Umwelt

So wird Bio-Müll richtig entsorgt

| | 20.04.2022 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Emder Müllwerker Harri van der Werf (links) und Marco Rüst entleeren graue Restmülltonnen in einer Einfamilienhaussiedlung. Viele Menschen werfen ihren Biomüll in die Restmülltonne. Das ist teuer und schlechter für die Umwelt. Foto: J. Doden/Archiv
Die Emder Müllwerker Harri van der Werf (links) und Marco Rüst entleeren graue Restmülltonnen in einer Einfamilienhaussiedlung. Viele Menschen werfen ihren Biomüll in die Restmülltonne. Das ist teuer und schlechter für die Umwelt. Foto: J. Doden/Archiv
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Bio-Müll ist wertvoll: Damit wird Strom erzeugt oder Kompost für den Garten und die Landwirtschaft. Wir haben uns die Entsorgung in Ostfriesland angeschaut und geben Tipps für den Kompost zu Hause.

Ostfriesland - Grüner Sack, grüne Tonne, ab in den Restmüll oder doch auf den Komposthaufen? In Ostfriesland wird Bio-Müll ganz unterschiedlich entsorgt. Mit Bio-Müll sind laut Verbraucherzentrale alle pflanzlichen Küchenabfälle sowie Gartenabfälle gemeint. Die getrennt zu entsorgen, also nicht in den Restmüll zu werfen, ist besser für die Umwelt und auch besser für den eigenen Geldbeutel - und den der Kommunen.

Was und warum

Darum geht es: Kartoffelschalen und Gemüsereste können zum Gold des Gartens werden.

Vor allem interessant für: Menschen in Ostfriesland, die sich für Müllentsorgung, Nachhaltigkeit und Gartenarbeit interessieren

Deshalb berichten wir: Wir hatten zum Tag des Recyclings vor kurzem über die richtige Mülltrennung geschrieben. Ein Leser aus dem Landkreis Leer meldete sich bei uns und fragte, ob wir auch mal etwas gesondert zu Bio-Tonne machen könnten. Weil das Thema Nachhaltigkeit viele interessiert, haben wir recherchiert.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Im Landkreis Leer, wo bis zur umstrittenen Einführung der blauen Tonne aller Müll in Säcken gelandet ist (außer auf Borkum), gibt es grüne Säcke. Was viele laut einem Leser nicht wissen: Dort hinein kommt nicht nur Grünschnitt, sondern auch etwa Kartoffel- und Obstschalen sowie ungekochte Gemüsereste, heißt es auf der Website des Abfallwirtschaftsbetriebs. Die Bio-Säcke werden zu normalen Abfuhrtagen mit an die Straße gestellt. Aus den Gartenabfällen wird in einem Kompostwerk in Breinermoor hochwertiger Kompost hergestellt, den man dort wiederum erwerben kann.

Dieser Anblick war vor Einführung der Blauen Tonne im Landkreis Leer normal: Der Abfall kam in unterschiedliche Tüten. Auch eine grüne Tüte gibt es. Foto: Landkreis Leer
Dieser Anblick war vor Einführung der Blauen Tonne im Landkreis Leer normal: Der Abfall kam in unterschiedliche Tüten. Auch eine grüne Tüte gibt es. Foto: Landkreis Leer

Auch in der Stadt Emden gibt es keine Bio-Tonne. Stattdessen können Garten- und Küchenabfälle täglich kostenlos bei Annahmestellen (Übersicht hier) entsorgt werden. Ein großes Problem ist hier wie auch in den Landkreisen, dass häufig auch anderer Abfall - etwa Plastik, Hygieneartikel, Katzenstreu und sogar Batterien - im Müll landen. Sogenanntes Bio-Plastik hat in dem Bio-Müll übrigens auch nichts verloren. Das Bundeskabinett hat erst vor kurzem beschlossen, dass künftig alle Bioabfälle, die kompostiert, vergärt oder mit anderen Stoffen gemischt werden, eine Plastik-Oberbegrenzung von maximal einem Prozent erfüllen müssen. Zum Vergleich: Im Landkreis Aurich landen in den Bio-Tonnen bis zu sieben Prozent Plastikmüll, hieß es zuletzt im vergangenen September. Die Störstoffe mussen aufwendig herausgefischt werden.

Aus Bio-Müll wird Strom

In den Landkreisen Aurich und Wittmund kann man sich eine Bio-Tonne zulegen - plus einem Spezialdeckel gegen schlechte Gerücke und Ungeziefer. „Aktuell sind auf dem Festland knapp 9.800 Bioabfallbehälter aufgestellt“ und das bei steigender Tendenz, heißt es im Wittmunder Abfallwirtschaftskonzept für 2020 bis 25. Aber: Obwohl eigentlich alle laut Gesetzgebung gezwungen wären, eine Grüne Tonne zu nutzen, haben die jeweiligen Gemeinden offenbar vielen das Schlupfloch - eine Befreiungsklausel für Privathaushalte mit Komposthaufen - gewährt, so steht es im Konzept. Knapp 90 Prozent der Kreisbewohner haben indes eine Restmüll-Tonne. Auch im Kreis Aurich ist es verpflichtend, eine Bio-Tonne und/oder eine Restmülltonne zu kaufen.

In den Landkreisen Aurich und Wittmund sowie der Stadt Emden landet der meiste Müll in Tonnen. Im Landkreis Leer gab es bis zuletzt nur Müllsäcke. Foto: Pixabay
In den Landkreisen Aurich und Wittmund sowie der Stadt Emden landet der meiste Müll in Tonnen. Im Landkreis Leer gab es bis zuletzt nur Müllsäcke. Foto: Pixabay

Ein Beispiel, was mit den Abfällen in den Kommunen passiert: Im Landkreis Aurich wird ein Teil zu Biogas vergoren und dieses energetisch genutzt, heißt es vom Kreis. Ein weiterer Teil wird – gemeinsam mit festen Gärresten aus der Biogasanlage – zu hochwertigem Kompost verarbeitet, der hauptsächlich in der Landwirtschaft zur Bodenverbesserung und Düngung eingesetzt wird. Im Jahr 2018 wurden insgesamt ca. 14.000 Tonnen Bioabfallkompost, ca. 7.300 Tonnen Flüssigdünger und so viel Biogas erzeugt, das daraus genug Strom für 1.200 Haushalte produziert werden konnte.

Beste Lösung: Komposthaufen

Während es schon nachhaltiger ist, wenn der Bio-Abfall nicht im Restmüll landet, sondern in der Grünen Tonne/dem grünen Sack oder anderen kommunalen Annahmestellen, ist ein Komposthaufen im heimischen Garten oder sogar auf dem Balkon der Optimalfall. Das spart auch Kosten - weil weniger Gewicht in der Restmülltonne ist, man auf eine Biotonne verzichten kann und man auch noch hochwertigen Kompost für die eigenen Pflanzen. Der Naturschutzbund Nabu gibt Tipps, wie das Kompostieren gelingt.

Ein Drahtgitter-Komposthaufen. Foto: Pixabay
Ein Drahtgitter-Komposthaufen. Foto: Pixabay

  • Der richtige Platz: Der Komposthaufen sollte im Halbschatten angelegt werden und das auf offenem Boden, damit nützliche Lebewesen einwandern können. Ein Hasendraht am Boden hält Nager fern. Der Haufen sollte einen Sicht- und Windschutz haben - etwa durch Hecken oder Bäume. Aber: An den Kompost muss Luft kommen, er darf nicht von geschlossenen Wänden umgeben sein.
  • Der richtige Behälter: Für den Gartenkompost eignet sich ein offenes Behältnis, das den Luft- und Wasseraustausch ermöglicht - beispielsweise ein Lattenkomposter oder ein Drahtgitter-Kompost. Wichtig: Ein Deckel muss oben drauf, damit sich in dem Behälter Wärme entwickeln kann.
  • Die richtige Schichtung: Das eingebrachte Material sollte feucht sein und großflächig verteilt werden. Holziges und frisches Material sollte in einem guten Verhältnis stehen. Nach unten kommen Äste und Reisig, in die Mittelschicht Laub, Rasenschnitt und kleine Äste und oben drauf Gartenreste und Küchenabfälle.
  • Das darf nicht auf den Haufen: behandeltes Holz, Katzenstreu, Pflanzen mit Schädlingsbefall, Asche von Briketts
  • Wer einen Balkon hat, kann sich eine kleine Wurmkiste bauen. Darein kommt Erde und die Küchenabfälle mit Würmern aus dem Fachhandel. Jeden Tag kann man rund 200 Gramm Küchenabfälle hinzufügen. Nach drei Monaten hat man den ersten Kompost.
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