Handel

Soll der Emder Wochenmarkt doch wieder in den Stadtgarten?

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 13.04.2022 19:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Gastronomie am Neuen Markt hat sich bei den frühlingshaften Temperaturen der vergangenen Tage wieder auf dem Platz ausgeweitet. Foto: H. Müller
Die Gastronomie am Neuen Markt hat sich bei den frühlingshaften Temperaturen der vergangenen Tage wieder auf dem Platz ausgeweitet. Foto: H. Müller
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In Emden ist eine neue Diskussion um den Standort des Wochenmarktes entbrannt. Es gibt Vorstöße mit dem Ziel, den Markt im Sommer zu verlegen. Der Oberbürgermeister steht dem „sehr offen“ gegenüber.

Emden - Paukenschlag in der Emder Innenstadt: Knapp anderthalb Jahre nach dem Umbau des Neuen Marktes ist jetzt überraschend eine neue Diskussion um den Standort des Wochenmarktes entbrannt. Nach Informationen dieser Zeitung gibt es Bestrebungen aus der Gastronomie sowie einen Vorstoß aus Kreisen der Marktbeschicker, den Wochenmarkt zumindest während der wärmeren Jahreszeit wieder in den Stadtgarten zu verlegen.

Was und warum

Darum geht es: die Frage, ob der Emder Wochenmarkt künftig im Sommer im Stadtgarten sein soll

Vor allem interessant für: alle, die gerne auf dem Wochenmarkt einkaufen, und diejenigen, die sich für die Entwicklung der Innenstadt interessieren

Deshalb berichten wir: Unserer Redaktion war zu Ohren gekommen, dass es neue Bestrebungen gibt, den Wochenmarkt während der wärmeren Jahreszeit zu verlegen. Wir haben deshalb bei den Beteiligten nachgefragt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Dort hatten die Händler ihre Stände schon während des etwa eineinhalb Jahre dauernden Umbaus des Neuen Markts aufgebaut. Bereits während dieser Phase war deshalb zeitweise diskutiert worden, ob der Markt dort dauerhaft bleiben könnte. Sowohl die Bevölkerung als auch die Marktbeschicker sind in dieser Frage gespalten, so dass sich jetzt eine heftige Kontroverse darum entzünden dürfte.

Vorstoß kam überraschend

Das Thema war in der vergangenen Woche bei einer Versammlung der Wochenmarkthändler aufgekommen. Dort hatte der Emder Käsehändler Frans Posthumus den Vorschlag gemacht, mit den Ständen nach Möglichkeit wieder in den Stadtgarten zu ziehen, weil dieser Platz attraktiver und für Touristen auch sichtbarer ist. Der Vorstoß kam für die meisten Teilnehmenden unerwartet.

„Wir waren alle total perplex“, sagte Anke Wilts vom Eier- und Geflügelhandel Albert Wilts dieser Zeitung am Mittwoch auf Nachfrage. Sie wurde am gleichen Abend zur neuen Sprecherin der Emder Wochenmarktbeschicker gewählt und gehört einem fünfköpfigem Gremium an, das die Interessen der Händler künftig vertritt.

Mehrheit der Marktbeschicker dagegen

Laut Wilts gehen die Meinungen innerhalb dieser Gemeinschaft über einen Standortwechsel zwar auseinander, bei einer Abstimmung habe sich aber „eine klare Mehrheit“ der Teilnehmenden gegen den Umzug in den Stadtgarten ausgesprochen. Die Kritiker hielten diesen Standort unter anderem nach den Erfahrungen aus den Jahren 2020 und 2021 für ungeeignet, so die Sprecherin.

Während des Umbaus des Neuen Marktes war der Wochenmarkt zwischen Mitte 2019 und Ende 2021 in den Stadtgarten ausgewichen. Foto: Archiv
Während des Umbaus des Neuen Marktes war der Wochenmarkt zwischen Mitte 2019 und Ende 2021 in den Stadtgarten ausgewichen. Foto: Archiv

So müssten Beschicker während der Innenstadtfeste auf andere Plätze ausweichen und Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Gegner des Standortes im Stadtgarten führen zudem an, dass der Platz zu klein sei, um dort neue Händler ansiedeln zu können, und das Pflaster zu uneben sei.

Gute Erfahrungen auf dem Neuen Markt

Auf dem Neuen Markt habe der überwiegende Teil der Markthändler hingegen bislang überwiegend gute Erfahrungen gemacht. „Wir selbst sind total zufrieden“, sagte Wilts. Eigentlich könne sich niemand beschweren, zumal die Händler in die Planungen einbezogen waren, der Platz für viel Geld nach ihren Bedürfnissen umgestaltet und unter anderem mit unterirdischen Versorgungsstationen ausgestattet worden war. Dennoch seien die Marktbeschicker grundsätzlich gesprächsbereit, sagte Wilts. Sie hätten deshalb bereits um einen Termin bei der Stadtverwaltung gebeten.

Gastronomie contra Wochenmarkt

Bestrebungen, den Wochenmarkt zu verlegen, gibt es auch in der Gastronomie am Neuen Markt. Die Betreiber von Cafés und Restaurants nutzen den freien Platz außerhalb der Wochenmarktzeiten jetzt mit Beginn der wärmeren Jahreszeit zunehmend, um sich mit Tischen und Stühlen vor ihren Lokalen auszubreiten.

Diese neuen Geschäftsmodelle kollidieren zeitweise allerdings mit den Wochenmarkt, weil die Gastronomen gezwungen sind, jeweils vor den Markttagen den Platz wieder komplett zu räumen und die Zufahrten freizuhalten. Der Aufwand dafür sei groß, heißt es. Tolga Öztürk vom Café Störte nimmt den Vorschlag, den Markt zu verlegen, aus diesem Grund sehr positiv auf. Schon im vergangenen Jahr habe sich gezeigt, wie gut die Bestuhlung im Außenbereich auf dem neu gestalteten Marktplatz angenommen werde. Für den bevorstehenden Sommer haben er und sein Team aus diesem Grund schon aufgerüstet. Es sollen mehr Stühle, Tische und Bänke aufgestellt werden. Entsprechend mehr Personal möchte Öztürk einstellen. „Es hat bisher schon sehr gestört, alles immer wieder auf- und abbauen zu müssen.“ An den Markttagen habe es zwar noch keine Konflikte mit den Marktbeschickern gegeben. Aber: „Es war immer sehr eng.“

OB Tim Kruithoff will vermitteln

In einer ersten Reaktion hat Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) sich „durchaus sehr offen“ in der Standortfrage des Wochenmarktes geäußert. In einem Gespräch mit dieser Zeitung bot er an, zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu vermitteln und nach einer für alle Seiten tragbaren Lösung zu suchen.

Er könne sich einen Umzug des Wochenmarktes in den Stadtgarten zwischen Ostern und Oktober durchaus vorstellen und hält in dieser Frage auch Kompromisse für denkbar, von der alle Seiten profitieren könnten, so Kruithoff. Seitens der Stadt sieht er auch „verschiedene Möglichkeiten“, die Marktbeschicker zu fördern und finanziell zu entlasten. Als Beispiel nannte er Ermäßigungen oder den zeitweisen Verzicht auf Standgebühren.

Der Neue Markt ist der angestammte Platz des Wochenmarktes. Er ist dort seit den Anfängen im Jahr 1958 ansässig.

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