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In Delfzijl wird „grüne Chemie“ vorangetrieben

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 26.04.2022 15:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die neue FDCA-Fabrik soll auf der markierten Stelle im Chemiepark in Delfzijl entstehen. Foto: Groningen Seaports
Die neue FDCA-Fabrik soll auf der markierten Stelle im Chemiepark in Delfzijl entstehen. Foto: Groningen Seaports
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Plastikflaschen, die aus Weizen und Mais gefertigt werden? In Delfzijl soll das bald Realität werden. Ein Amsterdamer Unternehmen plant eine Fabrik, wie es sie weltweit bisher noch nicht gibt.

Delfzijl/Amsterdam - Im Chemiepark in Delfzijl wird weiter auf Nachhaltigkeit gesetzt: Avantium hat dort kürzlich den ersten Pfahl für eine neue Fabrik gesetzt, in der ab Ende kommenden Jahres Furandicarbonsäure (FDCA) produziert werden soll, wie das Unternehmen aus Amsterdam mitteilte. Nach Angaben von Avantium handelt es sich hierbei um die erste kommerzielle FDCA-Fabrik der Welt. Auf der niederländischen Seite der Emsmündung, direkt an Ostfriesland angrenzend, sollen jährlich etwa 5000 Tonnen FDCA hergestellt werden. Die Säure wiederum sei der wichtigste Baustein für die Herstellung des recycelbaren Kunststoffs Polyethylenfuranoat (PEF).

„Ich bin davon überzeugt, dass PEF das Potenzial hat, ein wichtiges Polymer zu werden, das weltweit in vielen Anwendungen und Märkten benötigt wird und uns auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft hilft“, wird Avantium-Chef Tom van Aken in der Mitteilung zitiert. Entsprechend stolz sei das Unternehmen auf den jetzt entstehenden Standort in Delfzijl, den Avantium selbst als eine „Flaggschiff-Fabrik“ bezeichnet.

Die Region soll ein Vorreiter beim Verzicht auf fossile Brennstoffe sein

Die Amsterdamer wollen in ihren Produktionsstandort rund 200 Millionen Euro investieren, wie das „Dagblad van het Noorden“ berichtete. Dass die Finanzierung gesichert sei, hatte Avantium bereits Anfang April mitgeteilt. Demnach gibt auch ein Konsortium, an dem unter anderem der Hafenbetreiber Groningen Seaports beteiligt ist, 20 Millionen Euro für das Projekt. Vor Ort sollen laut Avantium etwa 50 Arbeitsplätze entstehen.

Die Beschäftigten werden dafür verantwortlich sein, aus zu 100 Prozent aus Pflanzen gewonnenen Rohstoffen die FDCA für den recycelbaren Kunststoff herzustellen. Laut „Dagblad van het Noorden“ will Avantium hierfür Weizen und Mais verwenden. Aus dem PEF-Plastik könnten dann etwa Verpackungen oder Flaschen gefertigt werden.

Die neue FDCA-Fabrik entsteht in Delfzijl in direkter Nachbarschaft zu weiteren Avantium-Betrieben. Das Amsterdamer Unternehmen habe mit seinem Engagement auch andere Firmen in den Chemiepark an der Ems gelockt, berichtete das „Dagblad van het Noorden“. IJzebrand Rijzebol, der Vertreter der Provinz Groningen für den Bereich Wirtschaft, sagte der Zeitung: „Dies ist der Weg in eine Zukunft mit einer grünen Chemie frei von fossilen Brennstoffen.“ Die Region Noord-Nederland, zu der außer der Provinz Groningen auch Drenthe und Friesland gehören, sei ein hervorragender Standort für die „grüne Chemie“, heißt es auch von Avantium. Das Ziel sei es, bis zum Jahr 2050 eine komplett nachhaltige chemische Industrie zu haben. Die FDCA-Fabrik sei hierbei ein wichtiger Schritt, damit die Abkehr von fossilen Brennstoffen in den Niederlanden gelingen könne.

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