Kommunalpolitik
Wird aus der Burlager Grundschule eine Kita?
Der zuständige Fachausschuss des Fehntjer Gemeinderates befürwortet, dass erkundet wird, ob die einstige Burlager Schule als künftige Kita taugt. Einer im Ausschuss hatte aber ein anderes Ansinnen.
Rhauderfehn - Kann der Burlager Kindergarten alsbald in das benachbarte, seit sechs Jahren leerstehende Grundschulgebäude umziehen? Geht es nach dem Mehrheitswillen des Rhauderfehner Schul- und Bildungsausschusses, soll die Gemeindeverwaltung das jetzt erkunden lassen. In dem Fachausschuss ging dem Votum am Mittwoch eine kontroverse Diskussion voraus. Das letzte Wort hat jetzt der Gemeinde-Verwaltungsausschuss.
Der Burlager FDP-Mann Alfons Platt hatte als Mitglied der Mehrheitsfraktion von Ampel+ die Debatte entfacht. Es gehe der Verwaltung nur darum, das Burlager Schulgebäude jetzt auf die Schnelle zugunsten einer Kindertagesstätte plattzumachen, kritisierte er.
Um aktuelle Standards und Vorgaben zu erfüllen
Platt erinnerte daran, dass der Gemeinderat die Schulschließung 2013 mit einer ganz knappen Mehrheit beschlossen habe. 96 Kinder hätte es gebraucht, um den Grundschulbetrieb aufrecht zu erhalten. 80 Kinder habe es gegeben. Nun gebe es in Burlage neue Bauplätze, mehr Kinder und die Aussicht, dass ein Schulbetrieb in Burlage wieder möglich sei, trug er vor.
Kampf um Burlager Grundschule begann vor mehr als zehn Jahren
Antrag für Grundschule Burlage – die Entscheidung naht
Kein Grundschulbau – zumindest nicht in Burlage
Hartmut Viétor, Leiter des Hauptamtes im Rhauderfehner Rathaus, hatte zuvor erklärt, der Fachausschuss habe bereits vor drei Jahren einvernehmlich befunden, die Kindergärten in Backemoor und Burlage umfangreich saniert und erweitern zu lassen. Man sei sich einig gewesen, dass das erforderlich sei, um die aktuellen Standards und Vorgaben bei der Kinderbetreuung erfüllen zu können, so Viétor.
In Backemoor seien die notwendigen Schritte für einen Neubau eingeleitet. Für Burlage hingegen seien die Umsetzungspläne bisher zurückgestellt gewesen. Nun seien die an der Reihe. In Burlage könne das vorhandene Kindergarten-Gebäude grundlegend saniert und erweitert werden, oder die Räumlichkeiten der ehemaligen Grundschule könnten zur Kita umgebaut werden.
Gute Erfahrungen in Hahnentange
Das Schulgebäude biete die Möglichkeit, neben dem Kindergarten in Burlage auch eine Kinderkrippe einzurichten. Außerdem könne bei dieser Variante der Kindergartenbetrieb am bisherigen Standort unbeeinträchtigt weiterlaufen, während nebenan das einstige Schulgebäude zur künftigen Kita umgebaut werde. In Hahnentange habe die Gemeinde gute Erfahrungen mit einem Umbau des Schulgebäudes zur Kita gemacht, schilderte Viétor den Mitgliedern des Schul- und Bildungsausschusses.
Dann schickte sich der parteilose Friedhelm Nehuis, der ebenfalls der Mehrheitsgruppe Ampel+ angehört, an, Alfons Platts Ansinnen mit Gedankenspielen um Grundschulstandorte und Neubauten zu befeuern. Er beantragte, das Burlager Kita-Thema zu vertagen. Bürgermeister Geert Müller (parteilos) reagierte darauf ungehalten. „Ich bin sehr erstaunt über diese Diskussion hier. Ich habe nur eine einzige Bitte: Entscheidet und vertagt nicht. Macht das, wozu ihr gewählt worden seid: Entscheidet und eiert nicht rum.“ Auch Hauptamtsleiter Viétor empörte sich: „Diese Scheindiskussion, die hier um den Erhalt einer seit Jahren leerstehenden Grundschule geführt wird, obwohl die Schülerzahlen das überhaupt nicht hergeben, ist nicht in Ordnung.“
Zwei Schlappen bei Abstimmungen
Hintergrund für die scharfe Reaktion: Die Mehrheitsgruppe Ampel+ hatte sich jüngst im Rathaus exakt vorrechnen lassen, in welchen Gemeindebereichen bis zum Schuljahr 2027/28 wie viele Kinder voraussichtlich eingeschult werden. Dabei war ihr erklärt worden, dass die erforderliche Mindest-Schülerzahl für die Neugründung einer Grundschule in Burlage nicht annähernd ausreichend sein würde. Und dass es, selbst wenn die Zahlen anders wären, für die Gemeinde zunächst verpflichtend sei, die unterschiedlichen Schulbezirke so hin und her zu verschieben, dass die Kinder den vorhandenen fünf Grundschulstandorten zugeordnet werden können.
Am Ende scheiterte Nehuis in der Sitzung am Mittwoch mit seinem Vertagungsantrag. Selbst in seiner eigenen Mehrheitsgruppe stimmten nicht alle dafür. Die zweite Schlappe kassierten Nehuis und Platt, als sie auch das Mehrheitsvotum für den Verwaltungsvorschlag nicht verhindern konnten. Fünf Ausschussmitglieder befürworteten jenen Antrag, drei waren dagegen, ein Ratsmitglied enthielt sich.