Städtebau

Kostenexplosion in der Fußgängerzone

| | 12.04.2022 07:29 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Bauarbeiten in der Auricher Fußgängerzone laufen seit fast drei Jahren. Fotos: Archiv/Ortgies
Die Bauarbeiten in der Auricher Fußgängerzone laufen seit fast drei Jahren. Fotos: Archiv/Ortgies
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An rasant steigende Preise haben sich alle gewöhnt. Doch was der Stadt Aurich bei der Sanierung der Fußgängerzone blüht, stellt vieles in den Schatten. Nun ist guter Rat teuer.

Aurich - Alles wird teurer, gerade im Bausektor. Dennoch lassen Neuigkeiten über die Sanierung der Auricher Fußgängerzone aufhorchen: Statt der geplanten 3,2 Millionen Euro muss die Stadt dafür 4,4 Millionen Euro bezahlen – eine Kostensteigerung um 37,5 Prozent. Das habe die Ausschreibung ergeben, teilte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) vergangenen Donnerstag dem Rat mit. Der Verwaltungschef hatte am selben Tag von dieser „Kostenexplosion“, wie er es nennt, erfahren. „Das ist erst mal ein Schlag gewesen“, sagte Feddermann am Montag im Gespräch mit der Redaktion.

Man müsse nun klären, wie es weitergeht, ob womöglich die Fördermittel des Landes und des Bundes erhöht werden können. Gefördert würden allerdings nicht einzelne Aufträge, sondern die Altstadtsanierung als Ganzes, so Feddermann. „Da ist die Frage, wie viel Geld überhaupt noch übrig ist. Da haben wir die Übersicht noch nicht.“ Womöglich führe die Verteuerung der Arbeiten an der Fußgängerzone dazu, dass andere Pläne für die Altstadt begraben werden müssen. „Man kann das Geld nur einmal ausgeben.“

„Leider habe ich recht behalten“

Die Fußgängerzone (Burgstraße und Osterstraße) wurde 1974/75 gebaut. 2018 beschloss der Rat, sie erneuern zu lassen. Die Arbeiten haben im Mai 2019 begonnen und erstrecken sich mit Unterbrechungen über mehrere Jahre – was nicht nur Geschäftsleute nervt. Zunächst wurden die Kanalisation und die Versorgungsleitungen erneuert (Gas, Wasser, Strom, Telekommunikation). Ab Mai gehen die Arbeiten oberirdisch weiter, beginnend am östlichen Ende (Osterstraße). Die Fußgängerzone erhält ein neues Pflaster, neue Möbel und neue Lampen. Ende 2023 soll alles fertig sein. Auf einer eigenen Internet-Seite erläutert die Stadt Hintergründe, Zeitplan und Vorgehensweise.

Als die Versorgungsleitungen verlegt wurden, mussten Passanten mit Einschränkungen leben.
Als die Versorgungsleitungen verlegt wurden, mussten Passanten mit Einschränkungen leben.

Richard Rokicki von der Auricher Wählergemeinschaft (AWG) ist stinksauer über die Kostensteigerung. Er sieht seine Befürchtungen bestätigt. „Leider habe ich recht behalten.“ Bei der Ratsmehrheit hätten seine Warnungen kein Gehör gefunden. „Die hören nicht zu, wenn jemand vom Fach was sagt“, so der gelernte Maurermeister. „Das ist frustrierend. Jetzt haben wir den Salat.“ Ein Zurück gebe es jetzt nicht mehr. Rokicki rechnet mit weiteren Kostensteigerungen und hält fünf Millionen Euro für realistisch. Dabei hätte die alte Fußgängerzone noch mindestens zehn Jahre gehalten, meint der AWG-Chef.

„Da müssen wir jetzt durch“

Auch Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann verweist darauf, dass die Grünen seinerzeit gegen die Neupflasterung der Fußgängerzone gestimmt hätten. Aus ihrer Sicht hätte es gereicht, die Pflastersteine zu reinigen und neu zu verlegen. Jetzt gebe es trotz Kostensteigerung kein Zurück mehr. „Da müssen wir jetzt durch.“

SPD-Fraktionschef Harald Bathmann hält sich bedeckt. „Für uns kam das völlig überraschend“, sagt er über die Kostensteigerung. Mit seinen Parteifreunden habe er noch nicht darüber gesprochen. Man müsse nun sehen, ob die Stadt irgendwo noch etwas einsparen könne. Ein Stopp der Sanierung komme nicht in Betracht. „Das muss man jetzt zu Ende bringen.“

Auch CDU-Fraktionschef Arnold Gossel sagt: „Das muss abgeschlossen werden, daran führt kein Weg vorbei.“ Doch dem Christdemokraten schwant Böses. Es seien solche Kostensteigerungen, vor denen seine Fraktion auch im Hinblick auf den Umbau der Kunstschule und des Mach-mit-Museums gewarnt habe. Der Landkreis habe schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die Stadt über ihre Verhältnisse lebe. Nun laufe man Gefahr, dass der Haushalt nicht genehmigt wird. Dennoch würden von einigen Fraktionen immer noch neue Projekte beantragt, „die richtig Geld kosten“, so Gossel. „Keiner überlegt, woher das Geld kommen soll.“ Der Rat hat den Haushalt für 2022 noch nicht beschlossen. Das ist laut Bürgermeister Feddermann für Anfang Juni geplant: „Sofern es eine Mehrheit gibt.“

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