Kolumne: Klare Kante
Olaf Scholz: Der große Schweiger
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal in der Woche eine Kolumne. Donnerstags gibt es klare Kante.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) könnte den in die Geschichte als „großen Schweiger“ eingegangenen Chef des Preußischen Generalstabs im Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 ,Helmuth Graf von Moltke, ablösen. Der Regierungschef ist im Ukraine-Krieg auf Dauer-Tauchstation, verwirrt die Bevölkerung durch die Verweigerung klarer Informationen, wie der Beistand Deutschlands für das von den Russen überfallene Land konkret aussieht.
Ein Gas-Embargo kommt nicht infrage, mit wechselnden Ausreden wurde gleichzeitig die Lieferung schwerer Waffen problematisiert, die nach Krach in der Koalition nun geliefert werden dürfen. Sieht so eine glaubwürdige „Zeitenwende“ aus ?
In der Krise erreicht man Autorität durch Kommunikation. Statt selbst zu reden, vor allem zu erklären und Perspektiven für eine europäische Friedensordnung der Zukunft aufzuzeigen, amüsiert sich der Kanzler arrogant über die „Mädels und Jungs“, die als selbst ernannte Militär-Experten bei ihm Führung einfordern.
Dieter Weirich (76), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.Zur Person
Die Menschen spüren, dass es ihm die Sprache verschlagen hat und es ihm an einem glaubwürdigen strategischen Konzept fehlt. Kein Wunder, dass Scholz inzwischen so unpopulär ist, wie es Merkel zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 war.
Merkel hat Schweigen vor allem in der Endphase ihrer Kanzlerschaft als Schadensbegrenzung verstanden. Die Verletzung der Menschenrechte in Hongkong, die staatlichen Gewaltexzesse in Belarus, das alles löste trotz der EU-Präsidentschaft nur ein paar spröde, pflichtschuldige Distanzierungen aus.
Laut wird Scholz erst, wenn er sich gegen die Verleumdung der SPD als „Partei der Putin-Versteher“ wendet. Wenn sein Amtsvorgänger Gerhard Schröder als Gas-Lobbyist noch immer Geld aus Moskau bezieht, jede Schuld von sich weist und auf alle verweist, die letztlich mitgemacht haben, braucht sich Scholz nicht zu wundern, wenn US-Medien ihn als „Putins Mann in Berlin“ bezeichnen. Genosse darf er sich wohl nicht mehr lange nennen.
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„Ideologie-Schrott“
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