Osnabrück

Polizeiruf 110 aus Rostock: Lina Beckmann ersetzt Charly Hübner

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 18.04.2022 19:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Lina Beckmann ersetzt im Rostocker Polizeiruf 110 ihren Ehemann Charly Hübner Foto: NDR/Christine Schroeder
Lina Beckmann ersetzt im Rostocker Polizeiruf 110 ihren Ehemann Charly Hübner Foto: NDR/Christine Schroeder
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Charly Hübner ist als Sacha Bukow Vergangenheit, seine Ehefrau Lina Beckmann ist als Melly Böwe ab heute Abend seine Nachfolgerin im Polizeiruf 110 aus Rostock.

So schnell kann es gehen. Vor nicht mal einer Woche, am Ostermontag, gab Uwe Preuss mit einer schauspielerischen Glanzleistung den Mörder im Frankfurter Tatort „Finsternis“ – jetzt ist er wieder Henning Röder, der Chef des Rostocker „Polizeiruf“-Teams, als den wir ihn seit Jahren kennen. Das ist vielleicht nicht ganz glücklich programmiert, aber in dieser Unzulänglichkeit schon wieder typisch dafür, wie die ARD ihre Sonntagskrimis auf die einzelnen Sendetermine verteilt.

Augenfälliger aber ist eine andere Personalie an der Ostsee, die in manchem Zuschauer wohl noch länger einen Phantomschmerz verursachen wird: Zum ersten Mal ist im Polizeiruf 110 von der Küste Charly Hübner nicht mehr dabei, der als sensibler Polterer Alexander „Sascha“ Bukow fast zwölf Jahre lang das Gesicht des Formats war und sich mit seiner Partner Katrin König (Anneke Kim Sarnau) vom LKA großartige Duelle lieferte, bevor die beiden ein Paar wurden und Bukow auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Diese Lücke will ab diesem Sonntag ausgerechnet Lina Beckmann füllen - Charly Hübners Ehefrau, mit der er wiederholt schon vor der Kamera und auf der Theaterbühne stand. Eine Aufgabe, die man getrost als anspruchsvoll bezeichnen kann.

Im Krimi ist sie Bukows in Bochum lebende Halbschwester Melly Böwe, ebenfalls Polizistin, die ihren Bruder über viele Jahre nicht und dann wieder bei der Beerdigung des kriminellen Vaters gesehen hatte. Kleiner Scherz am Rande: Die Folge heißt „Seine Familie kann man sich nicht aussuchen“.

So einen Fall muss man sich erst mal ausdenken – diesmal hat es Drehbuchautor Florian Oeller getan, der im Gegensatz zu Regisseur Stefan Krohmer schon einige Erfahrung mit dem Polizeiruf von der Ostsee hat: In Rostock wird die alleinerziehende Mutter eines 16-jährigen schwerbehinderten Jungen in ihrer Wohnung erstochen, der ebenfalls stirbt, weil er nicht versorgt wird.

Seine Mutter war eine Frau mit zahlreichen Dating-Bekanntschaften und einem befreundeten Ehepaar in der Nachbarschaft, das zwei Pflegekinder aus höchst problematischen Verhältnissen bei sich aufgenommen hat. Eines davon – Max – wurde offenbar von Melly Böwe von Bochum aus nach Rostock vermittelt. Deshalb taucht sie nun auch an der Küste auf – und hüllt sich Katrin König gegenüber in Schweigen. Das ist schon ziemlich konstruiert.

Eine echte Hauptrolle ist es noch nicht, die Lina Beckmann in diesem Krimi hat, eher eine etwas schräge Hinführung dazu. Und ein Einstand, der nach einem nur phasenweise sehenswerten Polizeiruf noch Luft nach oben hat. Aber noch ist ja gar nicht Teil des Rostocker Teams.

Das Zusammentreffen von König und Böwe ist jedenfalls nicht gerade einfach, aber: „Letztlich entsteht daraus keine Rivalität, weil sie recht schnell entdecken, dass sie auf unterschiedlichen Wegen dasselbe erreichen wollen,“ sagt Beckmann im Senderinfo. „Auf den ersten Blick können sie wenig miteinander anfangen, aber dann imponiert es ihnen doch, wie gut die jeweils andere ist. Das fanden Anneke und ich toll: Trotz ihrer Unterschiedlichkeit finden die beiden in der Arbeit zusammen und sind dann voneinander beeindruckt. Das wird auch in Zukunft so sein; Melly Böwe und die Profilerin werden sich nicht anbitchen, sondern bilden ein spannendes Team.“

Auf jeden Fall will Lina Beckmann im Rostocker Polizeiruf künftig ganz anders rüberkommen als ihr Mann: „In den Vorgesprächen kristallisierte sich heraus, dass wir Lust hatten, nach dem dunklen Geheimnisvollen, das Sascha Bukow umgab, mit Melly Böwe etwas helles Geheimnisvolles in die Reihe reinzubringen. Ich wollte was ganz anderes als Bukow für mich erfinden. Bukow war ja immer so ein Grenzgänger in die dunkle Seite; um ans Ziel zu kommen, ist er auch Wege gegangen, die nicht ganz legal waren. Mit Melly kommt jetzt jemand mit einem aufrechten, ehrlichen und sehr warmen Ansatz, auch beim Ermitteln.“

Ob das beim Publikum ähnlich gut ankommt, bleibt zumindest erst einmal offen. Bukow war im Sonntagskrimi eine echte Marke, Böwe muss es erst noch werden. Ob es gelingt, hängt zu einem großen Teil auch von den künftigen Drehbüchern ab.

Polizeiruf 110: Seine Familie kann man sich nicht aussuchen. Das Erste, Sonntag, 24. April, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen

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