Osnabrück

Ende mit Preisverleihung: Emaf zurück in alter Form

Tom Bullmann
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Von Tom Bullmann
| 24.04.2022 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Nach zwei Jahren der coronabedingten Reduktion fand das Emaf zur alten Form zurück. Die Festivalleitung zog nach der Preisverleihung am Sonntag eine positive Bilanz für die 35. Ausgabe der Veranstaltung.

Die Sonne scheint. Der Biergarten vor der Lagerhalle ist voll besetzt mit Emaf-Gästen, die angeregt diskutieren. Über Filme. Über Installationen. Über Performances. „Es war so, als hätten sowohl die Künstler als auch das Publikum geradezu darauf hingefiebert, Medienkunst endlich wieder gemeinsam mit anderen erleben zu können“, erklärte Festivalleiterin Katrin Mundt zur Resonanz auf das diesjährige Emaf.

Mit anderen im Kinosaal zu sitzen und sich hinterher über das Gesehene auszutauschen, aber auch, die Resonanz der Zuschauer auf das Gezeigte wahrnehmen zu können, das sei es, was die Gäste des Festivals offenbar sehnlichst vermisst haben.

„Viele müssen sich aber wohl erst wieder daran gewöhnen, rauszugehen und eine öffentliche Veranstaltung zu besuchen“, sagte Festivalleiter Alfred Rotert. So ließe sich erklären, dass die Besucherzahlen sich zwar denen von vor der Pandemie annäherten. „Aber da war noch Luft nach oben“, meinte er. Auffällig sei gewesen, dass sich viel Fachpublikum angemeldet hätte. „Wir sind eines der ersten Medienkunst- und Filmfestivals, die nach den Lockdowns überhaupt wieder stattgefunden haben. Da haben es sich viele Kollegen nicht nehmen lassen, präsent zu sein. Und es gab viele Medienstudierende, die hier an ihrer allerersten Exkursion teilgenommen haben, weil sie in den zwei Jahren davor keine Gelegenheit hatten“, so Rotert, der das Emaf vor 35 Jahren mitbegründet hatte.

Für Katrin Mundt fühlt sich das aktuelle Festival eher wie eine Klammer an: Für die 2019er-Ausgabe war sie ins Team der Festivalleitung eingestiegen, dann kamen zwei Jahre, in denen sie nur Hybridveranstaltungen durchführen konnte, jetzt kehrte das Festival zur alten Form zurück - fast. „Es gab immer wieder coronabedingte Ausfälle im Organisationsteam, die schwer zu ersetzen waren und ungeahnte Kosten verursachten. Auch mussten viele Gäste und einige Künstler kurzfristig ihre Teilnahme absagen, weil sie positiv getestet worden waren“, berichtet Katrin Mundt.

So konnte die griechische Künstlerin Valentina Karga nicht wie geplant nach Osnabrück kommen. Wegen ihrer häuslichen Quarantäne ließ sie sich per Videoübertragung in den Innenhof der Kunsthalle beamen, wo ihre Performance „The Table That Eats Itself“ stattfand. Derweil hatte die Festivalleitung Teile des Kongresses „Talks“ gleich von Anfang an als Online-Version geplant – quasi als Ergebnis aus den Erfahrungen, die man mit den virtuellen Emaf-Ausgaben gemacht hatte. 

Traditionell endete das Festival mit einer Preisverleihung, denn auch in diesem Jahr wurden drei Awards verliehen. Den mit 2000 Euro dotierten Medienkunstpreis des Verbandes der deutschen Filmkritik VDFK vergab die Jury an den US-Filmemacher Carl Elsaesser, der mit dem 30-Minüter „Home When You Return“ überzeugte. Es handele sich um eine „berührende, überindividuelle Erzählung über Verlust, Trauer, weibliche Rollenbilder und die Schattenwelt der häuslichen Sphäre“, so die Juroren. Sie hoben darüber hinaus die italienische Arbeit „L´incanto / Enchantment“ von Chiara Caterina mit einer „lobenden Erwähnung“ hervor.

Der Emaf-Award für eine richtungsweisende Arbeit in der Medienkunst ging an die Britin Jamie Crewe für ihren Kurzfilm „False Wife“. Crewe erhält ein Preisgeld in Höhe von 3000 Euro. „Es handelt sich um eine Arbeit, die Schichten von manipulierten Bildern, Tönen und Text auf erfinderische Weise kombiniert und sie mit halsbrecherischer Geschwindigkeit direkt auf die Zuschauer einwirken lässt“, begründete die Jury ihre Auswahl.

Der Dialog Preis zur Förderung des interkulturellen Austausches, dotiert mit 2000 Euro, ging schließlich an den in Spanien geborenen Carlos Irijalba für die niederländische Produktion „Half Wet“. Das Urteil der Jury: „Wir prämieren die subtile Weise, mit der das Werk auf eine Diskrepanz zwischen der Kurzsichtigkeit des individualisierten Umweltschutzes und den postkolonialen Realitäten derjenigen hinweist, die bereits in einem klassenbasierten Klimanotstand leben.“

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