Spendenaktionen

Wie man mit Kronkorken die Welt verbessert

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 10.04.2022 11:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kronkorken zu sammeln ist nicht nur ökologisch sinnvoll, man kann damit auch Gutes tun. Foto: Soeder/dpa
Kronkorken zu sammeln ist nicht nur ökologisch sinnvoll, man kann damit auch Gutes tun. Foto: Soeder/dpa
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Ist eine Flasche leer, wird auch ihr Verschluss meist überflüssig und wandert in den Müll. Doch Kronkorken und Schraubdeckel können mehr als nur Blubberblasen in Getränken halten. Zum Beispiel Gutes tun.

Ostfriesland - „Zisch“ macht es meistens, wenn man den Verschluss einer Getränkeflasche öffnet. Manchmal auch „plop“, wenn ein Bierflaschen-Virtuose den Kronkorken mittels Feuerzeug oder Zollstock von der Flasche schießt. Schützte der Blech- oder Plastikdeckel den Flascheninhalt auch noch so lange zuverlässig vor der Ungenießbarkeit, so ist sein Ende im Mülleimer doch meist unrühmlich.

Was und warum

Darum geht es: Kronkorken können auch nach ihrem Einsatz als Flaschenverschluss noch einen sinnvollen Zweck erfüllen. Wenn man weiß, was man damit tun muss.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für Recycling interessieren und alle, die nach kreativen Möglichkeiten für Spendenaktionen suchen.

Deshalb berichten wir: Über die HRS Friedeburg wurden wir auf die Sammelaktion aufmerksam.

Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de

Gelegentlich werden sie noch gesammelt, um vor der Kirche von Junggesellen zu deren 30. Geburtstag aufgefegt zu werden, bis sie von einer Jungfrau freigeküsst werden. Danach ist aber auch wirklich Schluss. Das muss aber nicht so sein, denn so ein Verschluss kann mehr. Er taugt zwar nicht als Zahlungsmittel, kann aber durchaus bares Geld wert sein. Und auf diese Weise nach dem Festsitzen auf dem Flaschenhals noch einiges bewirken. Ein Beispiel dafür findet sich auch in Ostfriesland.

Wohin mit den Kronkorken?

Manuela Sekulic ist Lehrerin an der Haupt- und Realschule Friedeburg. Dort werden die Kronkorken der Getränkeflaschen gesammelt, die am Schulkiosk verkauft werden. Aber nicht nur das: „Wir bekommen die Kronkorken auch tütenweise angeliefert von Nachbarn, Eltern oder anderen Bürgern, zum Beispiel nach privaten Feiern“, sagt Sekulic. „Auch Gastronomen sammeln mit.“

Ihr Lebensgefährte holt die Sammelerträge regelmäßig ab und bringt sie zum Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in Leer. Dort werden aus den Weißblech-Verschlüssen nicht etwa Stahlhelme gemacht, sondern sie werden an einen Altmetallhändler verkauft. Der Erlös geht an die „Aktion Pfötchen“, die von der Bundeswehr unterstützt wird. Von dem Geld werden Therapie- beziehungsweise Assistenzhunde für Veteranen angeschafft, die an posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) leiden. „Die Hunde helfen Soldaten mit schweren Traumata, wieder zurück ins Alltagsleben zu finden“, erklärt Sekulic. „Allerdings kostet die Ausbildung eines solchen Hundes rund 20.000 Euro.“

Wer kauft die Kronkorken ab?

An Schulen in benachbarten Gemeinden, wie etwa den KGS in Wiesmoor und Großefehn, war das Sammelkonzept auf Nachfrage dieser Zeitung noch nicht geläufig, dort zeigte man sich aber sehr interessiert und stellte Gegenfragen nach möglichen Abnehmern für das Sammelgut. Einer von ihnen könnte Thomas Büttner sein, der in Aurich einen Altmetallhandel betreibt. „Normalerweise bekomme ich Kronkorken von Gewerbekunden in Containern angeliefert, so sieben bis zehn Kubikmeter“, erklärt er. Dass Privatpersonen kleinere Mengen anlieferten, habe es noch nicht gegeben, sei aber grundsätzlich kein Problem. „Üblicherweise nehmen wir Anlieferungen ab 100 Kilogramm an“, so Büttner. „Aber für einen guten Zweck wiege ich Ihnen auch einen Zehn-Liter-Eimer ab.“

Den Ankaufpreis bezifferte er tagesaktuell auf rund 30 Cent pro Kilogramm, je nach Qualität. „Das ist gerade ziemlich viel“, sagt Büttner. „Wie alle anderen Roh- und Wertstoffe ist auch Weißblech teuer geworden.“ Normal seien Preise um 15 Cent. „Wenn ich weiß, dass es für einen guten Zweck ist, kann ich auch noch mal einen etwas besseren Preis machen“, verspricht Büttner.

Was kann ich sonst noch sammeln?

Wer jetzt in Goldgräber-Stimmung geraten ist: Auch Aluminium, etwa Getränkedosen oder Joghurtdeckel, kann man an Altmetallhändler verkaufen. Allerdings müssen die meist vorher gereinigt werden und lassen sich in der Regel schwieriger lagern als Kronkorken. Das Gleiche gilt für Kupfer, das in alten Kabeln zu finden ist, dort aber meist erst umständlich aus den Ummantelungen gepult werden muss.

Nicht mehr sammeln lassen sich Kunststoffverschlüsse, etwa von Getränkeflaschen. Das war vor einigen Jahren noch anders. Da hatte der Rotary Club unter dem Motto „Abdrehen gegen Polio“ Kunststoffverschlüsse gesammelt, um aus dem Erlös weltweit Impfungen gegen Kinderlähmung zu finanzieren.

„Von 2014 bis 2019 hat der Verein ‚Deckel drauf‘ mit 1105 Tonnen Deckeln rund 270.000 Euro gesammelt“, erzählt Remmer Edzards vom Rotary Club Emden. Die Aktion musste jedoch 2019 beendet werden. „Die EU hat in ihrer Strategie gegen Plastikmüll – die wir für völlig richtig halten – festgelegt, dass der Deckel künftig mit der Flasche fest verbunden sein muss“, so Edzards weiter. „Es geht also mittelfristig das Sammelmaterial aus.“

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