Bares für Rares

Kindheit unter dem Hammer: So viel ist altes Spielzeug noch wert

| | 10.04.2022 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bettina Dorfmann ist Expertin für Spielzeug. Unter anderem kann sie den Marktwert für Barbie-Puppen einschätzen. Foto: Ortgies/Archiv
Bettina Dorfmann ist Expertin für Spielzeug. Unter anderem kann sie den Marktwert für Barbie-Puppen einschätzen. Foto: Ortgies/Archiv
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Die Spielzeugexpertin Bettina Dorfmann hat am Sonntag im Ostfriesischen Landesmuseum den Wert von Barbies, Puppen und Teddys eingeschätzt. Sie gibt Tipps für die eigenen Dachboden-Schätze.

Emden - Schon kurz nach 10 Uhr bildete sich am Sonntag im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden eine kleine Schlange. Frauen und Männer mit Beuteln, Tüten und Kartons warteten darauf, an die Reihe zu kommen. In dem Raum in der dritten Etage des Museums saß Bettina Dorfmann an einem Tisch. Der Lichtstrahl einer Lampe war grell auf die Tischplatte gerichtet. Die Spielzeugexpertin drehte und wendete eine Barbie-Puppe in den Händen. „Die Barbie ist leider nicht viel wert, aber für den Badeanzug würden Sie noch zwei Euro bekommen“, sagte sie. „Für den Ken vielleicht zehn Euro.“ Wäre das männliche Pendant zur Barbie noch in seiner intakten Originalkleidung und vielleicht sogar noch in seinem Originalkarton, dann könnten sogar bis zu 60 Euro rausspringen, erklärte sie.

Was und warum

Darum geht es: Altes Spielzeug kann noch richtig viel wert sein.

Vor allem interessant für: Menschen, die ihren Dachboden oder Keller aufgeräumt haben und auch vielleicht verborgene Schätze gestoßen sind.

Deshalb berichten wir: An diesem Sonntag war die Spielzeugexpertin Bettina Dorfmann im Landesmuseum zum Einschätzen von Spielsachen. Wir haben im Voraus mit ihr gesprochen und uns einige Schätzungen angeschaut.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

„Dann habe ich schon mal eine grobe Richtung“, meinte der Mann, der Bettina Dorfmann gegenüber saß. Er müsse sich um die Haushaltsauflösung seiner Mutter kümmern. Die Barbies und andere Puppen seien dabei zum Vorschein gekommen. Zwei Puppen, die er Bettina Dorfmann nur als Handyfoto zeigte, könnten „nicht unter 100 Euro“ jeweils einbringen. Je nach Zustand vielleicht auch 200 Euro, sagte sie.

Barbies kosten zum Teil mehrere Tausend Euro

Im Rahmen der Sonderausstellung „Busy Girl - Barbie macht Karriere“, die mit rund 500 Barbies aus der weltweit größten Sammlung von Bettina Dorfmann im Landesmuseum präsentiert wird, wurde am Sonntag dazu aufgerufen, dass Interessierte mit ihren Spielsachen vorbei kommen und diese von der Expertin einschätzen lassen. „Das ist schon ein besonderer Tag für uns“, sagte Museumspädagogin Evelina Peuser-Broeker am Sonntag im Gespräch mit dieser Zeitung. Im Voraus habe es schon einige Resonanz auf das Angebot gegeben und sie hätten auch ordentlich die Werbetrommel gerührt, aber dass sich direkt schon um 10 Uhr eine Schlange bilden würde, überraschte auch sie. Schon am Samstag sei das Museum durch die Gäste des Ostermarkts in der Brückstraße „überrannt“ worden.

Am Sonntag war Bettina Dorfmann im Emder Landesmuseum und hat die Spielsachen von Interessierten eingeschätzt. Foto: Hanssen
Am Sonntag war Bettina Dorfmann im Emder Landesmuseum und hat die Spielsachen von Interessierten eingeschätzt. Foto: Hanssen

Bettina Dorfmann ist den Trubel gewohnt. Alle zwei Monate bietet sie im Spielzeugmuseum der Stadt Ratingen (Nordrhein-Westfalen) Schätzungen an. „Einige kommen mit Umzugskartons angereist“, sagte sie. Meistens würden Standard-Spielsachen vorgezeigt, also etwa Barbies, für die man noch etwa drei Euro bekommt. Manchmal aber liegen auch Seltenheiten auf ihrem Tisch, die bis zu 1000 Euro, ja, sogar bis zu 8000 Euro wert sein können. Verrückt: Die wohl teuerste Barbie der Welt ist beim US-amerikanischen Auktionshaus „Christie’s“ für rund 220.000 Euro versteigert worden. Sie trug allerdings eine Halskette mit drei Karat weißen Diamanten und einem seltenen australischen Diamanten.

Das sind die Tipps der Expertin

„Viele denken, dass Barbies nicht viel wert sind“, beobachtet Bettina Dorfmann. Sie seien dann überrascht, wenn die - ihrer Angaben nach - einzige Sachverständige dieser Art in Deutschland ihnen einen Schätzpreis nenne. Wie viel eine Barbie wert sei, habe gar nicht unbedingt mit ihrem Alter zu tun. Es komme auch auf das Modell an. Und: Wenn sie nicht mehr originalverpackt ist, verliert die Puppe schnell rund die Hälfte ihres Werts. Hat sie aber noch ihre Originalkleidung und das Zubehör bei sich und ist in einem guten Zustand, könne die Barbie dennoch mehrere Tausend Euro einbringen.

Bettina Dorfmann rät dazu, die eigene Spielzeug-Sammlung erst einmal zu sortieren und zu schauen, welche Barbie noch welches Zubehör hat. Man sollte auf keinen Fall die Puppenkleidung waschen, weil sie an Farbe verlieren könne. Dann könne man sich beraten lassen - etwa bei ihr oder auch bei Experten der Ladenburger Spielzeugauktion. Das gelte nicht nur für Barbies, sondern auch für Puppen und beispielsweise Kuscheltiere von Steiff. Eine Emderin, die sich am Sonntag von Bettina Dorfmann beraten lassen hat, brachte etwa einen Steiff-Pinguin mit, dessen Wert sie auf bis zu 70 Euro geschätzt hätte, wenn das Plüschtier nicht ein wenig am Schnabel beschädigt gewesen wäre. Mehr als 35 Euro könnte der Pinguin Sammlern aber noch wert sein, meinte sie. Auch zwei Puppen der Frau, die sich um die Haushaltsauflösung ihrer Mutter kümmerte, schätzte die Expertin jeweils auf bis zu 50 Euro.

Markt derzeit überschwemmt

Nicht nur in Emden war schnell deutlich, dass viele Menschen derzeit auf Spielzeug-Sammlungen durch Haushaltsauflösungen stießen. Bettina Dorfmann beobachtet derzeit einen Überschuss auf dem Markt, der den Wert von alten Spielsachen sinken lässt. Sie erklärt sich das so, dass viele Menschen, die zur Kriegszeit Kind waren und damals auf Spielsachen verzichten mussten, in den 80ern viele Puppen gekauft hatten. Jetzt seien diese Menschen alt, kämen ins Heim oder würden versterben, weswegen derzeit viele Spielsachen verkauft würden. Auch trage wohl zum Überschuss bei, dass in Corona-Zeiten viel aussortiert wurde. Gleichzeitig beobachtet sie, dass viele Leute mit dem Sammeln angefangen hatten, nachdem sie durch das viele corona-bedingte Verharren zu Hause ihre Wohnungen und Häuser mehr schmücken und füllen wollen. Es könnte also wieder eine Preissteigerung geben.

Sie selbst habe mit dem Sammeln vor mehr als 25 Jahren angefangen. „Man sammelt seine Kindheit“, erklärte sie. Mittlerweile hat sie mehr als 18.000 Barbie-Puppen. Die Barbies aus ihrer Kindheit verleihe sie bewusst nicht an Museen, weil sie an diesen am meisten hänge.

→ Die Barbie-Sonderausstellung im Landesmuseum kann noch bis zum 28. August besucht werden. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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