Konstanz

„Lockdown für Tumorzellen“: Neuer Wirkstoff soll Metastasen verhindern

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 23.04.2022 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der zelluläre Lockdown soll verhindern, dass Tumorzellen in gesundes Gewebe eindringen. Foto: imago images/Shotshop
Der zelluläre Lockdown soll verhindern, dass Tumorzellen in gesundes Gewebe eindringen. Foto: imago images/Shotshop
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Krebspatienten haben häufig die Sorge, dass die Krankheit erneut ausbrechen könnte. Manche Tumore werden auch erst entdeckt, wenn sie bereits im Körper gestreut haben. Forscher haben nun offenbar einen neuartigen Wirkstoff entdeckt, der Krebszellen verklebt und Metastasen unterdrücken könnte.

Die Horror-Diagnose Krebs trifft in Deutschland jährlich etwa eine halbe Million Menschen. Noch mehr Betroffene leben mit der Krankheit. Im Jahr 2018 wurden etwa 1,6 Millionen Krebspatienten gezählt, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre erkrankt waren. Sie teilen die Sorge, dass die Krankheit erneut ausbrechen könnte, einige Tumore werden auch erst entdeckt, wenn der Krebs bereits gestreut hat.

Ein Forscherteam der Universität Konstanz hat nun einen neuartigen Hemmstoff (Inhibitor) aufgetan, der Krebszellen unbeweglich machen soll. Die Wissenschaftler sprechen von einem „Lockdown für Tumorzellen“.

Der zelluläre Lockdown soll verhindern, dass Tumorzellen in gesundes Gewebe eindringen. So könnte die Bildung von Metastasen unterdrückt werden. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher in der Fachpublikation „Cell Chemical Biology“.

Der neu entdeckte Hemmstoff schaltet in Tumorzellen ein bestimmtes Enzym aus, dadurch werden die Zellen unbeweglich. So wird verhindert, dass sie sich weiter fortbewegen und gesundes Gewebe befallen können. Nach Angaben der Forscher verharren die Tumorzellen an Ort und Stelle. Ein Streuen des Krebses könnte somit unterbunden werden.

Der Lockdown sorgte auch dafür, dass eine sehr invasive Form von Hirntumorzellen, Gewebebarrieren überwinden und in gesundes Gewebe eindringen konnte. Der Prozess wird als Tumorzellinvasion bezeichnet, wenn Metastasen an entfernteren Stellen im Körper auftreten. Die Substanz könnte deshalb als Substanz für die Entwicklung von Wirkstoffen dienen, um die Metastasierung zu blockieren.

Die Forscher hoffen, dass es durch ihre Arbeit gelingt, weitere Ziele für künftige Metastasen-Blocker zu finden. „Es mag noch ein ferner Traum sein, aber die Möglichkeit, die Metastasierung von Tumoren zu stoppen, wäre ein wesentlicher Fortschritt“, sagte Tanja Grimm, die an der Studie beteiligt war.

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