Innenstadt

Was gibt es in der Leeraner Fußgängerzone?

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 22.04.2022 11:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gastronomie, Handelsketten, lokale Händler: In der Leeraner Innenstadt gibt es einen Mix. Foto: Ortgies
Gastronomie, Handelsketten, lokale Händler: In der Leeraner Innenstadt gibt es einen Mix. Foto: Ortgies
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Gibt es in Leer zu viele Optiker? Warum sind Geschäfte mit ähnlichem Angebot oft nebeneinander? Wir haben uns die Leeraner Innenstadt angeschaut und mit einem Einzelhandelsexperten gesprochen.

Leer - „Nicht noch ein Optiker“: Als bekannt wurde, dass das Damenbekleidungsgeschäft Julien Moden Ende Mai schließen wird und stattdessen die Optiker-Kette Eyes and More in die Räumlichkeiten am Denkmalsplatz zieht, schrieben nicht wenige Nutzer auf der Facebook-Seite dieser Zeitung, dass sie nicht noch einen Optiker in der Stadt bräuchten. Doch gibt es wirklich so viele Brillen-Experten in Leer? Welche Branchen sind überhaupt vertreten und wie sieht eigentlich ein guter Mix aus? Diese Zeitung hat nachgezählt und mit Johann Doden, Geschäftsführer des Einzelhandelsverband Ostfriesland, gesprochen.

Was und warum

Darum geht es: In die Fußgängerzone in Leer zieht ein weiterer Optiker ein. Wir haben gezählt, welche Branchen es in der Innenstadt gibt.

Vor allem interessant für: Einkaufsbegeisterte und Zahleninteressierte

Deshalb berichten wir: In der Leeraner Innenstadt zieht ein weiterer Optiker ein. Wir haben uns gefragt, wie viele es jetzt sind und ob es eigentlich ein genug gibt.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Sind es wirklich so viele Optiker?

Wenn man in der Fußgängerzone startet und von der Mühlenstraße über die Brunnenstraße bis zur Waage am Ende der Rathausstraße läuft, kommt man an acht Optikern vorbei. Zudem gibt es in der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße eine weitere Filiale einer Optiker-Kette. Damit gibt es Optiker in diesem Bereich sogar häufiger als Bäckereien oder Lebensmittelhändler.

Von welchen Branchen gibt es viele Geschäfte?

Spitzenreiter beim Angebot sind die Läden für Bekleidung. 31 Geschäfte bieten Klamotten an. Die Auswahl ist allerdings vielfältig: Es gibt Damen, Herren und Kinderkleidungsgeschäfte für viel und wenig Geld. Hinzu kommen Geschäfte für Sport- und Freizeitbekleidung.

Neben den Klamottenläden gibt es viele Restaurants, Cafés und Bars in der Fußgängerzone. 27 verschiedene Läden öffnen regelmäßig ihre Türen, dazu derzeit noch zwei Eiscafés. In der Altstadt werden sogar weitere Cafés eröffnet.

Welche Geschäfte gibt es noch in der Leeraner Fußgängerzone?

Insgesamt sind rund 40 Branchen in Mühlen-, Brunnen- und Rathausstraße vertreten. Kleidung und Restaurant machen den Großteil aus. Kleinere Anteile haben Deko-Geschäfte (acht), sechs Mal sind Friseure, Nagelstudios und Juweliere beziehungsweise Modeschmuckhändler vertreten. Fünf Mal gibt es jeweils Banken, Telekommunikationsgeschäfte und Schuhgeschäfte. Jeweils vier Läden gibt es mit Büchern und Möbeln. Es gibt zudem vier Drogerien und vier Gemischtwarenläden. Von den restlichen Branchen gibt es drei bis ein Geschäft.

Wie sieht ein guter Mix für die Innenstadt aus?

Johann Doden, Geschäftsführer beim Einzelhandelsverband für Ostfriesland, hat drei wichtige Punkte für eine gute lebendige Innenstadt festgemacht. „Es braucht ein differenziertes Angebot des Handels, eine gute Gastronomie und ein kulturelles Angebot“, sagt Doden. Mit den 40 Branchen und einem Kino erfüllt Leer diese Kriterien.

Achten Ladeninhaber auf ihre Nachbarn?

Doden sagt, dass Einzelhändler bei der Anmietung von Flächen sich die Nachbarschaft gut anschauen. Es geht einerseits natürlich um eine gute Lage, zum Beispiel an einer Haupteinkaufsstraße, aber auch um die Umgebung. „Optiker und Kleidungsgeschäfte passen zum Beispiel gut zusammen“, sagt er. Große Handelsketten würden ihre Geschäfte durchaus danach aussuchen. Außerdem profitieren angebotsähnliche Branchen von der Nachbarschaft. Findet man in Geschäft A nicht das gewünschte Produkt, geht man nach nebenan zu Geschäft B.

Gibt es ein „Zu viel“ an Geschäften?

Das regelt der Markt, sagt Doden. Wenn es zu viele Geschäfte einer Branche gibt, würden die Umsätze sinken und die Läden wieder schließen. Eingreifen kann eine Stadt dabei übrigens nicht. „Bei der Vermietung hat die Stadt keine Einflussmöglichkeiten, wenn ihr die Flächen nicht gehören. Eine Kommune darf und kann nicht marktwirtschaftlich steuernd eingreifen“, teilt die Stadt auf Nachfrage mit.

Wie sollte das Verhältnis zwischen Handelsketten und individuellen Geschäften in einer Stadt sein?

Dafür gibt es für den Einzelhandelsexperten keine eindeutige Zahl. Beides gehöre zu einer Innenstadt dazu. Allerdings hätten die inhabergeführten Unternehmen einen Vorteil. „Die Geschäftsleute vor Ort kennen die Stadt und die Leute besser und können schneller reagieren“, sagt er. Ob eine Kette, die den Unternehmenssitz in Hamburg, Düsseldorf oder Berlin habe, ebenso schnell einschätzen könne, was die Bedürfnisse der Kunden am Standort seien, bezweifle er.

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