allem interessant für: Familien und Junggebliebene

Deshalb berichten wir: Noch bis Mitte Oktober geht die Sonderausstellung in der Evenburg.

Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de

Als ich über die Brücke an der Evenburg gehe, sehe ich bereits einige Fahrzeuge vor dem Eingang. Ein Bobbycar, ein Bonanza-Rad, ein Artisten-Rad, ein Hochrad und ein Einrad stehen bereit und warten nur darauf, gefahren zu werden.

Fahr-Freude

Das pinke Bobbycar schnappe ich mir als erstes. Im Sitzen sind meine Beine inzwischen viel zu lang für so ein Gefährt. Nur mühsam komme ich voran und auf dem Kopfsteinpflaster macht es ordentlich Krach. Spaßig ist es dennoch. „Als Erwachsener kniet man sich da ja eigentlich drauf“, meint Birgit Zimmermann lachend und macht es direkt vor. Auch in der Ausstellung stehen mehrere Bobbycars. Sie tragen Girlanden, denn mittlerweile seien die Mini-Autos schon 50 Jahre alt, erzählt die 59-Jährige. Die Kettcars, die direkt daneben stehen, feiern ihren 60. Geburtstag. Beim Kettcar passt das mit der Beinlänge schon eher. Der tiefe Sitz ist ungewohnt, aber es fährt sich besser als das pinke Bobbycar. Mit etwas Anstrengung kann ich sogar rückwärts fahren.

Volontärin Dorothee Hoppe auf einem pinken Bobbycar. Im Hintergrund stehen noch weitere Fahrzeuge zum Ausprobieren bereit: ein Hochrad, ein Artistenrad und ein Einrad. Foto: Ortgies
Volontärin Dorothee Hoppe auf einem pinken Bobbycar. Im Hintergrund stehen noch weitere Fahrzeuge zum Ausprobieren bereit: ein Hochrad, ein Artistenrad und ein Einrad. Foto: Ortgies

Ein Bonanza-Rad sehe ich zum ersten Mal. Das knallige Rot und die Flammen lassen es fast schon etwas rockig wirken. „Ich durfte nie eines haben, weil es angeblich zu gefährlich war“, erinnert sich unser Fotograf Klaus Ortgies, um den ich nun meine Runden drehe. Zunächst etwas wackelig, dann immer sicherer. Es ist irgendwie bequemer als ein Fahrrad. Am liebsten würde ich es deshalb mitnehmen. Mit dem winzigen Artisten-Rad hingegen komme ich überhaupt nicht voran. Keine Ahnung, wie das funktionieren soll. „Einfach nach vorne lehnen“, gibt Birgit Zimmermann mir einen Tipp. Tatsächlich schaffe ich es, die Pedale ein Mal zu treten, doch dann drohe ich umzukippen. Die Fallhöhe wäre zwar nicht dramatisch, aber ich nehme lieber Abstand davon. Das Einrad lasse ich direkt links liegen, das mit dem Gleichgewicht habe ich schon als Kind nie hinbekommen. Hochräder kenne ich nur aus Filmen. Einen Fahrversuch wage ich aufgrund des hohen Sattels lieber nicht.

Volontärin Dorothee Hoppe und das kleine Artisten-Rad. Foto: Ortgies
Volontärin Dorothee Hoppe und das kleine Artisten-Rad. Foto: Ortgies

Vielfalt von früher

Der Ausstellungstitel „Zauber bewegter Kindheit“ klingt fast schon ein bisschen geheimnisvoll, aber er trifft das Gefühl sehr gut, das man bekommt, wenn man die Fahrzeuge ausprobiert oder durch die Räume mit den Exponaten geht. Ein „Luxuriöser Kindersportwagen aus Aluminium“, der aussieht wie eine Mischung aus Einkaufswagen und Teil eines Wagenrennens von Asterix und Obelix bei den Olympischen Spielen, steht im Raum zum Thema Transport. Er scheint fast schon futuristisch, ist in Wahrheit aber etwa von 1940. „Es sind schon kuriose Stücke mit dabei“, bestätigt die Evenburg-Leiterin. Ein Dreirad-Mobile an der Decke des nächsten Raums und eine Aufreihung von Laufrädern aus den verschiedenen Epochen verdeutlichen die Entwicklung und die Vielfalt, die es damals gegeben hat.

Birgit Zimmermann unter dem Dreirad-Mobile. Foto: Ortgies
Birgit Zimmermann unter dem Dreirad-Mobile. Foto: Ortgies

Bei einer Vitrine mit Kinderspielzeug rund um das Thema Bewegung fällt mir ganz unten in der Ecke ein Springseil auf. Ich muss unwillkürlich grinsen und denke zurück an Wettbewerbe, wer länger hüpfen kann, ohne dass das Seil an den Füßen hängen bleibt. Das Federballset schürt ebenfalls Erinnerungen, wie oft wir damals mit einer Leiter den Federball aus der Dachrinne holen mussten. Im interaktiven Raum lacht mich ein Teppich mit Hüpfkästchen an. Da juckt es einen förmlich in den Füßen, ein bisschen rumzuspringen. Bereitliegende Becherstelzen und weitere Geschicklichkeitsspiele laden zum Spielen ein. Das sei zum ersten Mal bewusst Teil einer Sonderausstellung, verrät Zimmermann: „Für Kinder ist es schwierig auszuhalten, so viel Spielzeug zu sehen, was nicht ausprobiert und angefasst werden darf. Da fanden wir das als Ausgleich eine schöne Idee.“

Auf einem Bonanza-Rad dreht Volontärin Dorothee Hoppe ihre Runden vor der Evenburg. Foto: Ortgies
Auf einem Bonanza-Rad dreht Volontärin Dorothee Hoppe ihre Runden vor der Evenburg. Foto: Ortgies

Noch bis zum 16. Oktober können in der aktuellen Ausstellung Fahrzeuge und Spielzeuge rund um die Kindheit verschiedener Jahrgänge betrachtet und teilweise sogar ausprobiert werden. Die insgesamt 98 Exponate stammen aus dem Deutschen Fahrradmuseum in Bad Brückenau, der privaten Sammlung von Eva-Maria Mayer aus Bad Endorf und dem Ostfriesischen Zweiradmuseum Dinus Voß in Emden. Die Sonderausstellung ist täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Als Teil der Ausstellung stehen am 13. April 2022 ab 15 Uhr an der Evenburg 15 Fahrzeuge zum Ausprobieren bereit. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.schloss-evenburg.de.“

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Zeitreise: Eine Fahrt zurück in die Kindheit
07.04.2022

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