Hamburg

Was würdest Du mit einer Million Euro machen, Eko Fresh?

Laura-Cäcilia Wolfert
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Von Laura-Cäcilia Wolfert
| 27.04.2022 06:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Live Auftritt von Eko Fresh als Rapper, jetzt spielt er die Rolle des Firats in der Serie „Die Glücksspieler“. Imago Images / Marc John Foto: Imago Images / Marc John
Live Auftritt von Eko Fresh als Rapper, jetzt spielt er die Rolle des Firats in der Serie „Die Glücksspieler“. Imago Images / Marc John Foto: Imago Images / Marc John
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Von der Straße in das Erste Deutsche Fernsehen: Rapper Eko Fresh spielt in der ARD-Serie „Die Glücksspieler“ die Rolle des Migranten Firat. Darin bekommt er eine Million Euro geschenkt. Ob das sein persönlicher „German Dream“ ist, erzählt er im Interview.

In diesem Artikel erfährst Du:

Happy End und dann? Die sechsteilige Familienserie „Die Glücksspieler“ fängt da an, wo Liebesfilme üblicherweise aufhören. Firat, Jasper und Ines – gespielt von Eko Fresh, Manuel Rubey und Katharina Schüttler – bekommen von einem großzügigen Herrn (Branko Samarovski) ein ungewöhnliches Angebot: Eine Million Euro und ein Jahr Zeit, um glücklich zu werden – egal, wie es läuft. Die Bedingungen: Ihre Partner (Karolina Lodyga, Lena Dörrie und Sergej Moya) plus Kinder dürfen nichts davon wissen und alle drei müssen gemeinsam bis zum Schluss durchhalten.

Woche für Woche berichten sie dem großzügigen Initiator über ihre Fortschritte mit dem Glück. Eko Fresh – mit bürgerlichem Namen Ekrem Boro – spielt dabei die Rolle des Firats, ein lebenslustiger Kleinunternehmer. Der 38-Jährige erzählt im #neo-Interview, was Glück für ihn persönlich bedeutet und warum die Rolle des Firats im Deutschen Fernsehen so wichtig ist.

Frage: Im Rap soll man real bleiben, wie man selbst. Nun machst Du genau das Gegenteil, Du schlüpfst in andere Rollen. 

Antwort: Eko Fresh: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Die Leute kennen mich wahrscheinlich eher durch Rap, weil ich das schon zwanzig Jahre mache. Ich schreibe immer noch meine Texte, wenn ich denke, das muss gesagt werden. Und wenn Songs viral gehen, bin ich nach wie vor sehr stolz darauf. Nichtdestotrotz macht es Spaß, mal in andere Welten zu tauchen. Bei mir ist das die Schauspielerei. Das sind neue Herausforderungen, neue Erfahrungen. Das Rap-Game habe ich durchgespielt. 

Hier hörst Du einer der bekanntesten Songs von Eko Fresh:

Frage: Von der Straße ins Deutsche Fernsehen, ist das eine Art Steigerung – der „German Dream“?

Antwort: Irgendwo sollte mich das ja auch hinführen. Deswegen: Klar. Ich habe seit geraumer Zeit abseits des Raps auch andere Standbeine. Die machen mir Spaß und ich glaube, dass ich das gut kann. Ich weiß: Die Leute wollen Menschen immer in eine Schublade verordnen – Eko Fresh, der ist Rapper. Das kennen die so und wollen das nicht ändern. Aber Komödien beispielsweise liegen mir auch. Es gibt auch Ansätze davon in meiner Musik, ich habe sehr viele selbstironische Texte veröffentlicht. Die Arbeit daran macht mir Spaß.

Frage: In „Der Glücksspieler“ bekommst Du eine Million Euro, wenn Du ein Jahr lang versuchst, glücklich zu werden. Was würdest Du, als Ekrem Bora, machen, damit das gelingt?

Antwort: Ich selbst als Person? Ich würde erst einmal viel spenden, gerade wegen der derzeitigen Situation. Danach würde ich eine Weltreise machen mit meiner Familie. Der Kleine ist noch nicht in der Schule, solange geht das noch – danach erst wieder in den Ferien. 

Hier siehst Du den Trailer zur Serie:

Frage: Gemeint ist nicht, was Du mit dem Geld anstellst – sondern wie Du (noch) glücklicher wirst. 

Antwort: Achso. Hm. Ein bisschen weniger arbeiten, noch mehr auf mich und andere achten. Vielleicht so Dinge, bei denen ich an Lebensqualität gewinne. 

Frage: Weniger arbeiten? Aber das macht Dir doch Freude?

Antwort: Das ist richtig. Meine Arbeit fühlt sich nicht wie Arbeit an. Ich bin damit aber sehr beschäftigt, vielleicht mehr als wenn ich irgendwo angestellt wäre. 

Frage: In der ersten Folge der Serie wird die Frage gestellt, was man auf den Wunschzettel für den Weihnachtsmann schreiben würde. Was steht bei Dir?

Antwort: (Lacht.) Ich bin ja auch ein großer Kind. Ich spiele viel, mittlerweile schon mit meinem Sohn zusammen. Wir zocken manchmal, ich mag aber mehr so Retro-Konsolen – alles, was diesen Nineties-Flavor hat. Ich habe unten meinen eigenen Aufenthaltsraum. Den statte ich mit Sachen aus, die nur mir selber Spaß machen. 

Frage: Der reiche Mann sagt in der Serie: Er habe in den vergangenen Jahren nur Zeit damit verbracht, Geld anzuhäufen und ist damit gar nicht glücklich. Das klingt sehr privilegiert, oder? 

Antwort: Moment, ich muss kurz meine Katze rauslassen. Der nervt hier. Wenn ich dem nicht die Türe öffne, dann dreht der im Zimmer seine Runden.

Antwort: Ich glaube, dass Geld ein Katalysator ist. Wenn Du diese eine Million Euro gewinnst, Du aber nicht weißt, was Dich im Leben glücklich macht – dann wird Dir das Geld auch nicht helfen. Vielleicht sogar ganz im Gegenteil. Wenn Du aber schon weißt, was Dich glücklich macht, dann hilft Dir diese Summe. Geld kann unter Umständen glücklicher machen. Das hängt aber ganz von Dir ab.

Eko Fresh macht nach wie vor politische Rap-Songs. Hier kannst das Musikvideo von „Aber“ anschauen:

Frage: Wusstest Du schon immer, was Dich glücklich macht?

Antwort: Als ich ein Jugendlicher oder Anfang Zwanzig war, da wusste ich das noch nicht. Da hätte ich wahrscheinlich das ganze Geld auf den Kopf gehauen. Mittlerweile weiß ich das schon. Meine eigene Familie macht mich glücklich. Die hat das Loch, was in mir war, gefüllt. Das war das, was ich gebraucht habe. Ich hatte natürlich einen Sonderfall: Das wonach die Leute im Leben streben – ganz unabhängig vom Geld, ich meine eher sich zu verwirklichen – ist mir schon total früh passiert. Ich bin als 16- oder 17-Jähriger bekannt geworden. Das war mein erster Traum und der ist sofort wahr geworden. Insofern hat mir etwas Anderes im Leben gefehlt – und das war, eine Familie zu gründen.

Frage: Migration ist eines Deiner Spezialgebiete. Inwiefern gelingt Dir das mit der Rolle des Firats?

Antwort: Wenn man das Plakat zur Serie sieht, denkt man vielleicht, Firat ist nur Müllmann. Das ist er aber gar nicht: der ist ein Kleinunternehmer, zufrieden mit seiner Familie und wohnt in einem Münchner Vorort mit Garten und Pool. Es gibt viele Menschen mit Migrationshintergrund und vor allem hier im Bundesland Nordrhein-Westfalen, die sich selbstständig machen. Die sich nicht zu schade sind, eine Sache an anzupacken und ihre Träume zu verwirklichen. Die wollen aus allem das beste rausholen. Für mich steht Firat genau für diese Menschen.

Antwort: Es ist schön, dass diese Rolle so im Deutschen Fernsehen gezeigt wird. Es gibt oft Sendungen, in denen Diversität so gar nicht vorkommt. Wenn ein Migrant mitspielt, schlüpft er oft nur in Klischeerollen, wie die eines Kriminellen. Das ist bei Firat nicht der Fall, er dient als gutes Beispiel.

Frage: In der Serie geht es viel um glückliche Beziehung. Was hast Du von Deiner Rolle Firat über die Liebe gelernt?

Antwort: Als Schauspieler ist es spannend, andere Perspektiven einzunehmen. Ob ich mir aber vom Firat Beziehungstipps holen würde, das glaube ich eher nicht (lacht). 

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