Handel
Hamburger suchen nach Ei des Kolumbus für Auricher Handel
Das Einkaufsportal „Ich-kaufe-in-Aurich“ könnte im Zuge des Förderprogramms für die Innenstadt perfektioniert werden. Der Kampf gegen die Verödung von Aurich wird auf allen Kanälen geführt.
Aurich - Es ist die Frage aller Fragen für die Zukunft des Handels: Wie kann es gelingen, den stationären mit dem Online-Handel so zu verzahnen, dass daraus ein neues, zugkräftiges Modell entsteht? Das Ei des Kolumbus für die Warenwelt könnte von der Hamburger Agentur 360 Grad Creations in Kooperation mit der Stadt Aurich ausgebrütet werden. Deren Geschäftsführer Friedrich Musolf und Dominik Dietrich hatten vor zwei Jahren das digitale Einkaufsportal „Ich-kaufe-in-Aurich.de“ entwickelt. Daran wollen die beiden gebürtigen Auricher anknüpfen und im Zuge des Förderprogramms „Perspektive Innenstadt“ unter Umständen ein neues Modell herausbringen. Wie das genau aussehen wird, ist noch in der Schwebe. „Darüber kann ich derzeit noch nichts sagen, weil wir im Entwicklungsprozess stecken“, sagte Dominik Dietrich auf Anfrage dieser Zeitung. Man sei in Abstimmung mit der Stadt Aurich.
Es dürfte allerdings spannend sein, was die beiden kreativen Köpfe in der Pipeline haben. Vor zwei Jahren waren sie die Retter in der Not: Die Geschäftsführer der Hamburger Agentur entwickelten ein digitales Einkaufsportal für Aurich. So sollten Geschäfte, die wegen des coronabedingten Lockdowns schließen mussten, den Kontakt zum Kunden halten können. Es wurde in einer Blitzaktion quasi über Nacht, genauer während eines Wochenendes, aus der Taufe gehoben. Derzeit sind 125 Kaufleute dort vertreten, und zwar mit einer Kurzbeschreibung ihres Angebots, mit Öffnungszeiten und besonderen Aktionen. Das Spektrum der angebotenen Waren und Dienstleistungen ist breit gestreut, es reicht vom Nagelstudio bis zum Modehaus Silomon. Der Vorteil für den Besucher, der von außerhalb kommt: Er kann sich mit ein paar Klicks einen Einblick in das Portfolio von Aurich verschaffen.
Idee ist noch nicht tot
Ursprünglich war vorgesehen, das Portal um einen Online-Shop zu erweitern. Das sei aus rechtlichen Gründen damals nicht möglich gewesen, sagte Dominik Dietrich am Mittwoch. Nicht ausgeschlossen sei, dass die Idee wiederauflebt und im Zuge der möglichen Kooperation mit der Stadt umgesetzt wird. Der Vorteil: Die Geschäftsleute müssten nicht in den Aufbau einer eigene Homepage samt Online-Shop investieren. Davor schreckten viele zurück. Wenn sie sich jetzt an dem Online-Einkaufs-Portal beteiligen wollten, werde zwar auch eine Gebühr fällig, aber die liege deutlich unter dem Aufwand für die Einrichtung eines eigenen Shops im Internet.
Neue Impulse böte das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ noch aus einem anderen Grund. In den Richtlinien, die von der N-Bank dafür ausgegeben wurden, steht ausdrücklich, dass es um eine „unternehmensübergreifende Stärkung der digitalen Sichtbarkeit des innerstädtischen Handels“ gehe. Es sollten „Hybridmodelle von stationärem und digitalem Einkauf“ umgesetzt werden. Eine Innenstadt, die langfristig attraktiv bleiben möchte, muss in diesen Dimensionen denken, wenn sie nicht veröden will.
Kunden werden auf Geschäfte aufmerksam
Markus Frerichs vom Taschen- und Bürobedarfsgeschäft Abegg in der Osterstraße merkt nach wie vor, dass Kunden über das Einkaufsportal „Ich-kaufe-in Aurich“ auf das Geschäft aufmerksam geworden sind. „Das gilt besonders für unsere Schulranzen. Für die Beratung und Anpassung dieses Artikels sind unsere Mitarbeiter besonders geschult“, sagte er. Mittlerweile habe man auch einen Online-Zugang zu dem Portal und könne die Daten selbst aktualisieren.
Das passiere unter anderem mit den Öffnungszeiten, aber auch mit neuen Angeboten. Bei Abegg ist vor einigen Wochen gleich ein ganzes Geschäft hinzugekommen. Abegg-Geschäftsführerin Alexandra Schneemilch hatte das angrenzende Ladenlokal dazugemietet, um dort Rucksäcke, Schulranzen und Freizeittaschen anzubieten.
Optikermeisterin Elke Lenk ist ebenfalls auf dem Einkaufsportal vertreten. „Ich kann nicht ermessen, ob ich davon profitiere“, sagte die Auricherin auf Anfrage. Sie erkundige sich schließlich nicht bei ihren Kunden, wie diese auf sie aufmerksam geworden sind. Das könne man nur verlässlich prüfen, wenn man mit einer Art Rücklaufzettel arbeite.