Osnabrück
Wie glücklich macht die ARD-Serie „Die Glücksspieler“?
Ist gutes Fernsehen Glückssache? Mit der sechsteiligen Serie „Die Glücksspieler“ ist der ARD auf jeden Fall ein wahrer Glücksgriff gelungen.
Wir alle suchen ständig das große Glück. Aber was ist das eigentlich, Glück? Ein toller Job? Die große Liebe? Harmonie und Zufriedenheit? Oder einfach nur ganz viel Geld?
Letzteres verspricht der stinkreiche Geschäftsmann Gottlieb Herzinger (Branko Samarovski) drei wildfremden Personen, die ihm das Schicksal über den Umweg eines roten Luftballons in den Garten weht. An dem Luftballon befestigt hängt der Hilferuf eines Kindes, das sich zu Weihnachten nichts sehnlicher wünscht, als dass sich seine Eltern weniger streiten und öfter zu Hause bleiben.
Jetzt sitzen Firat Bozoklu (Eko Fresh), Ines Schickling (Katharina Schüttler) und Jasper Lipp (Manuel Rubey) in Herzingers Villa am See und bekommen ein Angebot unterbreitet, das sie unmöglich ablehnen können. Eine Million Euro. Pro Person. Wenn sie ab sofort für ein Jahr versuchen, glücklicher zu werden. Sie müssen es gar nicht schaffen. Einfach nur versuchen. Ist das nicht ein toller Deal?
Allerdings hat die Sache drei Haken. Niemand, wirklich niemand darf etwas von dem Vorhaben erfahren. Einmal pro Woche müssen sie sich in der Kanzlei von Herzingers Notar einfinden, um sich gegenseitig auszutauschen und dabei von Herzinger gefilmt zu werden. Und alle drei müssen bis zum Schluss dabei bleiben. Steigt eine Person aus, sind alle raus.
Es ist kaum zu glauben, aber hinter dieser ziemlich versponnen Idee steckt eine der sehenswertesten Familienserien der letzten Jahre. Die Produktion „Die Glücksspieler“, dieses Wortspiel muss erlaubt sein, ist tatsächlich ein Glücksfall. Regisseur Michael Hofmann, der gemeinsam mit Bert Koß auch das Drehbuch geschrieben hat, gelingt es hier, eine intelligent ersonnene und gewitzt umgesetzte Geschichte zu erzählen, die sich gängigen TV-Klischees entzieht, die Zuschauer ernst nimmt und dabei bestens unterhält.
Das fängt mit der Figurenzeichnung der drei berufstätigen Elternteile Firat, Ines und Jasper an, deren bessere Hälften den Haushalt schmeißen, die Kinder betreuen und Verzicht üben, während der Kleinunternehmer, die Anwältin und der Versicherungsmathematiker in ihren Jobs, nun ja, aufgehen. Allen Dreien wird zu Beginn ein Image übergestülpt, das nach und nach nuanciert hintertrieben wird.
Sowieso bleibt nichts, wie es zu Anfang scheint. Den drei „Glücksspielern“ stehen unerwartete Überraschungen bevor, die nicht unbedingt in die Kategorie Glück passen. Das Schicksal erweist sich stets als mieser Verräter. Und bereits am Ende der zweiten Episode kommt es zu einem Ereignis, das eigentlich zum Abbruch des Experiments und damit der Serie führen müsste. Was der Serie aber dann erst recht zusätzlichen Schwung verleiht.
Sowieso überrascht die deutsch-österreichische Koproduktion „Die Glücksspieler“ auf sämtlichen Ebenen. Der doppelbödige Dialogwitz strotzt nur so vor hintersinnigen Pointen. Das herausragend aufeinander abgestimmte Ensemble sprüht geradezu vor Spielfreude. Und manch eine unscheinbar wirkende Figur platzt plötzlich vom Seitenrand in die Mitte des Raumes, von wo aus sie das Geschehen in eine völlig neue Richtung dirigiert. Nur soviel sei vorab verraten – achten Sie auf Frau Unger (grandios: Bettina Mittendorfer) von der Stadtverwaltung, die Firat gelegentlich Aufträge zuschanzt. Nicht ganz selbstlos, versteht sich.
„Die Glücksspieler“ erzeugen von der ersten bis zur letzten Minute jenen geliebt-gefürchteten Seriensog, dem man sich nur schlecht entziehen kann. Wer mal eben viereinhalb Stunden Zeit übrig hat – auch so etwas ist Glück – der sollte sich die sechs Episoden komplett in einem Rutsch anschauen. In der ARD-Mediathek ist das bereits möglich.
Sendetermin: „Die Glücksspieler“ (1-2/6). Das Erste, Mittwoch, 27. April, 20.15 Uhr.