Gesellschaft

Bestattungswald in Aurich: Nun kommt alles anders

| | 27.04.2022 19:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Vorbild für Aurich? Auf Schildern wird an die Toten im Gedächtniswald in Logabirum erinnert. Foto: Archiv/Ortgies
Ein Vorbild für Aurich? Auf Schildern wird an die Toten im Gedächtniswald in Logabirum erinnert. Foto: Archiv/Ortgies
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Auch in Aurich soll man bald die letzte Ruhe unter Bäumen finden. Die Frage ist nur, wo genau. Drei Standorte standen bislang für einen Bestattungswald zur Auswahl. Die Stadt hält sie alle für ungeeignet.

Aurich - Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte: Frei nach diesem Motto hat die Stadt Aurich einen neuen Standort für einen Bestattungswald ausgesucht. Nicht wie ursprünglich geplant im Sandhorster Wald, nicht im Eschener Gehölz und auch nicht in Popens sollen Urnenbestattungen unter Bäumen ermöglicht werden, sondern in einem drei Hektar großen Wäldchen in Wallinghausen, dem Herrenholz (siehe Grafik).

Der Bestattungswald soll nach Wallinghausen kommen.
Der Bestattungswald soll nach Wallinghausen kommen.

Diesen Standort schlägt Fachbereichsleiterin Laura Rothe vor. Das Grundstück gehöre der Stadt. Die Kommune habe es bereits vor 13 Jahren mit der Option erworben, dort eine Urnenbegräbnisstätte zu ermöglichen. Es ist deutlich kleiner als die anderen Flächen, die bislang im Gespräch waren. „Ich finde die Größe genau richtig“, sagt Rothe. Dort sei Platz für 200 bis 250 Buchen und Eschen mit jeweils mehreren Urnen. „Ich schlage das vor, weil es wirtschaftlich und sinnvoll ist.“ Die Fläche lasse sich gut entwässern und sei damit besser für Urnenbestattungen geeignet als das Eschener Gehölz, das ebenfalls der Stadt gehört. Zudem befinde sie sich in einer ruhigen Umgebung, und es gebe dort ausreichend Parkplätze.

Aurich war schon mal weiter

Die Frage ist nun, wer den Bestattungswald errichten und betreiben wird. Die Stadt will eine Kanzlei beauftragen, die Konzession auszuschreiben – vorausgesetzt, die politischen Gremien stimmen zu. Eigentlich war Aurich mit dem Thema schon viel weiter. Im Juli 2020 hatte der Rat einen Grundsatzbeschluss zur Einrichtung eines Bestattungswaldes gefasst. Im September 2021 schien die Sache dann geklärt zu sein. Die JJ Krematorium Ostfriesland GmbH mit Sitz in Schirum wollte in Popens auf einer ihr gehörenden Fläche von 8,5 Hektar Baumbestattungen anbieten. Die Politik war von diesem Konzept überzeugt. Der Ratsbeschluss galt als Formsache. Krematoriums-Geschäftsführer Jakob Janssen hatte in Aussicht gestellt, dass ab Mitte 2022 in Popens die ersten Urnen unter Bäumen bestattet werden könnten.

Doch in letzter Minute stoppte Rothe, die kurz zuvor als Stadtjuristin angefangen hatte, das Verfahren. Das Projekt müsse öffentlich ausgeschrieben werden. Neben der JJ Krematorium Ostfriesland GmbH gab es seinerzeit zwei weitere Bewerber: die Friedwald GmbH aus Hessen, die in Sandhorst auf einer Fläche des Landes Niedersachsen einen 30,7 Hektar großen Bestattungswald anlegen wollte, und die Gedächtniswald Logabirum GmbH, die eine 6,7 Hektar große Anlage im Eschener Gehölz plante.

Andere Kommunen machen es angeblich falsch

Würde die Stadt ohne öffentliche Ausschreibung den Auftrag vergeben, könnten die unterlegenen Bewerber oder andere Interessenten, die nichts davon wussten, auf Schadenersatz klagen, warnt Rothe. „Wir sind zu Transparenz und Fairness verpflichtet.“ Alle interessierten Unternehmen müssten dieselbe Chance bekommen. Bestattungen seien wie die Versorgung mit Wasser und Strom eine Pflichtaufgabe der Kommune, erklärt die Juristin. Daher sei eine Konzessionsvergabe erforderlich, wie bei Buslinien oder Energienetzen. Rothes Fazit: Die Mehrheit der Kommunen in Deutschland mache es falsch.

Die Kanzlei Heuking, Kühn, Lüer, Wojtek (Köln) bereitet nun im Auftrag der Stadt das Vergabeverfahren für den Bestattungswald vor. Sie empfiehlt dringend, ein städtisches Grundstück dafür zu nehmen, da es sonst vergaberechtliche und vertragliche Schwierigkeiten geben könnte – etwa nach dem Ende der Vertragslaufzeit oder durch eine Insolvenz des Betreibers. In einer Stellungnahme weist die Kanzlei darauf hin, dass die ursprünglich geplante Laufzeit von 99 Jahren nicht mit dem Vergaberecht vereinbar sei.

„Wir glauben an unser Konzept“

Die JJ Krematorium Ostfriesland GmbH, die im September den Zuschlag bekommen sollte, ist von der Entwicklung „völlig überrascht“, wie Geschäftsführer Jakob Janssen sagt. Er erfuhr am Mittwoch durch einen Anruf unserer Zeitung von der neuesten Entwicklung. Ob er sich um die Konzession für den Bestattungswald bewerben werde? „Da bin ich total überfragt im Moment.“ Er werde sich das in Ruhe angucken und dann entscheiden.

Die Gedächtniswald Logabirum GmbH hat nach wie vor Interesse. „Wir werden uns das angucken“, sagt Generalbevollmächtigter Enno Herlyn. Der Gedächtniswald in Leer-Logabirum sei eine Erfolgsgeschichte. „Wir glauben an unser Konzept. Wir sind auf jeden Fall bereit, unseren Hut in den Ring zu werfen.“ Die Friedwald GmbH reagierte am Mittwoch nicht auf eine entsprechende Anfrage.

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