Wassersport
Streit um Schleusengebühr für Sportboote auf Ems-Jade-Kanal
25 Jahre lang waren Mitglieder des Segler-Regionalverbandes davon befreit, für das Schleusen auf den Kanälen zu bezahlen. Damit ist erst einmal Schluss. Ob es zu einer neuen Regelung kommt, ist offen.
Emden/Ostfriesland - Zum Beginn der Wassersportsaison gibt es Ärger um die Gebühren, die Freizeitskipper für die Nutzung der Schleusen und Brücken auf dem Ems-Jade-Kanal sowie dem Nordgeorgsfehnkanal bezahlen müssen. Nach der im Februar aktualisierten Tarifordnung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz (NLWKN) müssen jetzt für alle Sport- und Charterboote sechs Euro pro Schleusung entrichtet werden.
Was und warum
Darum geht es: Es gibt Ärger um die Gebühren, die Freizeitskipper fürs Schleusen auf dem Ems-Jade-Kanal und dem Nordgeorgsfehnkanal bezahlen müssen.
Vor allem interessant für: Freizeitskipper in Ostfriesland und Mitglieder der Wassersportvereine in Ostfriesland und umliegenden Regionen
Deshalb berichten wir: Zwei Emder Sportbootführer hatten sich an unsere Redaktion gewandt und beklagt, dass sie für Schleusungen in der Emder Kesselschleuse plötzlich bezahlen müssen. Unsere Redaktion ist der Sache nachgegangen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Bis auf Weiteres gilt das auch für Sportboote von Mitgliedern aus Wassersportvereinen, die dem Regionalverband Weser-Ems des Segler-Verbandes Niedersachsen (SVN) angeschlossen sind. Sie waren in den vergangenen 25 Jahren von den Schleusen- und Brückengebühren befreit.
Pauschalvertrag wurde gekündigt
Grundlage dafür war ein Vertrag, den der Segler-Regionalverband und der NLWKN geschlossen hatten. Demnach zahlte der Verband für seine Mitglieder eine jährliche Pauschale für die Schleusungen. Diese Vereinbarung ist vor einigen Monaten gekündigt worden, nachdem sich beide Seiten trotz intensiver Gespräche nicht auf einen neuen Betrag im Zuge der allgemeinen Gebührenerhöhung des vergangenen Jahres verständigen konnten. Laut NLWKN-Sprecher Carsten Lippe sei man deshalb mit Blick auf die bereits anlaufende Saison gemeinsam übereingekommen, den bestehenden Vertrag zu kündigen und die Schleusungen bis auf Weiteres direkt mit den Sportbootführern abzurechnen.
Lippe spricht aber von einem „vorläufigen Ergebnis“. Parallel bemühten sich alle Akteure weiter um „eine einvernehmliche Lösung im Interesse der regionalen Wassersportlerinnen und Wassersportler“, schreibt er auf Anfrage dieser Zeitung. Daran beteiligt sei unter anderem auch die Ostfriesland Touristik GmbH. Weitere Details wollte der Sprecher mit Blick auf die laufenden Verhandlungen nicht nennen.
Verband will neuen Schlüssel für Vereine
Zurückhaltend äußerte sich auch der Vorsitzende des Segler-Regionalverbandes, Hans Hüser (Leer). Es liege ein Vorschlag des NLWKN für eine neue Pauschale auf dem Tisch, sagte er. Zur Höhe wollte der Verbandschef sich nicht äußern. Aber: „Wir können diese Pauschale nicht mehr aufbringen.“ Sein Verband verhandle gegenwärtig deshalb mit den Mitgliedsvereinen über einen neuen Schlüssel, wie der höhere Betrag auf die einzelnen Klubs umgelegt werden kann.
Komme es dabei zu keinem Ergebnis, werde es dabei bleiben müssen, dass jede Schleusung einzeln abgerechnet wird. Für die Bootjefahrer würde das bedeuten, das sie beispielsweise für einen Törn von Emden nach Wilhelmshaven bis zu 36 Euro berappen müssten.
Viele Freizeitskipper profitierten
Von dem Pauschalvertrag profitierten bislang viele Sportbootführer. Der Segler-Verband Weser-Ems vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von fast 11.000 Mitglieder in 89 Wassersportvereinen. In die noch laufenden Verhandlungen einbezogen ist auch das Team Wassersport Ostfriesland, dem nach eigenen Angaben knapp 30 Vereine mit etwa 3000 Mitgliedern angeschlossen sind. „Wir sind an allen Fronten in Gesprächen, um noch etwas hinzubekommen“, sagte Holger Hallwaß vom Team Wassersport dieser Zeitung.
Unterdessen reagieren viele Sportbootführer irritiert auf die Streichung der Gebührenbefreiung. Dazu gehören auch die beiden Emder Helmut Credet und Hans-Georg Tennhoff, die häufig mit ihren Sportbooten die Kesselschleuse in Emden passieren. Bei den ersten Schleusungen in diesem Frühjahr sagte ihnen das Schleusenpersonal, dass sie sechs Euro zahlen müssten und die vorherige Regelung nicht mehr gelte.
Auf den Quittungen steht es noch
Beide zahlten zwar, wunderten sich aber über die Quittungen, die ihnen ausgehändigt wurden. Darauf steht nämlich nach wie vor, dass die Schleusungen für Mitglieder des Segler-Regionalverbandes Weser-Ems gebührenfrei sind. Credet wandte sich daraufhin an den NLWKN mit der Bitte, ihm die Gebühr zu erstatten oder andernfalls die Quittungsformulare zu ändern.
Der zuständige Bereichsleiter der NLWKN-Betriebsstelle, Axel Daubenspeck, antwortete dem Emder, dass die Quittungsblöcke im vergangenen Jahr gedruckt worden seien und „dem Grund nach noch ihre Gültigkeit“ hätten. Der Segler-Verband habe sich leider „zunächst aus dem pauschalen Gebührensystem zurückgezogen“, schreibt der Bereichsleiter, strebe aber für dieses Jahr an, sich an der Pauschale zu beteiligen. Dabei wäre auch noch die Frage zu klären, wie sich die einzelnen Mitglieder ausweisen können. Um Papierressourcen zu sparen, werde er das Schleusenpersonal anweisen, den Hinweis auf die die Gebührenbefreiung durchzustreichen.
Der NLWKN hatte die Tarife für die Schleusen und Brücken des Ems-Jade-Kanals einschließlich des Verbindungskanals sowie des Nordgeorgsfehnkanals schon zu Beginn der Saison 2021 allgemein angehoben. Es habe sich dabei um die erste Gebührenanpassung nach knapp 25 Jahren gehandelt, so Behördensprecher Lippe. Notwendig geworden sei das wegen „deutlich gestiegener Betriebs- und Personalkosten“. Die neuen Gebühren würden aber die Kosten nicht vollständig decken.