Hamburg
Containerschiff-Stau vor Shanghai: Zero-Covid-Strategie treibt Inflation
Corona, die Havarie der Evergiven im Suez-Kanal und nun der Krieg in der Ukraine: Seit nunmehr zwei Jahren wird immer klarer, wie abhängig wir von der Globalisierung und gesicherten Transportwegen sind. Die Inflation könnte weiter steigen.
Die Grafik auf Schiffs-Trackern wie Marinetraffic ist eindrucksvoll: Kaum noch einen blauen oder grauen Flecken, also Wasser, sieht man vor dem Hafen von Shanghai, so sehr stauen sich dort die Schiffe. Das Ganze sieht aus wie ein Wimmelbild. Nun ist das zwar auch immer eine Frage der Zoomstufe, die Tendenz aber dürfte klar sein: Nichts geht mehr im größten Hafen der Welt.
Aufgrund von Chinas strikter Zero-Covid-Strategie verharren die rund 26 Millionen Einwohner unter teils schlimmen Bedingungen in der Ausgangssperre. Und der Rest der Welt: Wartet. Auf die Waren, die eigentlich im Hafen umgeschlagen werden sollten, nun aber auf den Containerschiffen in der Bucht von Hangzhou festsitzen.
Nicht annähernd so arg ist es vor Helgoland, doch auch hier warten derzeit zahlreiche Containerschiffe darauf, im Hamburger Hafen abgefertigt zu werden. Hier ist der Platz das Problem, denn die Pandemie und immer wieder geschlossene Häfen in China stellen die Container-Logistik auf eine harte Probe.
Corona, die Havarie der Evergiven im Suez-Kanal und nun der Krieg in der Ukraine: Seit nunmehr zwei Jahren wird uns deutlich vor Augen geführt, wie abhängig wir von der Globalisierung und gesicherten Transportwegen sind. Die Lieferketten sind löchrig geworden, der Welthandel aus dem Takt geraten. Oder, wie es die Präsidentin des Verbands Deutscher Reeder, Gaby Bornheim, vor wenigen Wochen im Interview mit unserer Zeitung sagte: „Es ist Sand im Getriebe.“
Wie lange dieser Zustand noch anhält, ist derzeit völlig ungewiss. Die weitere Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab, von denen Corona auch immer noch ein bedeutender ist – auch wenn man hierzulande gerade den Eindruck hat, die Pandemie sei vorbei. Fest steht nur: Es wird teuer. Teurer, als wir uns das jetzt vielleicht vorstellen können. Der Stau vor Shanghai trifft uns in einer Zeit hoher Inflation – und diese dürfte durch den Stillstand in China noch weiter zunehmen.