Krieg in Europa

Warum Putin den Gashahn zudreht

Thomas Ludwig
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Ein Kommentar von Thomas Ludwig
| 27.04.2022 15:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Verdichterstation für russisches Erdgas in Polen: Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Verdichterstation für russisches Erdgas in Polen: Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
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Russland hat die Gaslieferungen an Polen und Bulgarien ausgesetzt. Damit spitzt sich der Wirtschaftskrieg zu. Ob es auch Deutschland treffen könnte, hängt nicht zuletzt von Berlin ab.

Moskau hat Polen und Bulgarien den Gashahn zugedreht. Der Schritt zeigt, wie brachial der Wirtschaftskrieg zwischen Russland und der EU als Folge des Überfalls auf die Ukraine inzwischen geführt wird. Überrascht haben dürfte Polen und Bulgarien das Ende der Gaslieferungen indes nicht. Beide Länder weigern sich, ihre Energierechnung in Rubel zu bezahlen. Konkret müssen Kunden nun ein Konto bei der Gazprombank eröffnen. Dann können sie das Gas wie in der Vergangenheit in Euro oder Dollar bezahlen. Die russische Bank konvertiert den Betrag wiederum in Rubel, kauft die Währung an der Moskauer Börse und überweist das Geld weiter an Gazprom.

Solange sich Deutschland und andere Staaten an die von der EU-Kommission gutgeheißene Kontolösung halten, müssen sie vorerst nicht befürchten, von russischem Gas abgeschnitten zu werden. Warschau und Sofia treiben den Konflikt lieber auf die Spitze, um Putin als Aggressor zu brandmarken. Das ist verständlich, bleibt naturgemäß aber nicht ohne Konsequenzen. Und noch etwas verschärft die Lage: Die EU bereitet seit Wochen ein Embargo russischer Öleinfuhren vor. Das ärgert Moskau besonders, denn das schwarze Gold bringt Russland die größten Einnahmen. So bleibt die Drohung mit dem Gashahn auf beiden Seiten ein probates Mittel, den Gegner vor sich her zu treiben.

Den Autor erreichen Sie unter mantel@zgo.de

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