Konflikt

Nabu droht mit Klage gegen Solarparks

| | 26.04.2022 17:58 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das selten gewordene Rebhuhn ist in der Blitz-Niederung bei Simonswolde heimisch. Foto: Schuldt/dpa
Das selten gewordene Rebhuhn ist in der Blitz-Niederung bei Simonswolde heimisch. Foto: Schuldt/dpa
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Ein neues Gewerbegebiet und Solarparks direkt an der Autobahn: Über diesen Plan der Gemeinde Ihlow sind Naturschützer entsetzt, weil Wiesenvögel bedroht würden. Der Nabu will gerichtlich dagegen vorgehen.

Ihlow - Die Gemeinde Ihlow plant ein neues Gewerbegebiet und Solarparks nahe der Autobahn 31 in Simonswolde. Der Naturschutzbund (Nabu) hält das für einen schweren Fehler und kündigt Widerstand an. Die Blitz-Niederung bei Simonswolde sei trotz der Zerschneidung durch die Autobahn ein für Wiesenvögel und zahlreiche weitere bedrohte Vogelarten „höchst bedeutsamer Raum“, schreibt Jan Schürings von der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Ostfriesland in einer Pressemitteilung.

„Die Gemeinde Ihlow sollte das Vorhaben überdenken und nach alternativen Standorten suchen“, wird Elke Dirks, Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes, in der Mitteilung zitiert. Klima- und Artenschutz müssten in Einklang gebracht werden. Der Nabu sei bereit, „sich für die Entwicklung alternativer, verträglicher Gewerbegebietsstandorte konstruktiv einzusetzen“. An dem vorgesehenen Standort in Simonswolde müsse die Gemeinde jedoch „mit entschiedenem Widerstand rechnen“, erklärt Dirks. Sie schließt eine Klage nicht aus.

„Überaus wichtiges Brutgebiet“

Die Blitz-Niederung ist nach Angaben des Nabu ein mehrere Tausend Hektar großes Niederungsgebiet beiderseits des in das Fehntjer Tief mündenden Flüsschens Blitz. Die Feuchtwiesen auf Hoch- und Niedermoorböden seien ein „überaus wichtiges Brutgebiet für Wiesenvögel, die nahezu letzten Rebhuhnbestände Ostfrieslands und seltene Entenarten“. Vom Aussterben bedrohte oder stark gefährdete Vogelarten seien dort heimisch.

Der 2. Nabu-Regionalverbandsvorsitzende Hermann Ihnen ist nach eigenen Angaben bestürzt darüber, „dass die Gemeinde Ihlow im Begriff ist, Planungen mit substanziell schädigender Wirkung für dieses höchst bedeutende Gebiet auf den Weg zu bringen“. Es gebe auch nur wenige Gebiete, die über so ungünstige Bodenverhältnisse für ein Gewerbegebiet verfügten. Die deswegen äußerst aufwendige Gründung sowie eine sehr umfangreiche Kompensationsverpflichtung würden die Kosten ohnehin drastisch in die Höhe treiben. „Wenn die Gewerbeflächen dann auch noch für Solarparks in der freien Landschaft verramscht würden, wäre das ein Frevel sondergleichen.“

Boden muss ausgetauscht werden

Die Idee eines Gewerbegebietes in Simonswolde ist nicht neu. Vor Jahren hatte die Gemeinde Ihlow sie wegen der schwierigen Bodenverhältnisse auf Eis gelegt. Die Erschließung wäre zu teuer, hieß es damals. Der sulfatsaure Boden muss zum Teil ausgetauscht werden. Doch mittlerweile nimmt die Planung konkrete Formen an. Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos) hofft, dass im Herbst der Bebauungsplan aufgestellt werden kann.

Das Gewerbegebiet Simonswolde soll direkt an der Autobahn liegen.
Das Gewerbegebiet Simonswolde soll direkt an der Autobahn liegen.

Ihlow brauche dringend neue Gewerbeflächen, sagte der Verwaltungschef am Dienstag im Gespräch mit der Redaktion. Das Gewerbegebiet Riepe sei am Limit. Auch für Solarparks müsse Platz geschaffen werden. „Alle rufen nach dem Ausbau der erneuerbaren Energien“, sagte Ulrichs. „Dann müssen wir irgendwann auch sagen, wo die Anlagen hin sollen.“ Im März hatten sich drei potenzielle Betreiber von Solarparks dem zuständigen Fachausschuss des Gemeinderates vorgestellt.

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Die Einwände des Nabu sind Ulrichs bekannt. „Wir werden uns damit auseinandersetzen“, sagte er. Die Naturschützer sind auf Antrag der Grünen-Fraktion im Gemeinderat zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt und Tourismus eingeladen worden. Am kommenden Dienstag (Beginn um 19 Uhr im Bürgerhaus am Ihler Meer) wird der Nabu seine Bedenken vortragen. Ulrichs betrachtet die Einwände jedoch „nicht als K.o-Kriterium“. Schließlich solle nur ein Teil der Blitz-Niederung genutzt werden. „Vom Grundsatz her sehe ich da keine unüberwindbaren Hindernisse.“ Konflikte mit dem Natur- und Umweltschutz gebe es bei jedem neuen Bau- oder Gewerbegebiet, sagte der Bürgermeister. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden.“