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Emaf-Debatte: Sollten Wälder wie menschliche Wesen behandelt werden?

Daniel Batel
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Von Daniel Batel
| 23.04.2022 17:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Im Emaf-Onlinetalk spricht Moderatorin Rosario Talevi mit internationalen Künstlern und Naturforschern über die Frage, ob Wäldern Persönlichkeitsrechte eingeräumt werden können. Im Bild v.l.: Ursula Biemann, Rosario Talevi, Abhijan Toto, Caetano Carvalho und Pujita Guha. Foto: Screenshot: Daniel Batel
Im Emaf-Onlinetalk spricht Moderatorin Rosario Talevi mit internationalen Künstlern und Naturforschern über die Frage, ob Wäldern Persönlichkeitsrechte eingeräumt werden können. Im Bild v.l.: Ursula Biemann, Rosario Talevi, Abhijan Toto, Caetano Carvalho und Pujita Guha. Foto: Screenshot: Daniel Batel
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Wie sollte die Menschheit mit ihren Wäldern umgehen? Beim Emaf Osnabrück diskutieren Wissenschaftler in einem Online-Talk über das Menschsein des Waldes.

Ein wesentlicher Bestandteil des European Media Art Festivals (Emaf) sind die Diskussionsrunden, genannt „Talks“. Sie unterfüttern das Festival gewissermaßen wissenschaftlich, und aus den Erfahrungen der beiden Corona-Ausgaben sind daraus drei Online-Formate gewordn, die auf der Emaf Webseite bereitstehen. In einem der Talks diskutieren internationale Künstler und Naturforscher über die Rechte von Wäldern.

Die Schweizer Videokünstlerin Ursula Biemann begab sich 2014 ins ecuadorianische Amazonasgebiet. Dort dokumentierte sie die Folgen der Öl- und Bergbauindustrie. Sie zeigte Eindrücke indigener Bewohner, die erfolgreich gegen eine geplante Ölförderung geklagt hatten. 2019 lenkte Ecuadors Regierung ein und kündigte an, keine weiteren Bohrungen mehr zu erlauben.

Vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte gab es 2020 ein weiteres wegweisendes Urteil, das erstmals ein autonomes Recht indigener Völker auf eine gesunde Umwelt, Gemeinschaftseigentum und kulturelle Identität habe. Im Urteil hieß es, Argentinien habe dieses Recht verletzt und müsse für die Wiederherstellung von Waldressourcen sorgen.

Aus Biemanns Sicht müssten Wälder und natürliche Lebensräume wie Menschen und ihre persönlichen Rechte behandelt werden. In ihrem Folgeprojekt „Forest Mind“ fing sie sowohl wissenschaftliche Perspektiven auf den Regenwald als auch die eines indigenen Schamanen ein. Denn viele Ureinwohner betrachten unsichtbare Kräfte als wichtige Elemente der Natur, die alles im Einklang miteinander halten – manch einen dürfte das an die Naturbeziehung eines außerirdischen Volkes aus dem „Avatar“-Film erinnern. Biemann spricht sich in dem Talk zwar für eine Anerkennung menschlicher Rechte für Wälder aus, zweifelt aber an deren Umsetzbarkeit.

Neben Biemann diskutieren in dem Talk auch die beiden indischen Wissenschaftler Pujita Guha und Abhijan Toto über das „Menschsein“ des Waldes - womit der Talk die Brücke zum Festivalmotto „The Thing Is“ schlägt: Die Sache ist die, dass der Wald gewissermaßen vom Objekt zum Subjekt wird. Der brasilianische Künstler Caetano Carvalho drückt das so aus: Wenn er in den Wald gehe, behandle er „einfach alles um mich herum so, als wären es Menschen.“

Dass der Talk internationale Experten zusammenbringe, sei vor allem dem Onlineformat zu verdanken, meint Emaf-Kuratorin Daphne Dragona. Obwohl sich die Festival-Leitung sich kürzlich gegen eine stärkere Online-Ausrichtung aussprach, hätte diese Vorteile, findet Dragona. Unter anderem werde durch sie auch der ökologische Fußabdruck des Emaf reduziert.

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