Feste
Nach zwei Jahren ohne: Emder sind heiß aufs Osterfeuer
Bei der Stadt Emden sind in diesem Jahr 61 größere und kleinere Osterfeuer angemeldet worden. Das sind 21 weniger als vor Corona. Für Vereine sind sie mehr als nur Brauchtum.
Emden - Wenige Tage vor Ostern scheinen viele Ostfriesen buchstäblich schon ganz heiß darauf zu sein: Nach einer zweijährigen Pause wächst die Vorfreude auf die Osterfeuer, die in diesem Jahr wieder entzündet werden dürfen. Auch in Emden sind die Stapel aus Ästen, Reisig und Sträuchern schon aufgeschichtet. Hunderte Menschen werden sich am Karsamstag vor Einbruch der Dunkelheit im Freien versammeln, um den Brauch zu feiern. Ob in Uphusen, Conrebbersweg oder Twixlum - die Tradition wird nach der pandemiebedingten Zwangspause wieder belebt.
Was und warum
Darum geht es: die Vorbereitungen auf die Osterfeuer in Emden
Vor allem interessant für: alle, die den Brauch des Osterfeuers mögen und nach zweijähriger Pause wieder eins besuchen wollen
Deshalb berichten wir: Am Ende der vergangenen Woche endete in Emden die Frist, um Osterfeuer anzumelden. Wir haben nachgefragt, wie viele Osterfeuer es in der Stadt gibt, und mit einem Vereinsvorstand über die Vorbereitungen gesprochen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Allerdings ist die Zahl der von der Ordnungsbehörde der Stadt genehmigten Osterfeuer mit 61 deutlich geringer als in den letzten beiden Jahren vor der Corona-Pandemie. Das sind 21 weniger als 2019. Im Jahr 2018 hatte die Stadt 75 Osterfeuer registriert.
Vereine sind die Organisatoren
Die größten Veranstaltungen richten Sportvereine, Feuerwehren und Dorfgemeinschaften in den Stadtteilen aus. Der TuS Rot-Weiß in Conrebbersweg gehört ebenso dazu wie der Turnerbund Twixlum, die Freie Turnerschaft (FT) 03 oder die Freiwillige Feuerwehr Uphusen/Marienwehr.
Beim FC Frisia in Port Arthur/Transvaal mussten die Organisatoren den Platz für das Feuer wechseln. Grund: Bei einer Kontrolle hatte die Stadt festgestellt, dass der vorgeschriebene Mindestabstand zwischen der angestammten Stelle und einem Gebäude nicht eingehalten werden kann.
Es gibt einiges zu beachten
Was für den FC gilt, gilt auch für alle anderen: Es gibt einiges zu beachten, damit das Feuer nicht zur Gefahr wird. So sei es besonders wichtig, auf die Umgebung zu achten, niemanden mit Rauch zu stören oder das Feuer durch Treibstoffe anzufachen, mahnen die Behörden. Die Holzstapel sollten zudem kurz vor Anzünden umgeschichtet werden - so könnten Tiere, die sich eingenistet haben, aufgeschreckt werden und rechtzeitig fliehen.
Eines der Emder Ostfeuer mit den meisten Besucherinnen und Besuchern ist das des SV Amisia Stern Wolthusen auf dem Sportgelände an der Folkmar-Allena-Straße. Es ist ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt und zieht seit vielen Jahren auch Leute aus anderen Vierteln der Stadt an.
So laufen die Vorbereitungen
„Wir haben schon im Februar mit den ersten Vorbereitungen begonnen“, sagt Holger Gravemann, 2. Vorsitzender von Amisia Stern. Zu dieser Zeit sei aber noch gar nicht klar gewesen, ob es in diesem Jahr überhaupt wieder Osterfeuer geben kann und welche Corona-Regeln für diesen Fall gelten würden. „Aber auch mit schärferen Auflagen hätten wir es in diesem Jahr durchgezogen“, sagt der Vereinsvize.
Denn der Verein sei auf die Einnahmen aus dem Verkauf von Getränken und Gegrilltem angewiesen: „Damit finanzieren wir ein ganzes Jahr lang das Vereinsleben “. Der SV Amisia Stern steht damit exemplarisch für andere Vereine. Sie organisieren die Osterfeuer nicht allein, um das Brauchtum zu pflegen und den Zusammenhalt in den Stadtteilen zu stärken, sondern auch um die Kasse aufzufüllen.
Pläne liegen in der Schublade
Die Spenden, die man in Wolthusen für die Annahme von Strauch- und Grünschnitt erhält, kommen hingegen in voller Höhe der Jugend des Sportvereins zugute. Grünabfälle hat Amisia Stern an zwei Sonnabenden auf seinem Gelände angenommen. Schon am ersten der beiden Tage sei eine stattliche Menge zusammengekommen. „Dafür mussten wir gar nicht viel Werbung machen“, so Gravemann.
Die Organisation des Osterfeuers erfordert aber auch logistischen Aufwand. Das Ordern von Getränken und Speisen ist dabei noch eines der geringsten Probleme. „Wir haben die Pläne aus den Vorjahren ja in der Schublade liegen“, sagt das Vorstandsmitglied. Eingestellt haben sie sich in Wolthusen auf bis zu 1000 Besucherinnen und Besucher. „Aber es kommt immer auch aufs Wetter an“, so Gravemann. Zwischen 600 und 1000 Leute habe man vor Corona aber beim Osterfeuer immer gezählt.
Viele Helfer sind am Start
Rund 30 Helferinnen und Helfer werden am Karsamstag für die Versorgung der Besucher zuständig sein. Sie stehen in zwei Bierwagen und an drei Grillständen oder kümmern sich im Hintergrund um den Nachschub. Für Ordnung und Sicherheit sorgen Mitarbeiter eines Ordnungsdienstes, auf die Vereine bei Veranstaltungen dieser Größenordnung heute kaum noch verzichten können.
Die Sicherheitskräfte übernehmen auch die Einlasskontrollen und achten darauf, dass niemand mit Spirituosen und anderen Getränken auf das Gelände kommt. „Unser Vorteil ist, dass unser Sportgelände komplett eingezäunt ist“, sagt der Vereinsvize. So behalte man den Überblick.
Gravemann und seine Vorstandskollegen sind aber zuversichtlich, dass alles ruhig, friedlich und geordnet über die Bühne geht. Wie andere Vereine rechnen auch sie mit einem großen Zulauf nach der Zwangspause. „Ich habe schon das Gefühl, dass die Leute es wieder wollen“, sagt der Amisia-Vize.