Aurich

Hilfe für Geflüchtete: Mehr als nur das Nötigste

Von Franziska Otto
 | 26.04.2022 18:27 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Mädchen, das mit Familienmitgliedern aus der Ukraine geflüchtet ist, wartet am Morgen am Grenzübergang Medyka, kurz hinter der ukrainischen Grenze, auf polnischer Seite, in einem Bus auf die Weiterfahrt. Foto: DPA
Ein Mädchen, das mit Familienmitgliedern aus der Ukraine geflüchtet ist, wartet am Morgen am Grenzübergang Medyka, kurz hinter der ukrainischen Grenze, auf polnischer Seite, in einem Bus auf die Weiterfahrt. Foto: DPA
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Der Caritasverband Ostfriesland hilft Geflüchteten beim Ankommen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind die Herausforderungen für die Helfer deutlich gestiegen.

Aurich - Geflüchtete aus der Ukraine können oft nur das Nötigste auf ihre Reise nach Deutschland mitnehmen, hier sind sie auf Hilfe angewiesen. Unterkunft bekommen sie vom Landkreis Aurich und privaten Helfern, Vereine und Ehrenamtliche unterstützen die Menschen beim Ankommen. Zu ihnen gehört auch der Caritasverband Ostfriesland. Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind die Herausforderungen für die Helfer allerdings gewachsen.

Stefanie Holle ist die Geschäftsführerin des Caritasverbands Ostfriesland. Foto: Franziska Otto
Stefanie Holle ist die Geschäftsführerin des Caritasverbands Ostfriesland. Foto: Franziska Otto

Schon vor dem Krieg hatten die Mitarbeiter der Caritas alle Hände voll zu tun. An ihren Standorten in Emden, Aurich, Leer und Wittmund bieten sie Beratung zu verschiedensten Lebenslagen. Die Gebiete reichen von Migration, Mutter/Vater-Kind-Kuren, Pflege bis hin zu Behördengängen. Das Angebot ist für jeden, unabhängig von Religion. Der Verband hilft bei jeder Lebenslage, sagt die Geschäftsführerin, Stefanie Holle. Dabei stehe Individualität im Vordergrund, es gebe keine Musterlösungen. „Wir gucken gemeinsam, wie geht es raus.“

Immer mehr Kunden bei der Tafel

Abgesehen von der Beratung betreibt die Caritas noch Soziale Kaufhäuser in Aurich, Emden und Leer sowie die Tafel in Emden. Hier können Bedürftige Kleidung beziehungsweise Lebensmittel günstig einkaufen. Gerade erst in Ostfriesland angekommene Geflüchtete erhalten unter anderem Gutscheine für die Sozialen Kaufhäuser, wenn sie zu wenig Geld bei sich haben, sagt Stefanie Holle. Sie sollen nicht allein von Spenden abhängig sein, sondern das Gefühl haben, sich etwas aussuchen zu können. Für viele sei das Annehmen von Hilfe schambehaftet. „Ein würdevolles Angebot ist uns sehr wichtig“, sagt Stefanie Holle.

Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine kommen immer mehr Kunden zur Tafel und zu den Kaufhäusern. Eine Folge der gestiegenen Preise bei Lebensmitteln, Strom und Gas, sagt Stefanie Holle. Hinzu kommen die Geflüchteten. Bei allen Standorten der Caritas sei die Zahl der Anfragen deutlich gestiegen. Für die Emder Tafel habe man bereits Lebensmittel zukaufen müssen, damit es für alle Kunden reiche.

Ein Schild in den Farben der Ukraine mit der Aufschrift „Informationen und Hilfe hier“ ist am Hauptbahnhof Berlin zu sehen. Im Hintergrund werden Flüchtlinge aus der Ukraine nach ihrer Ankunft von Mitarbeitern der Caritas und freiwilligen Helfern empfangen. Foto: DPA
Ein Schild in den Farben der Ukraine mit der Aufschrift „Informationen und Hilfe hier“ ist am Hauptbahnhof Berlin zu sehen. Im Hintergrund werden Flüchtlinge aus der Ukraine nach ihrer Ankunft von Mitarbeitern der Caritas und freiwilligen Helfern empfangen. Foto: DPA

Ohne Spenden geht es nicht

Die Caritas finanziert sich durch Fördergelder von Bund und Land, einem Teil der Kirchensteuer und Konzessionsabgaben, den Einnahmen in den Sozialen Kaufhäusern und durch Spenden. Um die wachsenden Herausforderungen durch den Krieg in der Ukraine zu meistern, braucht der Verband vor allem Spenden. Deswegen unterstützt die gemeinnützige GmbH „Ein Herz für Ostfriesland“ der Zeitungsgruppe Ostfriesland, zu der auch die Ostfriesischen Nachrichten, die Ostfriesen-Zeitung und der General-Anzeiger gehören, den Verband mit 30.000 Euro, gespendet von den Leserinnen und Lesern.

Das Hilfswerk der ZGO

Das Hilfswerk „Ein Herz für Ostfriesland“ der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) wurde Ende 2020 gegründet. Es ist eine gemeinnützige GmbH. Alle gespendeten Gelder kommen dem Verwendungszweck zu 100 Prozent zugute.

Geschäftsführer Uwe Boden und die Mitglieder des Beirats arbeiten ehrenamtlich. Zum Beirat gehören Joachim Braun (Chefredakteur Ostfriesen-Zeitung und General-Anzeiger), Kerstin Gersema (Leiterin ZGO-Buchhaltung), Nina Harms (leitende Redakteurin OZ Emden), Udo Hippen (Verlagsleiter ON), Marion Janssen (Redakteurin GA), Günter Radtke (Redaktionsleiter GA), Mareike Rohde (Assistenz der Geschäftsführung) und Stephan Schmidt (Chefredakteur Ostfriesische Nachrichten).

Spenden für die Hilfsaktion für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind möglich unter folgender Kontoverbindung: Raiffeisen-Volksbank eG, Aurich, IBAN DE 94 2856 2297 0414 5372 02. Weitere Informationen gibt es zudem unter einherzfuerostfriesland.de im Internet.

Ohne die Spende könnte die Caritas womöglich ihre Arbeit nicht fortführen. Die Geschäftsführerin geht davon aus, dass die Folgen des Krieges in der Ukraine noch monatelang ihre Wirkung zeigen. Lebensmittel in der Emder Tafel würden ohne die Spenden nicht für alle reichen, sagt Stefanie Holle. Außerdem werden Geflüchtete aus der Ukraine und anderen Krisengebieten durch die Caritas beim Ankommen unterstützt. Nicht alle sprechen Deutsch oder Englisch. Deswegen arbeiten Dolmetscher ehrenamtlich für die Caritas. Das sei jedoch kein Dauerzustand, sagt Stefanie Holle. Schließlich hätten sie auch Kosten, zum Beispiel für die Fahrten. Außerdem fehlt es den Geflüchteten an verschiedenen Dingen wie Schulmaterial für die Kinder. Rucksack, Stifte und Schulbücher – nicht alle können sich das leisten. Zwar bekommen die Geflüchteten Geld vom Landkreis, um ihre Kosten zu decken. Bis jedoch die Auszahlung erfolge, könnten schon einmal zwei Wochen vergehen, sagt Stefanie Holle. Oft brauchten die Menschen aber sofort Geld – zum Beispiel zum Kaufen von Medikamenten.

Eine Mutter umarmt ihre Tochter, während sie auf einen Bus warten, um aus der Stadt Slowjansk im Bezirk Donezk nach Riwne im Nordwesten der Ukraine zu fliehen. Foto: DPA
Eine Mutter umarmt ihre Tochter, während sie auf einen Bus warten, um aus der Stadt Slowjansk im Bezirk Donezk nach Riwne im Nordwesten der Ukraine zu fliehen. Foto: DPA

„Die Spendenbereitschaft ist überwältigend“, sagt Stefanie Holle. Selten sei die Solidarität und Hilfsbereitschaft so groß gewesen. Gerade bei Geflüchteten werde eine finanzielle Unterstützung oft hinterfragt. Wenn sie ihre Arbeit vorstelle, werde häufig darauf hingewiesen, dass die Geflüchteten ja zum Beispiel ein teures Smartphone bei sich tragen, also anscheinend über ausreichend Geld verfügen. Ein Einwand, den die Geschäftsführerin der Caritas nicht recht nachvollziehen kann. „Eine Flucht ohne Handy geht nicht“, sagt sie. Man informiere sich über Fluchtrouten, wo könne man noch halbwegs sicher entkommen. Außerdem sei das Smartphone die einzige Möglichkeit, um mit Freunden und Familie Kontakt zu halten, die eventuell noch im Heimatland sind. Stefanie Holle will über die Situation der Menschen aufklären und wirbt für Empathie. „Nach dem Personalausweis wäre das Handy das erste, was ich einpacken würde.“